Sonntag, Juni 26, 2022
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Die Kriegsnacht auf einen Blick Geheimdienst: Pläne des Kremls gehen bis Oktober – schwere Kämpfe um Siewjerodonezk

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Die schweren Kämpfe im Donbass gehen weiter. In der Stadt Sievjerodonetsk halten die Verteidiger nach eigenen Angaben die umkämpfte Chemiefabrik Azot. Der ukrainische Militärgeheimdienst geht davon aus, dass Moskau seine Kriegspläne bis Oktober angepasst hat. Derweil berichtet der Rüstungskonzern Rheinmetall über Ersteres „Marder“-Panzer zur Auslieferung bereit.

Azot-Chemiefabrik laut Gouverneur noch immer unter Kontrolle

In der Ostukraine wird unter anderem um die Stadt Siewjerodonezk gekämpft. Das russische Militär habe auf die zivile Infrastruktur in der Stadt und im benachbarten Lysychansk sowie an drei weiteren Orten geschossen, teilte der ukrainische Generalstab mit. Ukrainische Einheiten hätten russischen Angriffen aus mehreren Richtungen standgehalten. Die Informationen wurden nicht unabhängig überprüft.

Die Azot-Chemiefabrik, in der Hunderte von Zivilisten Zuflucht gefunden haben, bleibt unter ukrainischer Kontrolle, sagte der Gouverneur der Region, Serhiy Gaidai. In mehreren Bunkern unterhalb des Werks haben nach ukrainischen Angaben rund 800 Menschen Zuflucht gesucht, darunter etwa 200 Beschäftigte des Werks und 600 Einwohner der Industriestadt.

Siewerodonezk ist die letzte größere Stadt in der Region Lugansk, die noch nicht vollständig unter der Kontrolle russischer Truppen oder prorussischer Separatisten steht. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von anhaltenden Straßenkämpfen. Laut Bürgermeister Oleksandr Stryuk kontrollieren ukrainische Truppen ein Drittel von Sievarodonetsk. Die Stadt sei seit rund zwei Monaten ohne Strom- und Wasserversorgung, betonte er.

Geheimdienst: Moskaus Pläne reichen bis Oktober

Nach Informationen des ukrainischen Militärgeheimdienstes GUR bereitet sich die russische Armee auf einen noch längeren Einsatz in der Ukraine vor. Dem GUR-Vizedirektor Vadym Skibitsky liegen Informationen vor, wonach die russische Armeeführung ihre Planung für weitere 120 Tage bis in den Oktober hinein angepasst hat, berichtete das US-Militärforschungsinstitut ISW.

Laut Skibitsky passt die Armeeführung ihre Einsatzziele monatlich an – ein Eingeständnis, dass die ursprünglichen Ziele der russischen Offensive nicht erreicht wurden. Der Geheimdienstmitarbeiter behauptet auch, dass Russland zusätzlich zu den 103 in der Ukraine stationierten Kampfbataillonen 40 weitere Bataillone habe. Die Experten des ISW gehen jedoch davon aus, dass es sich um Bataillone handelt, die mit Personal anderer Einheiten zusammengeworfen wurden. Angesichts des Personalmangels an der Front dürfte Russland keine nennenswerten Reserven zurückhalten.

Schwierige Situation für ukrainische Truppen

In den vergangenen Tagen haben Selenskyj und andere ukrainische Politiker an die westlichen Verbündeten appelliert, so schnell wie möglich mehr schwere Waffen und Raketen zu schicken. Denn der Konflikt in der Ostukraine entwickelt sich zu einem Artillerie-Duell, bei dem die russische Armee dank größerer Waffen- und Munitionsvorräte im Vorteil ist.

Nach ukrainischen und westlichen Schätzungen verzeichnen die russischen Truppen weiterhin hohe Verluste. Selenskyj sprach in seiner täglichen Videoansprache am Samstag von rund 32.000 getöteten russischen Soldaten. Am Tag zuvor hatte einer seiner Berater die Verluste der ukrainischen Armee seit dem russischen Einmarsch am 24. Februar auf etwa 10.000 geschätzt.

Rheinmetall hat „Marder“ zur Auslieferung bereit

Mehrere von der Bundeswehr ausgemusterte, aber derzeit modernisierte Schützenpanzer „Marder“ des Herstellers Rheinmetall sind einsatzbereit und könnten sofort in die Ukraine geliefert werden. „Wir sind dabei, 100 Marder-Schützenpanzer zu reparieren, und die ersten Fahrzeuge sind bereits fertig“, sagte Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender von Rheinmetall, der „Bild am Sonntag“. „Wann und wohin die Marder geliefert werden, ist die Entscheidung der Bundesregierung.“ Die ukrainische Regierung hat die Schützenpanzer beantragt, aber der Sicherheitsrat der Bundesregierung hat sie noch nicht genehmigt.

Auch der Kandidatenstatus der Ukraine wird die EU stärken

Selenskyj hat sich erneut für den EU-Beitritt seines Landes eingesetzt. Er sei überzeugt, dass mit der Entscheidung über den Kandidatenstatus der Ukraine auch die Europäische Union gestärkt werden könne. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte bei ihrem Besuch in Kiew am Samstag, dass die Prüfung des Beitrittsantrags der Ukraine bis Ende nächster Woche abgeschlossen sein werde. Ihre Behörde sollte eine Empfehlung im Hinblick auf einen möglichen Kandidatenstatus für das Land aussprechen. Die Ukraine hofft, es auf dem Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der EU am 23. und 24. Juni zu bekommen.

Das wird heute wichtig

Alle weiteren Entwicklungen lesen Sie in unserem Live-Ticker zum Ukraine-Krieg.

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