Freitag, Februar 3, 2023
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Ein Fest, kein Jubiläum Viele ängstliche Töne am Tag der Einheit

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In diesem Jahr mischen sich mehr als sonst ruhigere Töne in die Feierlichkeiten zum Tag der Einheit. Der Krieg in der Ukraine hat längst vielfältige Auswirkungen auf Deutschland. Bundestagspräsident Bäs appelliert an Zusammenhalt und Argumentationskraft.

Wenig Euphorie, eher besorgte Töne. Es ist der Tag der Deutschen Einheit, doch bei der zentralen Feier in Erfurt hallte die Angst vor Teilung, Krieg und Krise wider. Verschiedene, vor allem ostdeutsche Politiker warnten vor den Folgen des russischen Angriffs auf das Verhältnis zwischen Ost- und Westdeutschland. Bundeskanzler Olaf Scholz sagte, auch die Einheit der Ukraine müsse verteidigt werden. Bundestagspräsidentin Bärbel Bas forderte von der Bundesrepublik mehr internationale Verantwortung.

Die Reden betonten wie gewohnt Gemeinschaft und Zusammenhalt an diesem Feiertag, es gab aber auch die Sorge vor einem erneuten Auseinanderdriften: „Ob Corona-Pandemie oder Energieknappheit – die Krisen der Zeit zeigen, was vorher nicht stimmte und bringen die bestehenden Differenzen mit sich in den Fokus Licht der Scheinwerfer“, sagte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow. Die Wirtschaftsstruktur, die Arbeitswelt und die Lebensweise stehen vor einem Wandel. „Das löst bei vielen Menschen Ängste und Sorgen aus“, sagte der Linken-Politiker, der derzeit auch Bundesratspräsident ist. Er hatte wohl auch die Demonstrationen im Sinn, die zum Tag der Deutschen Einheit vielerorts in der DDR geplant waren.

Bundestagspräsident Bas hielt die Rede im Erfurter Theater und erinnerte daran, dass sie, die Westdeutsche, den Mauerfall in Duisburg erlebt habe. Und sie hatte eine zentrale Botschaft: In der Krise zusammenhalten, sich nicht ärgern, Streit demokratisch beilegen. „Wie wir miteinander umgehen, bestimmt maßgeblich die Stärke unseres Landes“, sagte der SPD-Politiker.

Sie sprach von Spaltungsversuchen, Fake News, Hass und Hetze, die diesen Zusammenhalt gefährden würden. „Gerade über heikle Themen wie Impfzwang oder Waffenlieferungen ist es notwendig, dass wir miteinander reden“, sagte Bas. Demokratische Auseinandersetzungen führen zu Lösungen. „Aber Verständnis und Respekt können in einer vergifteten Atmosphäre nicht gedeihen.“ Sie richtete einen einfachen Appell an die Bürger: „Ich wünsche mir weniger Wut und mehr Respekt, weniger Eigensinn und mehr Neugier, weniger Vorurteile und mehr Empathie.“

Scholz sicherte der Ukraine weitere Unterstützung zu, um die eigene Einheit verteidigen zu können. Deutschland habe auch dem russischen Präsidenten Wladimir Putin klar gemacht, dass er Grenzen nicht „mit Gewalt“ verschieben könne, sagte er in einer Erklärung. Nach überstandener Corona-Infektion war er auch in Erfurt vor Ort, allerdings nicht als offizieller Redner.

Und auch Bas mahnte: „Vergessen wir nicht, wie sehr wir selbst enorm von unserer internationalen Integration, von der Wiedervereinigung und der Europäischen Union profitiert haben.“ Als nächstes sagte sie. „Deutschland ist in besonderem Maße gefordert, Verantwortung zu übernehmen und zur Lösung globaler Aufgaben beizutragen.“

Der Krieg „gefährdet den Erfolg des Wiederaufbaus im Osten und hat auch konkrete Auswirkungen auf unseren Alltag“, sagte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke führte die Sorgen vieler Menschen in Ostdeutschland angesichts der aktuellen Energiekrise auf die Strukturbrüche nach der deutschen Wiedervereinigung zurück.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer forderte, die Unterschiede zwischen Ost und West anzuerkennen. 32 Jahre nach der Einheit müsse man „akzeptieren, dass es unterschiedliche Perspektiven gibt, auch bei der Betrachtung des Krieges in der Ukraine und der Frage, wie man damit umgeht“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Der CDU-Politiker war in den vergangenen Wochen immer wieder mit Forderungen im Zusammenhang mit Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine aufgefallen, was auch Parteikollegen zur Distanzierung veranlasste. Er plädierte unter anderem für ein „Einfrieren“ des Konflikts und eine diplomatische Lösung, für die sich Deutschland einsetzen sollte. Auch Energielieferungen aus Russland sollen nach Möglichkeit aufrechterhalten werden.

Kretschmer versuche aber auch den Blick nach vorne zu richten: Es sei an der Zeit, den Aufbruch in die neue Zeit gemeinsam zu gestalten, sagte er. „Dieser Krieg wird ein Einschnitt sein, der als gemeinsame bittere Erfahrung in das kollektive Gedächtnis der Deutschen eingehen wird.“

Traditionell richtet das Bundesland, das den Präsidenten der Landeskammer stellt, die zentrale Einheitsfeier aus. Thüringens Landeshauptstadt Erfurt hatte sich monatelang auf die zentrale Einheitsfeier vorbereitet – historische Gebäude der 1280 Jahre alten Stadt wurden von Künstlern illuminiert, an fast jeder Ecke gab es Live-Musik, auf Bühnen traten Bands und Chöre auf, und die Pavillons der Die 16 Bundesländer drängten die Menschen mit Mitmachangeboten zusammen.

Nach einem verregneten Start in das dreitägige Festival wuchs der Zulauf stetig: Ramelow sprach allein bis Sonntag von 90.000 Besuchern. Zehntausende feierten in Erfurt die Einheit – nicht als Fest, sondern als Fest.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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