Donnerstag, Juni 23, 2022
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Die Ermittlungen im Fall Winterhoff weiteten sich deutlich aus

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Der Fall des Kinderpsychiaters Winterhoff nimmt eine neue Dimension an: Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt nun in „einer hohen dreistelligen Zahl von Fällen“ wegen möglicherweise schwerer Schäden durch seine Behandlungen.

Die Staatsanwaltschaft Bonn weitet ihre Ermittlungen im Fall Michael Winterhoff offenbar massiv aus. Wie der „Bonner General-Anzeiger“ berichtet, ermitteln die Ermittler nun in einer hohen dreistelligen Zahl von Fällen von Betroffenen, die als Kinder und Jugendliche von dem Bonner Psychiater und Bestsellerautor behandelt und möglicherweise schwer geschädigt wurden.

Die Behörde selbst bestätigte die Zahl auf Nachfrage nicht, sprach aber von einer „großen Zahl“ von Fällen. Bisher hatte die Staatsanwaltschaft stets von zweistelligen Fallzahlen gesprochen. Sollte sich die Zahl bestätigen, zeigt sie die enormen Dimensionen des Falls Winterhoff, der seit mehr als drei Jahrzehnten Kinder und Jugendliche behandelt und nach eigenen Angaben zuletzt mit bis zu 30 Einrichtungen kooperiert hat.

Der starke Anstieg ist laut „Bonner General-Anzeiger“ auf die Razzia im Mai zurückzuführen, als 100 Kriminalbeamte Winterhoffs ehemalige Praxis in Bonn und 15 kooperierende Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen durchsuchten der Bonner Arzt. Nach Angaben von WDR und „Süddeutsche Zeitung“ beschlagnahmten die Ermittler mehr als 2000 Patientenakten.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Bonn erklärt nun auf Nachfrage, dass die Akten noch ausgewertet werden. Unabhängig davon haben sich weitere ehemalige Patienten von Winterhoff oder deren Erziehungsberechtigte bei Polizei und Staatsanwaltschaft gemeldet. Aus Bonner Polizeikreisen war zu erfahren, dass die Bearbeitung der Anzeigenflut kaum noch aufrechtzuerhalten sei.

Die ersten Anzeigen gingen im vergangenen Herbst nach WDR und SZ hatten erstmals über die dubiosen Behandlungsmethoden des bekannten Kinderpsychiaters berichtet. Winterhoff hatte vielen Betroffenen Diagnosen wie frühkindlicher Narzissmus und Eltern-Kind-Symbiose gestellt, die in keinem Lehrbuch zu finden sind, und ihnen dann Medikamente verschrieben.

Vielen verschrieb er das Neuroleptikum Pipamperon, oft in hohen Dosen. Es ist ein starkes Beruhigungsmittel und kann schwerwiegende und lang anhaltende Nebenwirkungen haben. Experten empfehlen, das Medikament nur in Notfällen für eine begrenzte Zeit einzunehmen. Ehemalige Patienten berichten, dass sie jahrelang Pipamperon nehmen mussten und immer noch unter den Nachwirkungen der Behandlung leiden.



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