Mittwoch, Oktober 27, 2021
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Ehemalige Mitarbeiter verdächtigt "Grenzen überschreiten" im SOS-Kinderdorf?

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Schwere Vorwürfe gegen zwei ehemalige Mitarbeiter eines SOS-Kinderdorfes in Bayern. Ehemalige Bewohner werfen ihnen vor, „für Kinder gefährliche Grenzen zu überschreiten“. Ein Missbrauchsexperte legt nun seinen Bericht vor, der konkreter ist.

Eine Studie befasste sich mit Angriffen auf Kinder in SOS-Kinderdörfern in Bayern. Ein Ergebnis: Zwei ehemalige Mitarbeiter eines SOS-Kinderdorfes in Bayern sollen ihnen anvertrauten Kindern „Leiden“ zugefügt haben, so die Hilfsorganisation. Ehemalige Bewohner werfen den beiden Frauen vor, von Anfang der 2000er bis etwa 2015 „kinderwohlgefährdende Grenzübergänge“ begangen zu haben. Der Vorstand des SOS-Kinderdorf-Vereins habe sich bei den Betroffenen entschuldigt, sagte eine Sprecherin.

Nach eigenen Angaben will die Organisation SOS-Kinderdorf vor allem Kindern helfen, deren Eltern aufgrund von Armut nicht für sie sorgen können oder die in ihren Familien Gewalt erfahren. Bei den konkreten Vorwürfen soll es zum Beispiel um gemeinsames Duschen oder Hygienemaßnahmen gehen, die die Schamgrenzen der Kinder verletzen. Das geht aus einem Bericht des Missbrauchsexperten Heiner Keupp hervor, den der SOS-Kinderdorf-Verein auf seiner Homepage veröffentlichen wollte und dessen Ergebnisse vorab bekannt gegeben wurden. Keupp hat sich auch wissenschaftlich mit dem sexuellen Missbrauchsskandal im katholischen Kloster Ettal auseinandergesetzt.

„Bei einer Vielzahl von Aktionen der beiden ehemaligen Mitarbeiter kam es zu kinderwohlgefährdenden Grenzverletzungen und Erziehungsfehlern“, so SOS-Kinderdorf. „Ich bedauere zutiefst, dass die uns anvertrauten Kinder gelitten haben. Der Kinderschutz und die Stärkung der Kinderrechte stehen im Mittelpunkt des Handelns von SOS-Kinderdorf. Deshalb bin ich schockiert, dass dies in einer Einrichtung des SOS-Kinderdorfes passieren könnte Verein“, sagte die Vorstandsvorsitzende des SOS-Kinderdorf eV, Sabina Schutter.

Die Staatsanwaltschaft Augsburg hat nun nach einer Strafanzeige Ermittlungen aufgenommen, wie ein Sprecher der Behörde sagte. Eine Sprecherin von SOS-Kinderdorf sagte, die Organisation wisse von der Beschwerde und stehe in Kontakt mit der betroffenen Person, die sich zuvor an eine in den SOS-Kinderdorf eingerichtete Anlaufstelle gewandt und dort beraten habe.

„Wir nehmen jeden Vorwurf pädagogischer Grenzverletzungen oder Fehlverhaltens sehr ernst und wollen als Organisation aus Fehlern lernen und uns weiterentwickeln“, betonte die Hilfsorganisation. „Leider ist es offenbar nicht gelungen, die etablierten Standards und Richtlinien zum Kinderschutz und zur Qualität der Bildungsarbeit nahtlos in den Alltag der untersuchten Kinderdorffamilien umzusetzen.“

Die Kinderdörfer wollen aktiv werden: Der Verein will ein neues Büro für Kinderschutz schaffen, das im Vorstand sitzt und Fachkräfte bei der Umsetzung verbindlicher Standards unterstützt. „Wir müssen als Organisation noch besser zuhören.“ Darüber hinaus sollte die interne Meldestelle eine Hotline für akute Probleme haben. „Damit soll sichergestellt werden, dass ehemalige und aktuelle Pflegende jederzeit die Möglichkeit haben, sich einzubringen, sich zu beteiligen und im Notfall auch zu klagen und entsprechende Hilfe zu erhalten.“

Die bayerische Studie ist nicht die einzige, die sich mit möglichen Missbrauchsfällen in SOS-Kinderdorf beschäftigt. In 20 Ländern sollen betreute Kinder und Jugendliche Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch geworden sein. Zwischen den 1990er Jahren und der jüngeren Vergangenheit seien 22 Fälle in 50 Einrichtungen untersucht worden, teilte der Sprecher von SOS-Kinderdorf weltweit, Boris Breyer, im Mai dieses Jahres mit. Betroffen sind nach Angaben der österreichischen Unterorganisation von SOS-Kinderdorf Betreuungseinrichtungen in Afrika und Asien.

SOS-Kinderdorf beherbergt 65.000 Kinder in 137 Ländern und unterstützt weitere 347.000 Menschen mit Sozialprogrammen. Laut aktuellem Jahresbericht beliefen sich die Einnahmen aus Spenden und staatlichen Hilfen im Jahr 2019 auf 1,4 Milliarden Euro.

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