Sonntag, Juni 26, 2022
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Ein Gebäude für die Ewigkeit Oslo eröffnet neues Nationalmuseum

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Am Hafen von Oslo öffnet das neue Nationalmuseum der Stadt seine Pforten. In 86 Räumen gibt es rund 400.000 Objekte zu bestaunen. Neben antiken Büsten und Gemälden aus allen Epochen findet auch zeitgenössische Kunst ihren Platz – und sorgte schon vor der Eröffnung für Diskussionen.

Sogar die Wände der Toiletten sind mit Marmor verkleidet. Das neue Nationalmuseum für Kunst, Architektur und Design am Osloer Hafen ist kein gläserner, skulpturaler Neubau. Breit und schwer, wie eine Festung – sagen manche – thront es halb versteckt hinter dem Nobel Peace Center. „Ein Gebäude, das Hunderte von Jahren überdauern kann“, sagt der deutsche Architekt Klaus Schuwerk von den Architekten kleihues + schuwerk. Eröffnet wird am 11. Juni.

Schon beim Betreten der Eingangshalle spürt man, dass es hier nicht um Spielereien geht, sondern um solide Qualität: Der Boden ist mit Krensheimer Muschelkalk belegt, die Wände mit senkrecht geschnittenem Schiefer und dunklen Eichenplatten verkleidet. „Ein Gebäude sollte ewig reparabel sein“, sagt Architekt Schuwerk. Die Materialien sollten das Recht haben, in Würde zu altern. Der norwegische Staat gab dafür umgerechnet rund 600 Millionen Euro aus.

Die 6.500 ausgestellten Werke des 55.000 Quadratmeter großen Nationalmuseums haben einen würdigen Rahmen erhalten. Die Sammlungen von fünf Osloer Institutionen – National Gallery, Museum of Art Industry, Museum of Contemporary Art, Museum of Architecture und National Exhibitions – sind nun erstmals unter einem Dach vereint. Das Inventar umfasst insgesamt 400.000 Artikel.

Die Sammlungen sind so vielfältig, dass sie nicht an einem Tag zu bewältigen sind: Die 86 Zimmer enthalten nicht nur Gemälde aus allen Epochen, sondern auch chinesische Vasen aus der Ming-Dynastie, antike Büsten römischer Herrscher, die Garderobe der norwegischen Königinnen Maud und Sonja und Skulpturen des Bildhauers Gustav Vigeland. Wie in alten Schlössern, die heute als Museen genutzt werden, reihen sich die Säle aneinander.

Dem Maler Edvard Munch ist ein eigener Raum gewidmet, in dem 18 seiner Gemälde ausgestellt sind, darunter eine Edition des berühmten „Schrei“. Insgesamt besitzt das Museum 57 seiner Werke. Die Farben der Wände passen zu den Gemälden.

Auch zeitgenössische Künstler haben ihren Platz. In der Eingangshalle hängt ein Vorhang aus 200 Rentierschädeln. Alle haben ein Einschussloch, weil die Rentiere nicht eines natürlichen Todes starben, sie wurden erschossen. Die Arbeit der samischen Künstlerin Máret Ánne Sara ist ein Protest gegen die 2013 von der norwegischen Regierung angeordnete Zwangstötung von Rentieren zur Begrenzung der Population. 2017 stellte sie ihre Arbeiten auf der Documenta in Kassel aus.

Zeitgenössische Gegenstände werden auch in der Lichthalle gezeigt, die sich auf dem Steingebäude befindet. „I call it art“ lautet der Titel der Eröffnungsausstellung, die sich an junge Menschen zwischen 19 und 24 Jahren richtet. Gezeigt werden Werke von 147 in Norwegen arbeitenden Künstlern, und vieles hat schon vor der Eröffnung für Diskussionen gesorgt. Wie das humorvolle Porträt der norwegischen Königsfamilie von Lena Trydal, in dem König Harald im Unterhemd auf dem Thron sitzt und Königin Sonja nach dem Joggen ihr Handy ans Ohr hält.

Architektin Schuwerk bezeichnete die Ausstellung als „Flohmarkt“, Museumsdirektorin Karin Hindsbø begrüßt aber, dass sie heiß diskutiert wird: „Unsere Vision ist es, Kunst für alle zugänglich zu machen und über die Gesellschaft und Zeit, in der wir leben, nachzudenken.“ Bei der Eröffnung am Samstag wird sich die königliche Familie ein Urteil bilden können.

Der Saal, den Schuwerk Alabastersaal nennt, ist das i-Tüpfelchen des massiven Museumsbaus. Seine sieben Meter hohen Wände bestehen aus Glas und Marmor, der so dünn geschnitten ist, dass er das Licht durchlässt. Hier werden Wechselausstellungen präsentiert, was für die Kuratoren eine Herausforderung darstellt, weil man keine Nägel in die Wände schlagen kann. Viele Arbeiten hängen von der Decke und schweben im Raum.

Von der Halle führt eine Tür auf die Dachterrasse, die einen herrlichen Blick auf die Nachbarn bietet: das rote Rathaus der Stadt, das Nobel Peace Center, die mittelalterliche Festung Akershus in der Ferne und den Oslofjord. Das Nationalmuseum ist das dritte Kulturgebäude, das in den letzten zwei Jahren in Oslo eröffnet wurde. Neben der spektakulären Oper entstand 2020 eine neue Stadtbibliothek, die Deichmann-Bibliothek. Auch ein neues Munch-Museum wurde im vergangenen Jahr eröffnet. „Oslo und Norwegen präsentieren sich als neue Kunst- und Kulturdestination“, sagt Museumsdirektorin Hindsbø. „Die Augen der Welt sind jetzt auf uns gerichtet.“

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