Mittwoch, Februar 1, 2023
StartNACHRICHTENDiskussion über Euthanasie: Von Schirach fordert eine schnelle Entscheidung

Diskussion über Euthanasie: Von Schirach fordert eine schnelle Entscheidung

- Anzeige -

Politiker haben jahrelang darum gekämpft, die Sterbehilfe zu regulieren. Nun müsse entschieden werden, fordert der Autor Ferdinand von Schirach. Er sagt, Selbstmord sollte kein Fehler sein.

Vor drei Jahren hat das Bundesverfassungsgericht das Verbot der kommerziellen Sterbehilfe gekippt. Und jetzt muss sich der Bundestag dazu positionieren. „Alle dachten, dass es nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts relativ schnell gehen würde“, sagt Autor Ferdinand von Schirach. Niemand hatte damit gerechnet, dass es so lange dauern würde.

Der Jurist weiß, warum die Abgeordneten zögern: „Die Politik ist in Schwierigkeiten, weil es sich um einen Grundsatzkonflikt handelt. Auf der einen Seite steht die Verpflichtung des Staates, Leben zu schützen. Auf der anderen Seite steht die Autonomie der Menschen, sich zu eigen zu machen.“ Entscheidungen über ihren Tod“, sagt er. Doch es bedarf einer vernünftigen Entscheidung – und zwar jetzt schnell.

Besonders für unheilbar Kranke wie Helmut Feldmann. Er war Beschwerdeführer in Karlsruhe. Feldmann selbst ist todkrank, COPD. Leiden Sie unter chronischem Husten und Atemnot. „Ich habe keine Angst vor dem Tod, ich habe Angst vor dem Ersticken“, sagt sie. Für ihn sind die drei Jahre eine unendlich lange Zeit. „Abgeordnete sollten sich schämen“, sagt Feldmann.

Warum dauert es so lange? Unmittelbar nach dem Urteil wurden drei Anträge gestellt: Nur ein Gesetz wurde nicht geschaffen. Der Prozess verzögerte sich, sodass die Entscheidung vom Gesundheitsausschuss getroffen wurde. Gesetzgebungsverfahren sind vor den Bundestagswahlen nicht mehr möglich.

Es wäre ein halbes Jahr gewesen. In anderen Fällen, wie z. B. Zwangsimpfungen oder LNG-Terminals, wurde dies in einem viel kürzeren Zeitrahmen durchgeführt. Doch offenbar interessierten sich vor der Bundestagswahl nicht alle für eine solche Debatte. Euthanasie gilt nicht als Wahlkampferfolg.

Und es ist und war eher ein Timing-Problem. Zurückschauen. Bereits 2017 hatte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschieden, dass der Staat Schwerkranke mit einem tödlichen Medikament versorgen muss. Seitdem sind 238 Anträge bei der zuständigen Bundeseinrichtung eingegangen. Zugegeben: keine. 36 Verfahren wurden eingestellt, die Antragsteller starben.

Die Anweisung an die Behörde kam vom damaligen Gesundheitsminister Jens Spahn. Seine offizielle Begründung: Er müsse das Urteil des Bundesverfassungsgerichts abwarten. Und dann? Wiederwahl.

2021 – neue Regierung. Neue Anfragen. Sind es wieder drei, soll es eine gewissenhafte Entscheidung sein – über Fraktionsgrenzen hinweg.

Bisher hat der restriktivste Entwurf die meisten Unterstützer. Er will Suizid bis auf wenige Ausnahmen grundsätzlich kriminalisieren. Wie bisher. Dies würde Sterbehilfeorganisationen verbieten. Von Schirach glaubt nicht, dass dieser Entwurf vor dem Bundesverfassungsgericht standhalten würde.

Die Unterzeichner weisen auf die daraus resultierenden Gefahren hin. Wer entscheidet über den Tod? Wie oft und wie genau wird diese Entscheidung überprüft? Wie gehen Sie mit Menschen um, die vollkommen gesund sind und sterben wollen?

Viele befürchten vor allem, dass der Druck auf die Älteren ausgeübt wird. In Zeiten des Pflegenotstandes. Viele wollen kein „Schnäppchen“. Alles Gefahren, die minimiert werden müssen. Alles Fragen, die geklärt werden müssen.

Wie lange noch? Seit fast drei Jahren kämpfen Abgeordnete mit klaren Regeln zur Sterbehilfe. Seitdem herrscht in Deutschland eine rechtliche Grauzone. Euthanasie findet statt und Politiker streiten über die richtige Form. „Jetzt muss die Politik entscheiden“, fordert Ferdinand von Schirach.

Am Ende seines Stücks stimmt das Publikum für oder gegen den selbstbestimmten Tod des Klägers. „Die Mehrheit der Stimmen ist immer Ja“, sagt von Schirach, „die Gesellschaft ist der Politik nur voraus.“

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare