Mittwoch, Dezember 7, 2022
StartNACHRICHTENDie Zahl der RSV-Infektionen schießt in die Höhe, besonders bei kleinen Kindern

Die Zahl der RSV-Infektionen schießt in die Höhe, besonders bei kleinen Kindern

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Nahezu jedes Kind ist in den ersten zwei Lebensjahren dem Respiratory-Syncytial-Virus ausgesetzt – normalerweise. Wegen der Corona-Schutzmaßnahmen gab es in den letzten zwei Jahren deutlich weniger Infektionen. Doch nun baut sich eine Welle auf, die einen Notarzt von „Katastrophenzuständen“ sprechen lässt.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) führen Infektionen mit dem Respiratory-Syncytial-Virus (RSV) vor allem bei Kleinkindern zu vermehrten Erkrankungen und Krankenhauseinweisungen. Laut RKI-Wochenbericht zur Entwicklung der Corona-Pandemie sollen die Zahlen in den kommenden Wochen weiter steigen. Der Kinderintensiv- und Notarzt Florian Hoffmann sagte zur Entwicklung bei Kleinkindern: „Das ist keine Kurve mehr, sondern die Werte gehen senkrecht nach oben.“

In mehreren Bundesländern, darunter Bayern, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, gebe es in Kliniken bereits kaum noch ein kostenloses Kinderbett, sagte Hoffmann, Generalsekretär der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und Oberarzt von Dr vom Hauner Kinderkrankenhaus in München. Er sprach von „Katastrophenzuständen“ – Familien mit kranken Kindern müssen teilweise auf einer Pritsche in der Notaufnahme schlafen. Das ist ein Armutszeugnis für Deutschland. Viele betroffene Kinder sind schwer erkrankt und müssen beatmet werden.

Schon im Spätsommer 2021 habe es eine ungewöhnlich hohe RSV-Welle gegeben – aktuell sei die Lage aber noch schlimmer, sagte Hoffmann. Nicht nur in Deutschland, sondern allgemein auf der Nordhalbkugel gebe es ein „dramatisches Seuchengeschehen“. Hoffmann erklärte, dass viele Kinder im Alter von ein bis zwei Jahren betroffen seien, die – auch angesichts der Corona-Pandemie und der dagegen ergriffenen Maßnahmen – keinen Kontakt zum RSV gehabt hätten.

Im aktuellen RKI-Wochenbericht heißt es, dass nach Daten der Online-Umfrage „GrippeWeb“ die Zahl der akuten Atemwegserkrankungen insgesamt im Vergleich zur Vorwoche deutlich zugenommen hat. In der Woche bis zum 20. November waren es etwa sieben Millionen und damit mehr als im Jahr vor der Pandemie.

Dies spiegelt sich auch in der Erfassung der neu ins Krankenhaus eingelieferten Patienten mit schweren akuten Atemwegsinfektionen (SARI) wider: Aufgrund der ungewöhnlich starken RSV-Durchblutung werden derzeit bei Kindern bis 4 Jahren deutlich mehr SARI-Fälle registriert als bei den Jahren vor der Pandemie und im Vorjahr, wie das RKI mitteilte. Auch in den folgenden Altersgruppen bis 14 Jahre liegen die SARI-Werte auf einem sehr hohen Niveau.

Mit Blick auf die Situation in der pädiatrischen Intensivmedizin will die DIVI nächste Woche neue Zahlen und die damit verbundenen Forderungen und Lösungsvorschläge zur Verbesserung der Versorgung schwerkranker Kinder in Hamburg vorstellen. „Wir werden diesen Winter nicht alle versorgen können. Unsere Kollegen im ganzen Land wissen nicht, was sie mit unseren kleinen Patienten machen sollen.“ Strukturen zur Bewältigung der Situation sind nicht vorhanden und die vorhandenen Register zur Bettensituation sind aufgrund von Zeitmangel oft nicht aktuell. „Wir sollten jetzt eigentlich Notfallmechanismen aktivieren, zum Beispiel Pflegekräfte aus der Erwachsenenmedizin hinzuziehen.“

RSV kann man in jedem Alter bekommen, besonders wichtig ist der Erreger aber bei Säuglingen und Kleinkindern. Es kann sich um einen einfachen Atemwegsinfekt handeln, aber auch schwere Verläufe bis hin zum Tod sind möglich. Zu den Risikopatienten zählt das RKI zum Beispiel Frühgeborene und Kinder mit Lungenvorerkrankungen, aber auch Menschen mit Immunschwäche oder geschwächtem Immunsystem im Allgemeinen.

Das RKI gibt unter Berufung auf Schätzungen an, dass RSV-Atemwegserkrankungen weltweit mit einer Inzidenz von 48,5 Fällen und 5,6 schweren Fällen pro 1000 Kinder im ersten Lebensjahr auftreten. Normalerweise hätten 50 bis 70 Prozent innerhalb des ersten Lebensjahres mindestens eine Infektion mit RSV gehabt und fast alle Kinder bis zum Ende des zweiten Lebensjahres. Im Zuge der Corona-Schutzmaßnahmen blieben jedoch viele solcher Infektionen zeitweise aus.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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