Donnerstag, Dezember 1, 2022
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DIW-Chef bei Maischberger Fratzscher sieht eine Insolvenzwelle anrollen

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Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, zeichnet ein düsteres Bild für deutsche Unternehmen. In der ARD-Talkshow „Maischberger“ erklärt er, warum er befürchtet, dass viele Unternehmen in Deutschland in naher Zukunft schließen könnten. Er sieht nicht nur energieintensive Industrien in Gefahr.

DIW-Präsident Marcel Fratzscher warnt vor einer Pleitewelle deutscher Unternehmen. Deutschland ist ein Land mit sehr energieintensiven Wirtschaftszweigen. Viele Unternehmen arbeiteten im Exportsektor. „Fast 45 Prozent unserer Wirtschaftsleistung sind Exporte“, sagt Fratzscher. Aufgrund der hohen Energiepreise in Deutschland müssen sie ihre Produkte beispielsweise teurer verkaufen als ihre Wettbewerber in den USA. Gleichzeitig leiden viele Unternehmen noch immer unter den Einbußen der Corona-Krise. Deshalb befürchtet Fratzscher, dass viele Unternehmen gerade in energieintensiven Branchen nicht durchhalten können. „Es wird viele Unternehmen geben, die am Ende sagen werden: Mir reicht es nicht.“

Probleme sieht Fratzscher vor allem im Dienstleistungssektor. Müssten die Menschen mehr Geld für Energie und Lebensmittel ausgeben, würde an anderer Stelle gespart. „Dann brechen die Umsätze ein und viele Unternehmen laufen Gefahr, bankrott zu gehen“, sagt Fratzscher.

Mitte Oktober will die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission zur Ausgestaltung der Gaspreisbremse ihre Ergebnisse vorlegen. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass Privathaushalte und Unternehmen 80 Prozent des Gasverbrauchs des vergangenen Jahres auf Basis der aktuellen Preise vergünstigt bekommen. Ist das Kontingent aufgebraucht, werden die Kosten deutlich höher. Das sei keine gute Lösung, sagt Fratzscher. „Aber nichts zu tun wäre noch schlimmer.“ Daher wären Direktzahlungen die bessere Alternative. „Aber die Wahrheit ist, dass die Politik kein Instrumentarium hat, um diese Direktzahlungen durchzusetzen. Sie kann es nicht so präzise wie nötig tun“, sagt Fratzscher.

Schwere Zeiten werden laut Fratzscher nicht nur auf Unternehmen, sondern auch auf Bundesbürger zukommen. Für dieses und nächstes Jahr rechnet er mit einer Inflation von jeweils neun Prozent. Weil gleichzeitig die Löhne nur um etwa vier bis fünf Prozent steigen würden, müssten die Menschen einen Realeinkommensverlust von vier bis fünf Prozent hinnehmen. „Menschen mit geringem Einkommen sind besonders stark betroffen“, sagt Fratzscher.

Einen Teil davon könnte der zum 1. Oktober erhöhte Mindestlohn ausgleichen. Rund sechs Millionen Menschen profitierten davon und konnten nun mit Lohnerhöhungen von bis zu 20 Prozent rechnen.

Neben Hilfen für Menschen mit geringem Einkommen fordert Fratzscher Unterstützung bei der Energiewende für die Unternehmen. Fratzscher: „Wir brauchen einen viel schnelleren Ausbau der Erneuerbaren Energien und einen viel schnelleren Technologiewechsel. Jetzt müssen Staat und Unternehmen massiv in die Transformation investieren.“

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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