Freitag, Juni 24, 2022
StartNACHRICHTENE-Fuels sind weit weniger umweltfreundlich als E-Autos

E-Fuels sind weit weniger umweltfreundlich als E-Autos

- Anzeige -


Kommende Woche ringen die EU-Staaten um ihre Position zum Verbrennungsmotor-Verbot, das das EU-Parlament anstrebt. Gibt es auch Streit um mögliche Ausnahmen für E-Fuels? Eine neue Studie gibt ihnen schlechte Noten.

Autos, die mit synthetischen Kraftstoffen (E-Fuels) betrieben werden, bieten im Vergleich zu herkömmlichen Benzin- oder Dieselfahrzeugen über ihre Lebensdauer minimale Einsparungen bei den CO2-Emissionen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Expertengremiums Transport and Environment (T&E).

T&E ist die Dachorganisation von 53 europäischen Nichtregierungsorganisationen, die sich für einen nachhaltigen Verkehr einsetzen. Dazu gehört auch der Verkehrsclub Deutschland, der sich zum Ziel gesetzt hat, eine sozial- und umweltverträgliche Mobilität für alle Verkehrsteilnehmer sicherzustellen.

Die Studie berechnete die Emissionen des kompletten Lebenszyklus von Autos, die im Jahr 2030 gekauft werden. Die Berechnungen beinhalten auch Produktion und Betrieb. Laut T&E würde ein Fahrzeug, das mit einem Mix aus E-Fuels und Benzin betrieben wird, seine Emissionen im Vergleich zu herkömmlichen Kraftstoffen um nur fünf Prozent reduzieren.

Ein Elektrofahrzeug, das nur mit Batterie und Elektromotoren betrieben wird, würde dagegen über seinen Lebenszyklus 78 Prozent weniger Emissionen verursachen als ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Berechnungsgrundlage für den CO2-Fußabdruck bei Herstellung und Betrieb der Batterieautos war der durchschnittliche EU-Strommix, der für 2030 prognostiziert wird.

Die Analyse zeigt, dass ein Auto, das mit reinem E-Fuel aus erneuerbarem Strom betrieben wird, über seinen Lebenszyklus auch mehr emittieren würde als das Elektroauto. Ein Elektrofahrzeug würde 53 Prozent weniger CO2-Emissionen verursachen als ein Verbrennungsmotor mit synthetischen Kraftstoffen. Dies liegt vor allem an Verlusten bei der Herstellung von E-Fuels und der konstruktionsbedingten Ineffizienz von Verbrennungsmotoren.

Nicht umsonst werden Verbrennungsmotoren auch als Wärmekraftmaschinen bezeichnet. Sie setzen nur einen Bruchteil des Energieinhalts der verbrannten Kraftstoffe in Bewegung um. Ein Großteil der eingesetzten Energie hingegen wird als Wärme an die Umgebung abgegeben und geht somit verloren.

Laut der Studie kommt ein batterieelektrischer Volkswagen ID.3 mit der gleichen Menge erneuerbarer Energie fünfmal weiter als ein VW Golf, der mit E-Fuel fährt. Ein BMW i4 könnte sechsmal weiter fahren als ein BMW 4er mit Verbrennungsmotor.

Damit stellte sich T&E den Befürwortern von E-Fuels entgegen, die gegen den vollständigen Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor kämpfen. Sie sehen in der Nutzung von E-Fuels eine gangbare Alternative, insbesondere für Regionen ohne genügend Ökostrom für den Betrieb und ohne ausreichende Einnahmen für den Kauf neuer E-Autos. Die FDP etwa lehnt ein Verkaufsverbot für Neuwagen mit Verbrennungsmotor ab 2035 auf EU-Ebene ab. Die Liberalen fordern, dass Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor auch nach 2035 neu zugelassen werden können, wenn sie nachweislich nur mit E-Fuels betankt werden.

In der kommenden Woche beraten die EU-Umweltminister über das Ende der Neuzulassung von Benzin- und Dieselmotoren ab 2035 und damit über ihre Position zum entsprechenden Beschluss des Europäischen Parlaments. Nachdem sich die Regierungen der EU-Staaten auf eine gemeinsame Position zu dem Thema geeinigt haben, folgen Verhandlungen mit Vertretern des EU-Parlaments. Sollte die Berliner Ampelkoalition bis zum Treffen der EU-Umweltminister keine Einigung erzielen, müsste sich Deutschland der Stimme enthalten.



Quelllink

ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare