Donnerstag, Januar 20, 2022
StartNACHRICHTENEin Skandal zu viel: Johnsons politische Karriere hängt an einem seidenen Faden

Ein Skandal zu viel: Johnsons politische Karriere hängt an einem seidenen Faden

- Anzeige -

Der britische Premier Johnson kämpft ums politische Überleben, nachdem er sich für eine Gartenparty während der Corona-Aussperrung entschuldigt hat. Wie es ausgeht, hängt nicht nur von ihrer Partei ab.

Ob Boris Johnson diesen Skandal tatsächlich überlebt oder nicht, hängt von drei Namen ab. Und eine Zahl.

Der Name, über den derzeit alle reden, ist Sue Gray. Der Regierungsbeamte erhält die schwierige Aufgabe, in Downing Street 10, dem Sitz der britischen Regierung, gegen verschiedene Parteien zu ermitteln. Sie alle geschahen im Jahr 2020, zu Zeiten teilweise erheblicher Kronenbeschränkungen.

Wohlgemerkt, Mrs. Grey ist keine Richterin. Es werden nur Fakten gesammelt. Johnson, seine Partei und das britische Volk werden dann selbst beurteilen müssen, ob die Feier ein umfassender Verstoß gegen die damals geltenden Kronenregeln ist, um die Ohnmacht des Regierungschefs zu rechtfertigen.

Während der aktuellen Fragestunde im Parlament am Mittwoch gab der Premierminister zu, dass er am 20. Mai 2020 für rund 25 Minuten bei einer Party in Downing Street Garden anwesend war. Neben Johnson und seiner Frau folgten fast 30 seiner Einladung Privatsekretär für 100 Mitarbeiter am Regierungssitz.

Johnson sagte, er glaube, es sei ein Geschäftstreffen, und bedauere, die Anwesenden nicht eingeladen zu haben, in das Gebäude zurückzukehren. Er entschuldigte sich für den schlechten Eindruck.

Rücktrittsforderungen von Abgeordneten verschiedener Parteien begegnete er jedoch mit dem Hinweis auf die Ermittlungen von Sue Gray. Damit hat sich Johnson etwas Zeit erkauft, da der Bericht erst Ende nächster Woche erwartet wird.

Unterdessen stehen im Hinblick auf das Schicksal des Ministerpräsidenten zwei weitere Namen auf dem Spiel: Rishi Sunak und Liz Truss. Der derzeitige Finanzminister und der derzeitige Außenminister sind die beiden vielversprechendsten Kandidaten für die Nachfolge von Johnson. Sunak war beim parlamentarischen Showdown am Mittwoch strategisch abwesend.

Von beiden kamen mit erheblicher Verspätung unterstützende Worte für den Ministerpräsidenten. Wenn einer von ihnen seinen Hut in den Ring werfen würde, würde ein Ball platziert werden, der zu Johnsons Amtsenthebung führen könnte.

Die Zahl, die zählt, ist 54. So viele geheime Briefe von konservativen Abgeordneten mit der entsprechenden Bitte müssen den Vorsitzenden der konservativen Fraktion erreichen, um den Prozess offiziell zu starten.

Apropos Zahlen: Laut einer Umfrage des angesehenen Meinungsforschungsunternehmens YouGov im Auftrag der Zeitung The Times denken sechs von zehn Wählern, dass Johnson zurücktreten sollte. Darunter 38 Prozent derjenigen, die zuletzt für die Konservativen gestimmt haben. Fast 80 Prozent sind der Meinung, dass der Premierminister Fragen zu Parteien nicht ehrlich beantwortet hat. Das sehen auch 63 Prozent der Tory-Wähler so.

Angesichts dieser Werte werden diese Abgeordneten sorgfältig prüfen, ob sie den Premierminister weiterhin unterstützen. Denn viele riskieren, bei den nächsten Wahlen ihre Sitze im Parlament zu verlieren. Denn was einst ein Gewinner war, ist zur Last geworden.

Besonderes Augenmerk wird in den kommenden Tagen auch auf die Frage gelegt, ob die Polizei beschließt, mutmaßlichen Verstößen gegen die Downing-Street-Regeln nachzugehen.

Doch für Boris-Fans, die noch im Land sind, ist noch nicht alles vorbei. Sie wissen: Wenn es jemandem gelingt, aus einer so schwierigen Situation herauszukommen, dann ist es Boris Houdini Johnson.

ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare