Sonntag, Oktober 2, 2022
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Energieverträge: Wie man Unsicherheiten bei Strom und Gas ausnutzt

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Am Telefon geben sie sich als Mitarbeiter des Energieversorgers aus und täuschen Kunden teure Verträge vor. Laut Verbraucherschützern hat die Zahl der unterschwelligen Verträge deutlich zugenommen. Bericht Mainz zeigt, wie der Betrug funktioniert.

Bei Ludwig Krompass aus dem bayerischen Burgkirchen an der Alz beginnt alles mit einem Anruf. Der Anrufer habe sich als sein Energieversorger ausgegeben und ihm einen günstigeren Tarif anbieten wollen, sagt er in einem Interview Bericht Mainz. Doch nach einigen Wochen erhielt er von seinem Energieversorger ein Kündigungsschreiben. „Wir waren wirklich baff. Wir wollten nicht aufhören, das hatten wir nie im Sinn.“ Etwa zeitgleich mit dem Kündigungsschreiben kam ein neuer Vertrag bei einem anderen Anbieter. Der Rentner ist fassungslos. „Wir haben nichts unterschrieben“, sagt er. „Wir haben nicht einmal gesagt, dass wir das machen wollen.“ Was ihm passiert ist, ist kein Einzelfall.

Bericht Mainz hat bundesweit mit zahlreichen Opfern gesprochen. Sie erzählen von ungewollten Kündigungen, unbestätigten Verträgen, extremen Preiserhöhungen und bewusster Täuschung. Der Verbraucherzentrale Bundesverband schreibt auf Anfrage, dass sich die Zahl der Klagen über untergeschobene Verträge in diesem Jahr fast verdreifacht habe.

Als Folge der „jüngst stark gestiegenen Energiepreise“ verzeichnet die Bundesnetzagentur auch eine überproportionale Zunahme von Beschwerden über unerlaubte Werbeanrufe zu Energieversorgungsprodukten. Bis Ende August gingen bei ihr allein deswegen rund 10.000 schriftliche Beschwerden ein.

Khaled Touzri kennt diesen Betrug. Bis Ende vergangenen Jahres arbeitete er bei einem Energieversorger, der ahnungslosen Kunden mit dubiosen Mitteln Stromverträge unterschob. „Irgendwann dachte ich mir, so kann es nicht mehr weitergehen“, sagt der Insider. Nun hilft der 40-Jährige Betroffenen gegen Entgelt aus solchen Verträgen heraus. Er hat unzählige Dokumente, Verträge von tausenden Kunden.

Energieverträge sollen nicht mehr so ​​einfach am Telefon abgeschlossen werden. Denn seit dem 27. Juli 2021 gilt für Telefonverträge die Textform. Dieser sieht die Novellierung des Energiewirtschaftsgesetzes vor. Als Vertragsbestätigung genügen jedoch der Name und ein einfaches „Ja“ als Text – etwa per SMS. Touzri hält diese Regelung für viel zu lax.

Eine Aufzeichnung eines Anrufs, der Bericht Mainz geleakt wurde, macht deutlich, wie schamlos einige Vermittler von Energielieferverträgen diese Regelung ausnutzen. In der halbstündigen Aufnahme ist zu hören, wie der Kunde mehrfach deutlich macht, dass er keinen Vertrag unterschreiben möchte. Und wie er durch betrügerische Methoden unwissentlich zum Vertragsabschluss gedrängt wird.

Rechtsanwalt Marc Nörig kritisiert im Interview mit das Energiewirtschaftsgesetz Bericht Mainz. Er behandelt mehrere solcher Fälle vor Gericht. „Ich finde es mutig, wie diese Energieunternehmen vorgehen. Es soll verhindert werden, dass der Kunde während des Telefonats in keinster Weise überrascht wird, sondern sich überlegen kann, ob er diesen Vertrag tatsächlich abschließen möchte“, sagt Nörig.

Felix Methmann vom Bundesverband der Verbraucher sieht das ähnlich: „Wichtig ist, dass die Probleme jetzt verschärft werden. Und sie bestehen darin, dass viele Verbraucher einen Vertrag haben, den sie nicht wollen. Das darf nicht möglich sein.“ Verträge per SMS abzuschließen.“

Bericht Mainz sprach auch mit Betroffenen von untergeschobenen Energielieferverträgen, die während des Telefonats keine Bestätigung per SMS oder E-Mail zurückschickten und trotzdem neue Energielieferverträge erhielten. In einem Fall stellte sich heraus, dass die Unterschrift des Betroffenen unter einem angeblichen Vertrag nachweislich gefälscht war. Das Unternehmen fordert noch immer Geld von dem 86-Jährigen. In einem anderen Fall erhielt der Verbraucher kurz nach Vertragsschluss eine erhebliche Preiserhöhung. Ihr Einwand wurde ignoriert.

Die Bundesverbraucherzentrale beklagt, dass seit Jahren eine Handvoll Unternehmen mit solch dubiosen Geschäftspraktiken auffallen. Dessen ist sich die Bundesnetzagentur bewusst. Aber es passiert viel zu wenig. Methmann fordert, dass die Bundesnetzagentur viel schneller handeln muss. „Einige 100 Beschwerden über dasselbe Unternehmen und dasselbe Problem müssen ausreichen, damit eine Antwort erfolgt.“

Die Bundesnetzagentur antwortet Bericht Mainz daran, dass es an die gesetzlichen Rahmenbedingungen gebunden ist. Aus einer Stellungnahme aus dem Jahr 2019 geht hervor, dass auch sie härter gegen die Unternehmen vorgehen möchte. Sie schlug damals vor, Bußgelder sollten sich „an der wirtschaftlichen Lage“ des Unternehmens orientieren. Der aktuelle Höchstsatz von 300.000 Euro „stelle insbesondere für leistungsstarke Unternehmen keine spürbare Sanktion dar“.

Allerdings „ist etwas anderes im Gesetz verankert. Wir arbeiten mit den rechtlichen Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen. Das tun wir Bundesnetzagentur . Das für die Gesetzesänderung zuständige Bundesjustizministerium hat Anfragen des ARD-Politmagazins noch nicht beantwortet.

Mehr zu diesem und anderen Themen sehen Sie im Report Mainz um 21:45 Uhr im Ersten



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Abgel T
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Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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