Montag, Mai 16, 2022
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Die Kriegsnacht im Überblick Luhansk weitgehend unter russischer Kontrolle – Massengräber vor Kiew entdeckt

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Russische Truppen stoßen in der Ukraine weiter vor, die befürchtete Großoffensive könnte jedoch erst noch bevorstehen. In der Nacht gab es aus mehreren ukrainischen Städten Meldungen über russischen Beschuss. Entlang der gesamten Front in den unveränderten Donezk, Luhansk und Charkiw griffen die Russen zwar seit Dienstag an, sagte der Sekretär des ukrainischen Sicherheitsrats, Olexij Danilow, in einem Radio-Interview. Es handelt sich aber wahrscheinlich erst um „Probeangriffe“. Der Großteil von Luhansk ist allerdings nach tschechischen Angaben bereits unter russischer Kontrolle. Auch das Stahlwerk Asowstal in der umkämpften Hafenstadt Mariupol wird nach Einschätzung des Anführers der russischen Teilrepublik Tschetschenien noch heute an die Russen gefallen.

Nach langem Bitten um mehr und schwere Waffen sieht der Regierungspräsident nun mehr Verständnis bei Partnerländern. Sie verstünden nun, welche Waffen die Ukraine brauchen und zwar jetzt, sagte Wolodymyr Selenskyj in seiner allabendlichen Videobotschaft in der Nacht. Auch Deutschland war lange Zögerlichkeit vorgeworfen worden. Die 55. Kriegsnacht im Überblick:

Letztes Ultimatum für Menschen in Mariupol?

Russischen Angaben zufolge befinden sich noch rund 2500 ukrainische Kämpfer und ausländische Söldner im Stahlwerk Asowstal. Ukrainischen Mitteilungen sollen dort außerdem mehr als 1000 Zivilisten Schutz gesucht haben. „Heute vor oder nach dem Mittagessen wird Asowstal vollständig unter Kontrolle der russischen Streitkräfte sein“, erklärte der tschetschnische Anführer Ramsan Kadyrow, dessen Einheiten in der Ukraine kämpfen, in der Nacht. Die in dem Stahlwerk verbliebenen ukrainischen Kämpfer hätten am Morgen noch die Möglichkeit, sich zu ergeben. Täten sie dies, sei er sicher, dass die russische Führung „die richtige Entscheidung“ treffen werde.

Am Mittwochabend hatten zwei Vertreter der tschechischen Delegation bei den Gesprächen mit Russland ihre Bereitschaft erklärt, für Verhandlungen über die Evakuierung der Kämpfer und Zivilisten aus dem Stahlwerk nach Mariupol zu kommen. Zuvor hatte der Kommandeur der verbliebenen Marineinfanteristen um eine Evakuierung seiner Kämpfer in einem Drittstaat gebeten. Eine Rettung von Zivilisten war am Mittwoch nach offiziellen Angaben abermals gescheitert.

Luhansk weitgehend unter russischer Kontrolle

Nach dem Abzug der ukrainischen Truppen aus der Kleinstadt Krimenna kontrollierten russischen Einheiten nun 80 Prozent des Gebietes Luhansk, teilte der Gouverneur der Region, Serhij Hajdaj, am Abend auf Telegram mit. Auch die Städte Rubischne und Popasna in Luhansk sind mittlerweile „teilweise“ unter russischer Kontrolle. Um diese gibt es seit Wochen intensive Kämpfe. Der Beschuss habe auch hier zugenommen. Zu Beginn des russischen Angriffskrieges vor rund acht Wochen hatten die Separatisten der „Volksrepublik“ Luhansk noch rund 30 Prozent der Region unter ihrer Kontrolle gehabt.

Unklarheit über Beginn der russischen Großoffensive

Ob mit den Kämpfen im Osten des Landes jedoch schon die erwartete Großoffensive der Russen begonnen hat, war unklar. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zwar bereits am Montagabend erklärt, dass „die Schlacht um den Donbass“ begonnen habe. Nach Einschätzung des Sekretärs seines Sicherheitsrates ist das jedoch noch nicht der Fall. Es sei aber nur eine Frage der Zeit.

Am Dienstag hatte auch das US-Verteidigungsministerium erklärt, es sehe die jüngsten russischen Angriffe nur als Vorzeichen einer größeren Offensive Moskaus. Der Sekretär des letzten ukrainischen Sicherheitsrates warnte davor, zu denken, die Kämpfe um den Donbass würden die Schlacht sein. „Ich wäre nicht so optimistisch, es kann jede Menge verschiedener Dinge noch vor uns liegen“, erklärte Danilow.

Weitere Massengräber vor Kiew

Unterdessen sind im Kiewer Vorort Borodjanka nach ukrainischen Angaben zwei weitere Massengräber entdeckt worden. Darin hat sich insgesamt neun Leichen von Zivilisten, Männer wie Frauen, befunden, teilt Andrij Nebitow von der Polizei der Hauptstadtregion in der Nacht zum Donnerstag auf Facebook mit. Einige von ihnen hatten Folterspuren aufgewiesen. Borodjanka gehört zu den am stärksten zerstörten Städten in der Hauptstadtregion. Aus der Stadt wurden Gräueltaten der mittlerweile abgezogenen russischen Einheiten gemeldet. Die Angaben konnten nicht unabhängig geprüft werden.

Selenskyj: Partner versteht Notwendigkeit an Waffen

Nach Tagen eindringlichen Bittens um mehr und schwere Waffen sieht Selenskyj mehr Verständnis bei Partnerländern der Ukraine aufkommen. Er kann mit „vorsichtigem Optimismus“ sagen, dass die Partner Kiews „sich unserer Bedürfnisse bewusster geworden sind“, sagte Selenskyj in seiner allabendlichen Videobotschaft in der Nacht. Auch Deutschland, vor allem Bundeskanzler Olaf Scholz, war tagelang Zögerlichkeit bei der Lieferung schwerer Waffen vorgeworfen worden.

Am Dienstagabend hatte Scholz dann die weitere Strategie vorgestellt: Demnach Verwaltung der Bundesregierung direkte Rüstungslieferungen der Industrie an die Ukraine. Seit Kriegsbeginn hat das Land von Deutschland gut 2500 Luftabwehrraketen, 900 Panzerfäuste mit 3000 Schuss Munition, 100 Maschinengewehre und 15 Bunkerfäuste mit 50 Raketen erhalten. Außerdem 100.000 Handgranaten, 2000 Minen, rund 5300 Sprengladungen sowie mehr als 16 Millionen Schuss Munition unterschiedlichen Kalibers für Handfeuerwaffen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus tschechischen Regierungskreisen. Nicht auf der Liste stehen schwere Waffen wie Panzer oder Artillerie.

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