Freitag, Juni 24, 2022
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Erdbeben in Afghanistan: Die Rettungsarbeiten gehen weiter

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Nach dem schweren Erdbeben im Osten Afghanistans gestalten sich die Rettungsarbeiten schwierig. Die betroffene Region ist schwer zugänglich und es fehlt an Ausrüstung. Auch die Bundesregierung kündigte ihre Hilfe an.

Nach dem verheerenden Erdbeben im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet gehen die Rettungsarbeiten weiter. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Bakhtar wurden mindestens 1.000 Menschen getötet und 1.500 verletzt. Helfer gruben in den Katastrophengebieten Massengräber aus. Das massive Beben hatte gestern früh zahlreiche Anwohner aufgeschreckt.

Mehrere Hilfsorganisationen haben dem Land inzwischen ihre Unterstützung zugesagt. „Die Zahl der Opfer wird voraussichtlich steigen, wenn die Such- und Rettungsaktionen fortgesetzt werden“, sagte das UN-Nothilfebüro (OCHA). UN-Generalsekretär António Guterres sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus.

„Das Erdbeben in Afghanistan hat ein Land erschüttert, in dem rund 20 Millionen Menschen nicht mehr wissen, wie sie sich ernähren sollen“, sagte Thomas ten Boer, Landesdirektor der Welthungerhilfe in Kabul. „Die lokalen Behörden haben bereits signalisiert, dass Hilfe von außen willkommen wäre. Das zeigt, dass die Katastrophe, deren Ausmaß noch nicht bekannt ist, kaum aus eigener Kraft bewältigt werden kann“, sagt ten Bure.

Laut OCHA wurden in den betroffenen Provinzen bis zu 1.800 Häuser zerstört. Afghanische Medien berichteten, dass ein Dorf vollständig zerstört worden sei. Der Bau in der armen und wirtschaftsschwachen Region ist aus Kostengründen nicht erdbebensicher, viele Familien leben eng zusammen.

Erschwert werden die Rettungsarbeiten durch den Zugang in die abgelegene Bergregion. Auch in normalen Zeiten seien die Straßen dort schlecht, sagt Loretta Hieber-Girardet von den Vereinten Nationen. Es dauert mehrere Stunden von der Hauptstadt Kabul. Jetzt wird es auch gefährlich: „Starke Erdbeben, die den Boden erschüttern, machen Erdrutsche danach viel wahrscheinlicher. Schon unter normalen Umständen sind 60 Prozent der Fläche Afghanistans erdrutschgefährdet. Besonders groß ist die Gefahr nach starken Regenfällen, und das auch.“ Was genau passiert, war das letzte in diesem Teil Afghanistans, und weitere werden vorhergesagt.“

Videos von der Szene zeigen Menschen, die mit bloßen Händen in den Trümmern graben, um Überlebende zu finden und zu retten. Entscheidend ist für Hieber-Girardet, ob schwere Maschinen rechtzeitig in die betroffenen Regionen gebracht werden können. „Ob es möglich ist, schwere Maschinen schnell genug zu bringen, um Menschen aus den Trümmern zu befreien und Leben zu retten, das ist das Problem.“

Ramiz Alakhbarov, der stellvertretende Gesandte der Vereinten Nationen in Afghanistan, hatte sich zuletzt wenig Hoffnung gemacht. Denn derzeit fehle es im Land an den nötigen Maschinen, sagte er bei einer Pressekonferenz in Kabul. Für die Aufräumarbeiten vor Ort sind die örtlichen Behörden zuständig, ob und welche Geräte vorhanden sind, ist nicht bekannt. Er hofft auf die Unterstützung der Nachbarländer. Die Türkei hat bereits Hilfsteams entsandt. Auch die Regierungen von China und Pakistan haben sofortige Hilfe zugesagt.

Die militanten islamistischen Taliban, die Afghanistan seit August 2021 wieder regieren, haben eine Dringlichkeitssitzung des Kabinetts einberufen. Mehrere Hubschrauber wurden in das Katastrophengebiet geschickt, um den Menschen vor Ort zu helfen. Ein Regierungssprecher rief Hilfsorganisationen zur Unterstützung auf. Einige Hilfsorganisationen sind bereits vor Ort eingetroffen.

Die Bundesregierung kündigte an, den Betroffenen zu helfen, ohne die regierenden Taliban anzuerkennen. Die humanitäre Soforthilfe komme unabhängig von der politischen Lage, sagte Niels Annen, Parlamentarischer Staatssekretär im Entwicklungsministerium Deutschlandfunk. Deutsche Hilfe soll laut Annen vor allem über internationale Nichtregierungsorganisationen und die Vereinten Nationen geleistet werden.

Die Taliban sind immer noch eine extremistische Organisation. Im Umgang mit der afghanischen Regierung müsse man „sehr, sehr skeptisch bleiben“, sagte Annen, die unter anderem auf die Benachteiligung von Frauen beim Schulbesuch verwies. „Wir haben den Eindruck, dass sich die Hardliner innerhalb der Taliban in den vergangenen Wochen und Monaten durchgesetzt haben“, sagte der SPD-Politiker. Bei der Erdbebenhilfe geht es nicht um die Taliban, sondern um Afghanistan. Wenn das Land nicht stabilisiert wird, wird es die gesamte Region betreffen.

Zuvor hatte die Bundesregierung der afghanischen Bevölkerung „ihr tiefstes Mitgefühl“ ausgesprochen. „Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer und den vielen Verletzten“, schrieb Regierungssprecher Steffen Hebestreit auf Twitter. Er wiederholte, dass die Bundesregierung die Taliban immer noch nicht anerkenne. Es geht um schnelle Hilfe, und dazu wird Deutschland im Rahmen der humanitären Hilfe beitragen.

Die US-Erdbebenüberwachungsstation (USGS) meldete für das Beben eine Magnitude von 5,9 und ein etwas schwächeres Nachbeben. Demnach lag das Zentrum des Bebens rund 50 Kilometer südwestlich der Stadt Khost nahe der Grenze zu Pakistan in einer Tiefe von etwa zehn Kilometern. Die pakistanischen Behörden registrierten das Erdbeben mit einer Stärke von 6,1.

In der Region Hindukusch und den Nachbarländern, wo die arabische, indische und eurasische Platte aufeinandertreffen, kommt es immer wieder zu schweren Erdbeben. 1998 erschütterte ein Erdbeben Nordafghanistan und tötete mehrere tausend Menschen. In Pakistan starben 2005 bei einem schweren Erdbeben mehr als 75.000 Menschen und über 3,5 Millionen wurden obdachlos. Im benachbarten Iran tötete ein Erdbeben im Jahr 2003 mehr als 40.000 Menschen und zerstörte die historische Stadt Bam weitgehend.



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