Montag, Dezember 6, 2021
StartNACHRICHTENEMA-Entscheidung: Wann können Kinder geimpft werden?

EMA-Entscheidung: Wann können Kinder geimpft werden?

- Anzeige -


Was passiert nach der EMA-Empfehlung, den BioNTech/Pfizer-Impfstoff nun auch für Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren zuzulassen? Wann können Ärzte impfen? Wann entscheidet die STIKO? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Eine im „New England Journal of Medicine“ veröffentlichte Auswertung bewertet die Studie von BioNTech/Pfizer. In Phase eins wurde zunächst die Dosis bestimmt: Für Erwachsene beträgt sie 30 Mikrogramm, für Kinder unter zwölf Jahren wurden nach Abschluss der Testreihe zehn Mikrogramm gewählt. Die Studienphasen zwei und drei umfassten 2.268 Kinder im Alter zwischen elf und fünf Jahren. Zwei Drittel von ihnen erhielten jeweils zwei Dosen des Impfstoffs und ein Drittel ein Placebo. Die Immunantwort wurde einen Monat nach der zweiten Dosis gemessen.

Die Autoren sahen „ein günstiges Sicherheitsprofil“ und „es wurden keine schwerwiegenden Nebenwirkungen im Zusammenhang mit dem Impfstoff beobachtet“. Es wurden nur „leichte und vorübergehende Reaktionen“ wie Fieber, Schmerzen bei der Punktion, Müdigkeit oder Kopfschmerzen beobachtet. Die Impfung ist sicher und wirksam, lautet das Fazit.

Drei der geimpften Kinder erkrankten im Beobachtungszeitraum an Covid-19, in der Kontrollgruppe waren es 16. Die Forscher beziffern die Wirksamkeit des Impfstoffs auf 90,7 Prozent. Nach Ansicht der Autoren standen die nur drei schwereren Schäden im Beobachtungszeitraum in keinem Zusammenhang mit der Impfung – in einem Fall war es ein Armbruch. Eine Myokarditis, wie sie gelegentlich nach einer breiten Impfung bei über Zwölfjährigen auftrat, wurde in dieser – recht kleinen – Testgruppe nicht gefunden.

Die STIKO hat noch keine Empfehlung ausgesprochen. „Eine Zulassung ist etwas ganz anderes als eine Impfempfehlung“, betont Fred Zepp, Mitglied der Ständigen Impfkommission (STIKO). „Was man in der Zulassungsstudie nicht sieht, sind Risiken, die bei einer so kleinen Gruppe seltener auftreten als statistisch erwartet.“

In der Zulassungsstudie erhielten nur rund 1.500 Kinder den Impfstoff. „Man sieht keine sehr seltenen Nebenwirkungen“, sagt Zepp. Eine Herzmuskelentzündung wurde beispielsweise erst bei jungen Männern entdeckt, nachdem der Impfstoff weit verbreitet war. Die STIKO beschäftigt sich auch mit der Beschaffung von Daten zu seltenen Impfkomplikationen aus anderen Ländern.

In den USA beispielsweise werden seit November kleinere Kinder mit dem niedriger dosierten Impfstoff geimpft; Nach Regierungsangaben haben bisher rund 2,6 Millionen Fünf- bis Elfjährige die erste Spritze erhalten. Allerdings gelten die Situation dort und der Gesundheitszustand der US-Kinder als nicht 1:1 vergleichbar mit Deutschland.

Darüber werde das Gremium laut STIKO-Mitglied Zepp „unverzüglich in den nächsten Wochen“ beraten. Eine Entscheidung könne je nach Zulassungsdatum sogar noch im November fallen, sagte der Mainzer Kinderarzt. Er persönlich hält es für möglich, dass zunächst eine Empfehlung für Kinder mit erhöhtem Risiko aufgrund von Vorerkrankungen ausgesprochen werden könnte, wie dies zunächst bei Impfungen für Zwölf- bis 17-Jährige der Fall war.

