Donnerstag, Dezember 8, 2022
StartNACHRICHTEN"Er kann keine Hosen tragen" ...

"Er kann keine Hosen tragen" Spekulationen über Bolsonaros Verbleib nehmen zu

- Anzeige -


Kurz nach seiner Wahlniederlage in Brasilien wurde es still um Jair Bolsonaro. Seine Partei will die Wahl anfechten, scheitert aber vor Gericht. Unterdessen gibt es viele wilde Vermutungen über den Verbleib des scheidenden Präsidenten. Der Vizepräsident sagt, er könne im Moment keine Hosen tragen.

Jair Bolsonaro taucht seit seiner Niederlage bei der brasilianischen Präsidentschaftswahl unter. Er hat sich in seiner Wohnung verschanzt und schafft im Land eine beunruhigende Atmosphäre des Machtvakuums. Der Präsident, der bis zum 1. Januar im Amt sein wird, ist nicht einmal bei hochrangigen internationalen Treffen wie dem G20-Gipfel oder der UN-Klimakonferenz erschienen.

Bolsonaro verlor die Wahl vor drei Wochen knapp gegen den linken Ex-Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva. Offizielle Ämter meidet der rechte Amtsinhaber seitdem. Seitdem spekulieren viele über die Gründe für Bolsonaros Verhalten: Schmollt er? Wird er von Wut verzehrt?

Vizepräsident Hamilton Mourão gab kürzlich eine Erklärung ab, in der er sagte, Bolsonaro leide an einem Ausschlag am Bein. „Er kann keine Hosen tragen“, sagte Mourão der Zeitung O Globo. „Und er kann nicht in Shorts auftreten.“ Das Büro des Präsidenten hat diese Informationen jedoch nicht bestätigt, und Mourão selbst scheint von seiner Aussage nicht überzeugt zu sein. Kurz vor dem „Globo“-Interview sagte er der Tageszeitung „Valor“, Bolsonaro habe sich zur Reflexion zurückgezogen.

Es kursieren bereits Gerüchte, Bolsonaro wolle am Tag der Amtseinführung am 1. Januar ins Ausland reisen, um Lula nicht die Präsidentenschärpe überreichen zu müssen. Bolsonaros Rückzug aus der Öffentlichkeit begann in der Nacht der Stichwahl am 30. Oktober, die er um weniger als zwei Prozentpunkte verlor. Erst fast 48 Stunden später tauchte er wieder auf, um in einer kurzen Rede anzukündigen, dass er die Verfassung Brasiliens respektieren werde. Aber er räumte weder eine Niederlage ein, noch gratulierte er Lula.

Der Führer der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas blieb letzte Woche dem G20-Treffen auf Bali fern und überließ es seinem Vizepräsidenten, Beglaubigungen von neuen Botschaftern einzuholen. Bolsonaros offizieller Terminkalender ist praktisch leer, und auf Twitter und Facebook, wo er sonst allgegenwärtig war, ist er so gut wie verstummt.

Da Bolsonaro in vier Jahren ein Comeback versuchen könnte, hält Politikwissenschaftler Oliver Stünkel sein Schweigen für einen strategischen Schachzug. Aus Bolsonaros Sicht ist dies die beste Lösung, da er daran interessiert sei, „die Unterstützung seiner radikalsten Anhänger nicht zu verlieren“, die vor Armeestützpunkten für eine militärische Intervention demonstrieren, um Bolsonaro an der Macht zu halten.

Anhänger des designierten Präsidenten behaupten, er sei ohne Beweise um seine Wiederwahl betrogen worden. Brasiliens Oberstes Wahlgericht hat am Mittwoch eine Berufung gegen das Wahlergebnis abgewiesen. Das Gericht entschied, dass Bolsonaros Liberale Partei (PL) keine Beweise für angebliche Fehlfunktionen in Hunderttausenden von Wahlgeräten vorgelegt habe.

Inzwischen spekulieren auch die Online-Netzwerke eifrig über die Gründe für Bolsonaros Schweigen. „Wo ist die Wunde, die Bolsonaro am Arbeiten hindert? An seinem Bein? Sein Ego?“ scherzte ein Twitter-Nutzer.

Sylvio Costa, Gründer der Nachrichten-Website Congresso em Foco, sagte, es könne „ein Fall von Verleugnung sein, der sich in Depression verwandelt hat“. Immerhin musste Bolsonaros erstmals seit Beginn seiner politischen Karriere 1988 als Stadtrat in Rio de Janeiro eine Wahlniederlage hinnehmen. Der Präsident sieht sich auch „Dutzenden von Ermittlungen und Klagen“ gegenüber. Aber er hält Bolsonaro für „völlig unberechenbar“. Er könne „wieder mit einer Putschrede auftreten“ und versuchen, die Amtseinführung der neuen Regierung so weit wie möglich zu stören, sagte Costa.

Während Bolsonaro weiterhin ein Mysterium ist, nutzt Wahlsieger Lula die Zeit bis zum Amtsantritt, um sich als künftiges Staatsoberhaupt zu positionieren. Er hielt hochrangige Treffen ab und reiste zum UN-Klimagipfel nach Ägypten. Dort kündigte er einen Neuanfang an: „Brasilien ist zurück“, sagte der künftige Präsident.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare