Donnerstag, Januar 20, 2022
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Empört über den Einfluss von Impfgegnern gibt Polens Corona-Expertenrat auf

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Der polnische Corona-Expertenrat tritt fast vollständig zurück. Die Virologen werfen der Regierung in Warschau einen geheimen Pakt mit Impfgegnern vor. Die hohe Zahl der Todesfälle und eine Planlosigkeit gegenüber der Omicron-Welle erzürnen die Wissenschaftler.

In Polen hat der Streit um die staatliche Corona-Politik zu einem offenen Skandal im ärztlichen Beirat der Regierung in Warschau geführt. Aus Protest gegen den wachsenden Einfluss von Impfgegnern verließen 13 von 17 Mitgliedern den Ärzterat. Die Experten begründen dies in einem Brief an Ministerpräsident Mateusz Morawiecki mit einer „mangelnden Einflussnahme“ ihrer Empfehlungen. „Gleichzeitig beobachten wir eine wachsende Toleranz gegenüber Gruppen, die die Bedrohung durch Covid-19 und die Bedeutung von Impfungen im Kampf gegen die Pandemie leugnen.“

Der Brief wurde von führenden Virologen, Epidemiologen und Intensivmedizinern unterzeichnet. Sie verwiesen ausdrücklich auf die Haltung von Regierungsmitgliedern und hohen Beamten. Nur vier Ratsmitglieder traten nicht bei. Die Regierung habe „nur sehr begrenzte Maßnahmen“ ergriffen, um der Zunahme der Fälle im Herbst entgegenzuwirken, kritisierten die Berater. Das Kabinett habe es versäumt, „trotz der alarmierend hohen Zahl prognostizierter Todesfälle der Bedrohung durch die Omicron-Variante entgegenzutreten“.

Die Opposition wirft der nationalkonservativen PiS-Regierung seit langem vor, angesichts der vergleichsweise niedrigen Durchimpfungsrate auf drastische Maßnahmen zu verzichten, um Impfgegner in den eigenen Reihen nicht zu verprellen. So gibt es beispielsweise noch keine gesetzliche Grundlage dafür, dass Betreiber von Restaurants, Hotels und Geschäften den Impfstatus ihrer Kunden abfragen können. Regelungen wie 2G (dh Zugang nur für Geimpfte und Genesene) oder 3G (dh auch für Getestete) sind in Polen unbekannt. Derzeit sind 56,4 Prozent der Bevölkerung mindestens zweimal geimpft. Etwa 22 Prozent haben bereits eine Auffrischungsimpfung.

Erst Anfang der Woche stieg die Zahl der Corona-Toten nach offiziellen Angaben über die Marke von 100.000. Am Freitag meldete das Gesundheitsministerium 423 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden. Damit sind in dem Land mit 38 Millionen Einwohnern 101.841 Menschen im Zusammenhang mit dem Virus gestorben. Zum Vergleich: Deutschland hat bei mehr als doppelt so vielen Einwohnern 115.337 Covid-Tote.

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