Freitag, Juni 24, 2022
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Die russische Zentralbank senkt die Zinsen auf Vorkriegsniveau

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Die russische Notenbank hat den Leitzins wieder auf das Niveau vor dem Angriff auf die Ukraine gesenkt. Der stärkere Rubel und der jüngste Inflationsrückgang in Russland machen es möglich.

Die russische Notenbank in Moskau hat überraschend die Zinsschraube angezogen und den Leitzins um 1,5 Prozentpunkte auf 9,5 Prozent gesenkt. Der Leitzins liegt nun wieder auf dem Niveau vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine. Zur Begründung führte die Zentralbank an, dass der Rückgang der Wirtschaftstätigkeit im zweiten Quartal weniger stark als erwartet ausgefallen und die Inflation stärker als erwartet zurückgegangen sei.

Zur Erinnerung: Ende Februar hat die Bank Rossii unter Führung von Notenbankchefin Elwira Nabiullina den Leitzins drastisch um 10,5 Punkte auf 20 Prozent angehoben. Damit reagierte sie auf die Sanktionen des Westens nach Beginn des Krieges gegen die Ukraine.

Mit ihrer Zinserhöhung wollte die Notenbank der Abwertung der Landeswährung Rubel und der Inflationsgefahr entgegenwirken. Gleichzeitig führte Nabiullina Kapitalverkehrskontrollen ein, um zu verhindern, dass Devisen ins Ausland fließen. Später folgten jedoch kurz hintereinander drei Zinssenkungen um jeweils drei Prozentpunkte. Ende Mai lag der Leitzins bei elf Prozent – ​​jetzt ist er wieder auf das Ausgangsniveau vom Februar zurückgekehrt. Zudem kündigte die Notenbank im Jahresverlauf weitere Zinssenkungen an.

Die Inflation in Russland hatte sich zuletzt etwas beruhigt, Anfang Juni sank die russische Inflationsrate von 20 auf 17 Prozent. Im weiteren Jahresverlauf rechnet die Bank Rossii mit einem weiteren Rückgang der Inflation auf durchschnittlich 14 bis 17 Prozent im Jahresdurchschnitt. Damit hat die Notenbank ihre Inflationsprognose deutlich gesenkt, nachdem sie zuletzt für 2022 von einer Inflation zwischen 18 und 23 Prozent ausgegangen war.

Auch der Rubel befindet sich auf Erholungskurs – er ist jetzt sogar stärker als vor Beginn des Ukraine-Krieges. Dies verschaffte der russischen Notenbank einen gewissen Spielraum für Zinssenkungen, den sie nun genutzt hat.

Derzeit müssen für einen Rubel nur rund 58 Dollar bezahlt werden. Vor Beginn des Ukraine-Krieges waren es etwa 76 Dollar gewesen. Zum Höchststand im März kostete ein Rubel sogar 154 Dollar.

Devisenexperten führen die Stärke des Rubels nicht zuletzt auf westliche Sanktionen zurück. „Wenn Waren sanktioniert werden, konzentriert sich ein Teil der russischen Nachfrage auf heimische Waren. Das wiederum stärkt den Rubel“, erklärte Commerzbank-Devisenexpertin Anja Praefcke kürzlich im Vergleich zu Theaktuellenews.com.

Da der Rubel seit Ausbruch des Krieges kaum im Ausland gehandelt wird, sind die in Russland ermittelten Rubelkurse mit Vorsicht zu genießen. Der Rubelkurs ist derzeit kein Preis, der sich unter den Bedingungen eines freien, funktionierenden Devisenmarktes gebildet hat.



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