Sonntag, Januar 23, 2022
StartNACHRICHTENEinreisestreit mit Australien: Djokovic wartet, die Konkurrenz ist genervt

Einreisestreit mit Australien: Djokovic wartet, die Konkurrenz ist genervt

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Ob Djokovic in Australien bleiben kann, dürfte bald klar sein: Der Tennisprofi sitzt in Untersuchungshaft und wartet auf die entscheidende Anhörung. Seine Konkurrenten ärgern sich derweil zunehmend über das Einstiegstheater.

Kurz vor Beginn der Australian Open wartet der serbische Tennisstar Novak Djokovic in einem Abschiebehotel auf die Entscheidung des Gerichts im Streit um seine Einreise. Seine Hoffnungen ruhen auf einer Anhörung am Sonntagmorgen um 9.30 Uhr Ortszeit (Samstag 23.30 Uhr MEZ): Dann soll der Bundesgerichtshof von Australien entscheiden, ob Djokovic am Grand-Slam-Turnier teilnehmen kann oder das Land verlassen muss.

Nachdem die australische Regierung sein Visum ein zweites Mal für ungültig erklärte, wurde der Profi erneut in Gewahrsam genommen. Wie die australische Nachrichtenagentur AAP berichtete, soll die Anhörung vor drei Richtern stattfinden. Dementsprechend können nach ihrer Entscheidung keine weiteren Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt werden.

Die sportlichen Konkurrenten ärgern sich derweil zunehmend darüber, dass die Einreiseproblematik vor dem Turnier für große Aufregung sorgt. Der spanische Tennisstar Rafael Nadal gab zu, dass er ein wenig die Schnauze voll hat. Es ist klar, dass Djokovic einer der besten Tennisspieler der Geschichte ist. „Aber kein Tennisspieler in der Geschichte ist wichtiger als das Ereignis“, sagte Nadal.

Deutschlands bester Tennisspieler Alexander Zverev kritisierte dagegen Djokovics nachträglichen Visumsentzug. „Ich finde es nicht sehr fair, wenn jemand hierher kommt und nicht spielen kann“, sagte der 24-Jährige. Gleichzeitig drückte er Verständnis für die Grundhaltung der australischen Regierung aus. Er verstehe ihre Perspektive, sagte der Weltranglisten-Dritte, betonte aber auch: „Die australische Regierung und die Regierung von Victoria hätten vorher wissen müssen, was passieren wird.“

In Serbien, wo die Empörung über die Behandlung des Nationalhelden hoch ist, bekräftigte Präsident Aleksandar Vucic seine Unterstützung für Djokovic. „Die Angriffe und der Druck auf Novak Djokovic, einen Bürger Serbiens, sind für mich unverständlich“, sagte er in einer auf Instagram veröffentlichten Rede. Vucic beklagte den „Druck, dem Serbien ausgesetzt ist“. Aber die Serben seien in ihrer Geschichte „nicht in der Lage gewesen, ihre Würde und ihren Stolz zu nehmen“. Der Präsident schloss seine Rede mit den Worten: „Es lebe Serbien! Novak, Serbien ist mit dir!“

Djokovic war mit einer umstrittenen medizinischen Impfbefreiung der Behörden des Bundesstaates Victoria zum Turnier angereist. Die Grenzschutzbeamten erkannten sie jedoch nicht und verweigerten ihm die Einreise am Flughafen Melbourne. Ein Gericht hob die Entscheidung dann wegen Formfehlern auf. Am Freitag entzog Einwanderungsminister Alex Hawke dem Serben erneut das Visum.

Dass sich Hawke mit der Entscheidung so viel Zeit genommen hatte, wurde vielfach kritisiert. Oppositionsführer Anthony Albanese sprach sogar von einem Debakel: „Die Regierung hat nichts unternommen, und aus einem Problem wurde eine Krise. Das ist eine internationale Blamage für Australien.“

Hawke hingegen sagt, er habe keine Fehler machen wollen und alle Fakten sorgfältig geprüft. Vielleicht wollte er Djokovic vor dem Anpfiff der Australian Open am Montag möglichst wenig Zeit zum Reagieren geben. „Gut begründet und im öffentlichen Interesse“, sagt Hawke zu seiner Entscheidung.

Djokovic ist bekennender Impfgegner. Er begründete seine Freistellung mit einer überstandenen Covid-Infektion. Allerdings habe es beim PCR-Test vom Dezember letzten Jahres Ungereimtheiten gegeben, zudem habe er falsche Angaben auf dem Anmeldeformular gemacht.

Neunmal hat der Serbe die Australian Open bereits gewonnen – mit seinem zehnten Sieg in diesem Jahr wollte er als erfolgreichster Spieler aller Zeiten Tennisgeschichte schreiben. Aber wenn das Gericht gegen seine Berufung entscheidet, sitzt er bald im Flugzeug nach Hause und darf die nächsten drei Jahre nicht nach Australien reisen.



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