Donnerstag, Juni 23, 2022
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Die Norges Bank wagt die größte Zinserhöhung seit 20 Jahren

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Die norwegische Zentralbank ist angesichts der rapide steigenden Inflation gezwungen, drastische Maßnahmen zu ergreifen. Die Norges Bank erhöhte die Zinsen so stark wie seit 20 Jahren nicht mehr.

Im Kampf gegen die hohen Inflationsraten hat die norwegische Notenbank den Leitzins deutlich angehoben: Er steigt um einen halben Prozentpunkt auf 1,25 Prozent. Einen derart scharfen Zinsschritt wagten die Währungshüter zuletzt im Jahr 2002. Die meisten Volkswirte hatten nur mit einer Zinserhöhung von 0,25 Prozentpunkten gerechnet.

Auch Ida Wolden Bache, seit April Präsidentin der Norges Bank, stellte eine weitere Zinserhöhung im August in Aussicht. Der Leitzins dürfte dann wohl weiter auf 1,5 Prozent angehoben werden. Weitere rasche Zinserhöhungen dürften folgen. Bis zum Sommer 2023 soll der Leitzins bei 3,0 Prozent liegen.

„Erwartungen einer längeren Phase hoher Inflation deuten darauf hin, dass die Zinsen schneller steigen werden als frühere Prognosen“, sagte Wolden Bache. Schnellere Zinserhöhungen zum jetzigen Zeitpunkt werden das Risiko einer anhaltend hohen Inflation und die Notwendigkeit späterer noch stärkerer Straffungen vermeiden.

Die norwegische Krone, die aufgrund der schlechten Marktstimmung seit April unter Abwärtsdruck steht und laut Notenbank die fundamentalen Rahmenbedingungen nicht widerspiegeln sollte, gibt der Norges Bank zusätzlichen Spielraum für ein schnelleres Vorgehen, betont Antje Praefcke, Devisenexpertin bei der Commerzbank.

Das skandinavische Industrieland hatte bereits im September 2021 die Nullzinspolitik beendet und damals den Leitzins um einen Viertelpunkt auf 0,25 Prozent erhöht. Mit diesem Kurswechsel übernahm die Norges Bank eine Vorreiterrolle unter den Zentralbanken.

Sie war die erste Zentralbank unter den großen Volkswirtschaften, die die Zinsen seit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie anhob. Alle anderen großen Notenbanken, darunter auch die US-Notenbank, zögerten zu diesem Zeitpunkt noch, die Zinswende einzuleiten.

Ein Irrtum, wie sich zwischenzeitlich herausstellte. Umso mehr musste die Fed in letzter Zeit auf die Bremse treten. Längst hat sie die Norges Bank eingeholt, inzwischen sogar überholt: Mitte Juni hob die US-Währungsbehörde Jerome Powell den Leitzins auf 1,5 bis 1,75 Prozent an. Auch die Schweizer Notenbank wagte kürzlich eine grosse Zinserhöhung.

Hintergrund des Trends zu höheren Leitzinsen in den großen Volkswirtschaften sind die stark steigenden Verbraucherpreise. Die Inflationsrate in Norwegen stieg im Mai gegenüber dem Vorjahr auf 5,7 Prozent. Ohne Energiepreise waren es 3,4 Prozent.

Nun hat die Norges Bank ihre Inflationsprognose angehoben: Sie rechnet für dieses Jahr mit einem Anstieg der Kerninflation, die Schwankungen der Energiepreise nicht berücksichtigt, um 3,2 Prozent. Zuvor hatte sie ein Plus von 2,5 Prozent prognostiziert. 2023 soll die Kerninflationsrate 3,3 Prozent erreichen. Zum Vergleich: Das Inflationsziel der Norges Bank liegt bei zwei Prozent.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) strebt mittelfristig eine Inflationsrate von zwei Prozent an. Die Inflationsrate in der Eurozone stieg im Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat auf durchschnittlich 8,1 Prozent. Die EZB kündigte für Juli die erste Zinserhöhung seit 2011 an. Die wichtigsten Zinssätze sollen dann um jeweils 0,25 Prozentpunkte angehoben werden.



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