Samstag, Mai 21, 2022
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Dürre in Italien: Wenn die Kiesbänke im Podelta glänzen

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Seit November hat es in Norditalien nicht mehr ausgiebig geregnet. Der Po führte zeitweise weniger Wasser als je zuvor. Anbauflächen werden deshalb aufgegeben – und die Regionen kämpfen um Wasser.

Das Po-Delta ist tatsächlich eines der wasserreichsten und fruchtbarsten Gebiete Europas und bekannt für den Reisanbau. Doch im letzten Winter hat es so wenig geregnet, dass nun Kiesbänke das Flussbild prägen. Viele Reisfelder, die mit einem ausgeklügelten Kanalsystem verbunden sind, liegen trocken.

Italien ist der größte Reisproduzent in Europa. Das Problem ist nicht nur der Wassermangel von oben, sondern auch der langsam steigende Meeresspiegel: Führt der Po zu wenig Wasser, dringt Meerwasser in das Delta ein und das Flusswasser wird salzig.

Alle Bauern im Delta haben mittlerweile ein Gerät im Kofferraum, mit dem sich der Salzgehalt des Wassers messen lässt. Liegt er über einer bestimmten Schwelle, schließen die Bauern die Zuflüsse. Sie mussten viele Hektar Felder entlang der Küste aufgeben, weil sie zu salzig waren.

Im Podelta wirken sich die Klimafolgen von Dürre und steigendem Meeresspiegel besonders stark aus, weil das Land hier vier Meter unter dem Meeresspiegel liegt. Im 17. Jahrhundert hatten die Venezianer damit begonnen, das Marschland dem Meer abzutrotzen und zu erschließen. Im Laufe der Jahre sank das Land. Große Deiche schützen die Felder, Pumpwerke sorgen für die Entwässerung.

Heute wirkt die Landschaft fast steril und technisch. Jetzt kommt das Meer zurück und die Rettung der Felder wird eine immense technologische Herausforderung.

Bereits im Fluss installierte Salzwasserbarrieren müssen erhöht werden. Außerdem benötigt das Land laut dem italienischen Wassernutzerverband ANBI insgesamt 10.000 Süßwassereinzugsgebiete berechnet.

Die Niederschlagsmenge in Italien wird der Prognose zufolge konstant bleiben, aber extreme Wetterphänomene werden zunehmen: Regen fällt künftig in kürzerer Zeit und auf kleinerer Fläche.

Dadurch wird die Nutzung von Regenwasser immer schwieriger. Laut ANBI sammelt Italien derzeit nur zehn Prozent des Regenwassers.

Mit dem Geld aus dem EU-Wiederaufbaufonds sollen Barrieren und neue Süßwasserbecken bezahlt werden. Kurzfristig hilft das den Reisbauern aber nicht.

Wie dringend ihre Situation derzeit ist, zeigt die Tatsache, dass die Regionen nun um Wasser streiten. Die Region Venetien, in der große Teile des Po-Deltas liegen, hat die autonome Provinz Südtirol gebeten, mehr Wasser aus ihrem Stausee in den Alpen abzulassen, damit mehr Wasser über die Etsch zu den Reisbauern unten im Delta gelangt.

Doch Südtirol zögert. Denn auch dort lagen die Niederschläge im vergangenen Winter um zwei Drittel unter dem üblichen Niveau.

Die Stauseen sind leer, durch die Schneeschmelze ist mit wenig Wasser zu rechnen, und viele Gletscher – die Wasserspeicher von einst – sind heute Geröllfelder.

Gleichzeitig ist das kleine Stauwasser in den Alpen eine lukrative Energiequelle. Der Strom aus Wasserkraft kann bedarfsgerecht erzeugt werden und bringt je nach Marktlage auch mehr Geld ein.

In Venetien geht man davon aus, dass die Südtiroler derzeit aus wirtschaftlichen Gründen weniger Wasser verkaufen, als sie könnten. Die italienische Verfassung legt klar fest, dass landwirtschaftliche Interessen Vorrang vor wirtschaftlichen haben.

In Südtirol wird der Vorwurf zurückgewiesen: Würde Südtirol kontinuierlich die von Venetien angeforderte Wassermenge liefern, wären alle Stauseen in Südtirol innerhalb von 20 Tagen komplett leer, rechnet Andreas Bordonetti von Alperia Greenpower vor.

In Norditalien spricht man bereits vom „Wasserkrieg“. Und auf Regen hoffen.

Diese und weitere Berichte sehen Sie im Europamagazin – am Sonntag um 12:45 Uhr im Ersten.



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