Der STIKO-Vorsitzende Thomas Mertens sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, an der Empfehlung werde derzeit gearbeitet. „Unser Ziel ist es, diese Empfehlung bis Ende Dezember fertig zu haben, möglichst bis zum Lieferbeginn des Kinderimpfstoffs an die Bundesländer.“

Laut Gesundheitsminister Jens Spahn werden die EU-Staaten den Kinderimpfstoff am 20. Dezember liefern. Deutschland rechnet dann mit 2,4 Millionen Dosen. „Das sollte zunächst den größten Teil des Bedarfs decken“, sagt Spahn. Insgesamt gibt es rund 4,5 Millionen Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren.

Während der klassische BioNTech/Pfizer-Impfstoff für Erwachsene 30 Mikrogramm mRNA enthält, enthält die Variante für Fünf- bis Elfjährige nur zehn Mikrogramm. Nach Angaben des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller sollten sich auf den Glasflaschen orangefarbene Verschlüsse befinden, um Verwechslungen zu vermeiden. Die Impfung wird in zwei Dosen im Abstand von drei Wochen verabreicht.

Ja, erklärt der Sprecher des Berufsverbandes der Kinderärzte, Jakob Maske: „Das ist eine freie ärztliche Entscheidung.“ Noch bevor der Impfstoff für diese Altersgruppe zugelassen ist, ist es nicht illegal, jüngere Kinder zu impfen – der Fachbegriff dafür ist Off-Label-Use. Mask hält die Zahl der Kinderärzte, die unter zwölf Jahren geimpft haben, für gering. Mit der EMA-Zulassung werden mehr Kinderärzte zustimmen, die Impfung anzubieten, glaubt Mask. Das könnte zu Diskussionen in den Praxen führen. „Aber dafür sind wir hier“, sagt Maske.

Kinder gegen eine Infektionskrankheit zu impfen, die sie meist problemlos und problemlos überstehen, sei immer „eine schwierige Entscheidung“, sagt Kinderarzt und STIKO-Mitglied Zepp. „Man muss die Risiken einer SARS-CoV-2-Infektion mit den möglichen seltenen Risiken einer Impfung vergleichen.“ Zu berücksichtigen ist auch, dass unterschiedliche Gruppengrößen verglichen werden: „Wenn ich alle Kinder einer Altersgruppe impfe, setze ich sie zunächst alle dem sehr geringen Risiko von Impfnebenwirkungen aus. Die Risiken einer Covid-19-Erkrankung sind größer.“ , aber wir wissen nicht, wie viele Kinder sich tatsächlich angesteckt und erkrankt haben.“

Autoren der Studie im „New England Journal of Medicine“ argumentieren mit einem direkten und einem indirekten Nutzen: Eine Impfung schützt Kinder vor einem – wenn auch seltenen – schweren Verlauf oder Langzeitfolgen einer Covid-Erkrankung. Indem Sie sie schützen, schützen Sie auch Menschen in ihrer Umgebung, die einem schwereren Krankheitsverlauf ausgesetzt sind. Ungeimpft könnte diese Altersgruppe zu einem Überträger werden – auch für neu auftretende Varianten des Virus. In der Debatte gibt es laut Zepp verschiedene Parameter: Zum einen die Krankheitslast für das einzelne Kind, zum anderen der gesamtgesellschaftliche Nutzen.

In einer Pandemie kann es auch sinnvoll sein, Kinder zu impfen, um der Gemeinschaft mehr Teilhabe und ein besseres Leben zu ermöglichen. Im Gegensatz dazu hat die Impfung von Kindern wenig Einfluss auf die Übertragung des Virus zwischen Erwachsenen. Man darf nicht vergessen: „Ein Großteil unseres Problems sind ungeimpfte Erwachsene. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht ein weiteres Ersatzgespräch zu Lasten der Kinder führen“, sagt Zepp. „Die wichtigste Maßnahme zur Überwindung der Pandemie bleibt unverändert: Möglichst viele, am besten alle Erwachsenen, durch Impfungen zu schützen.“



Quelllink

ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare