Freitag, Juni 24, 2022
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Dies brachte den Tempelrittern Zerstörung

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Sie waren unermesslich reich und fielen der Gier zum Opfer. Doch der sagenumwobene Schatz der Tempelritter wurde bis heute nicht gefunden. Gold soll dabei nicht einmal das Kostbarste sein.

Die Ritterschaft Christi und der Tempel Salomos

Jerusalem, besser bekannt als Tempelritter, war in der Tat alles andere als arm. Der Ritterstand galt als so reich, dass sich der hoch verschuldete französische König Philipp IV., auch bekannt als der Schöne, im Herbst 1307 mit Papst Clemens V. zusammentat, um den Orden aufzulösen und die Reichtümer untereinander aufzuteilen.

In einer minutiös geplanten Aktion schlugen die Handlanger des Königs am Freitag, dem 13. Oktober 1307, im ganzen Land ein – und nahmen fast die gesamte Ordensführung fest. Zahlreiche Ritter landeten im Gefängnis, ihr Besitz ging an Krone und Kurie über. Doch in keinem der Ländereien und in keinem der Schlösser fanden Philipp und Clemens V., worauf sie in ihrer Gier spekuliert hatten: den sagenumwobenen Schatz der Templer.

Die Ritter des Ordens waren so reich, dass so ziemlich alles von Rang und Ruhm in ihren Händen war. Nicht nur die französische Krone hatte ihre Feldzüge mit geborgtem Templergeld finanziert, sondern auch die Herrscherhäuser von England und Aragon. Der Tempelritter war die einzige Institution im gesamten Christentum, die Geld gegen Zins verleihen durfte – was sonst weitgehend Juden vorbehalten war.

Zeitgenössischen Berichten zufolge bestand der Reichtum der Tempelritter größtenteils aus Goldmünzen und Goldmöbeln. Aber ihr wahrer Schatz soll unbezahlbar gewesen sein: die vermeintliche Lanze, die der Überlieferung nach ein römischer Soldat in die Rippen des Kreuzes gestochen hatte, der Kelch, aus dem die Jünger den Wein beim letzten Abendmahl tranken, und die Bundeslade Bund, in dem das Volk Israel die Zehn Gebote durch die Wüste getragen haben soll.

Bereits während der auf die Verhaftungen folgenden Prozesse gestand ein gewisser Jean de Châlon, dass der hochrangige Templer Gérard de Villers entkommen und mit über 50 beladenen Pferden aus Paris zu 18 wartenden Galeeren geflohen war, die dann hastig in See stachen. Hat de Châlon die Wahrheit verraten – oder war er auf der falschen Fährte?

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg soll der Gärtner und Hausmeister von Gisors Castle in der Normandie, Roger Lhomoy, dort auf eine versteckte Kapelle gestoßen sein. Er will dort 19 Särge und 30 Truhen gesehen und vermutet haben, dass es sich um die letzte Ruhestätte der geflohenen Templer und ihres Schatzes gehandelt habe.

Aber die Korridore unter der Burg drohten einzustürzen. Ohne weitere Ermittlungen befahl der Bürgermeister von Gisors deutschen Kriegsgefangenen, die bröckelnden Schächte eiligst aufzufüllen, bevor ein Erdrutsch Menschenleben kosten würde. 1963 griff der Journalist Gérard de Sède die Angelegenheit auf und veröffentlichte ein Buch über angebliche Hinweise, die zum Schatz unter der Burg führen sollten.

Diesmal ordnete der französische Bildungsminister André Malraux eine Ausgrabung an – doch die Statik des Schlosses hatte sich in den letzten Jahren nicht verbessert. Malraux musste die Ausgrabungen stoppen und erklärte Schloss Gisors zum militärischen Sperrgebiet.

Der wohl beliebteste Ort, an dem der Templerschatz vermutet wird, ist jedoch das kleine Dorf Rennes-le-Château rund 40 Kilometer südlich von Carcassonne. In den 1950er Jahren tauchten erstmals Gerüchte über den ehemaligen Dorfpfarrer Bérenger Saunière auf, der bei der Renovierung der Kirche Ende des 19. Jahrhunderts angeblich geheime Dokumente entdeckt haben soll, die ihn zum Schatz führten.

Rennes-le-Château wäre wahrscheinlich für immer ein verschlafenes südfranzösisches Dorf geblieben – wenn die Literatur es nicht entdeckt hätte. Inspiriert vom zweiten Buch des Journalisten Gérard de Sède, in dem er die Burg-Gisors-These zurückwies und stattdessen den Schatz in Rennes-le-Château annahm, zuerst Umberto Eco in seinem Roman „Das Foucault-Pendel“ und später Dan Brown in seinem Buch „Der Da Vinci Code“ greift das Motiv wieder auf.

Seitdem findet das 93-Seelen-Dorf keine Ruhe und wird von Horden von Schatzsuchern heimgesucht. Es wird keineswegs gesagt, dass der Schatz – falls vorhanden – überhaupt in Frankreich sein muss. In den 1980er Jahren richtete sich die Aufmerksamkeit nach Schottland, zur Rosslyn Chapel in Midlothian.

Dort erinnert ein Stein in der nordwestlichen Ecke an Sir William Sinclair, der einst Großprior der Tempelritter war. Sein Nachkomme William Sinclair spendete die Kapelle und ließ die Gebeine nach Rosslyn überführen. In Dan Browns Roman The Da Vinci Code benutzten die Tempelritter die Kapelle auch als Versteck für die Überreste von Maria Magdalena.

Allerdings wird auch spekuliert, dass der Schatz nach Schottland kam, aber kurz darauf verkauft wurde, um den schottischen König Robert the Bruce im Kampf gegen die Engländer zu unterstützen. Die legendäre Schlacht von Bannockburn im Jahr 1314, in der die Schotten die zahlenmäßig weit überlegenen Engländer vernichteten, wurde mit Geldern der Templer finanziert.

Dabei muss der Schatz nicht einmal in Europa geblieben sein. Denn Christoph Kolumbus hatte in jenen Jahren die Neue Welt noch nicht gefunden – wohl aber die Wikinger, die knapp 300 Jahre zuvor von Schottland über Island und Grönland nach Nordamerika gesegelt waren. Und so gibt es eine andere Theorie, dass die Templer ihren Schatz dort außer Reichweite von Philipp und Clemens gebracht haben.

Allerdings nicht nach L’Anse aux Meadows auf Neufundland, wo sich später die Wikinger niederließen, sondern weiter südlich vor der Küste von Nova Scotia auf eine Insel namens Oak Island. Dort soll Ende des 18. Jahrhunderts ein junger Mann auf der sonst menschenleeren Insel eine große, von Menschenhand geschaffene Mulde gefunden haben.

Seitdem haben weder die Spekulationen noch die Suche auf der Insel aufgehört. Der Schatz des Piraten Captain Kidd könnte dort vergraben sein, der Schmuck der französischen Königin Marie Antoinette, aber vielleicht auch unbekannte Manuskripte von Shakespeare – oder der Schatz der Tempelritter.

Von weiteren Suchen wird jedoch dringend abgeraten. Denn auf Oak Island soll es einen Fluch geben: Die Suche nach dem Schatz würde sieben Männer das Leben kosten, bevor er gefunden wird. Bis heute sind sechs bei dem Versuch gestorben, das Geheimnis der mysteriösen Grube zu entreißen.

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