Sonntag, September 25, 2022
StartNACHRICHTENErklärungsbedürftige Staatsmedien Kiews Siege stellen die Kreml-Propaganda vor Probleme

Erklärungsbedürftige Staatsmedien Kiews Siege stellen die Kreml-Propaganda vor Probleme

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Für Moskau läuft es in der Ukraine überhaupt nicht nach Plan. Kiews Gegenoffensive treibt die russischen Einheiten immer weiter nach Osten. Die Stimmung in den staatlichen Medien ist seit dem Wochenende deutlich weniger optimistisch. Auch vorsichtige Kritik ist zu hören.

Die Rückschläge der russischen Armee in der Ostukraine nach der blitzschnellen Gegenoffensive der ukrainischen Streitkräfte haben nicht nur Moskau, sondern auch die russischen Staatsmedien erklärungsbedürftig gemacht. Seit Beginn des Krieges, der in Russland nur als „militärischer Sondereinsatz“ bezeichnet werden kann, versuchen sich Kommentatoren und Talkshow-Gäste meist gegenseitig zu übertrumpfen, indem sie sich mit Präsident Wladimir Putin solidarisieren und die Ukraine und ihre Verbündeten anprangern.

Doch seit dem Wochenende ist die Stimmung merklich gedämpfter. Die Erklärungen reichten von der angeblichen zahlenmäßigen Überlegenheit der ukrainischen Truppen bis hin zur Erklärung des Verteidigungsministeriums für den offenbar überstürzten Abzug Tausender Soldaten aus der Region Charkiw: Es handele sich um eine „taktische Umgruppierung“.

Talkshow-Moderatorin Olga Skabeeva etwa versuchte, den Entwicklungen eine positive Wendung zu geben. Sie eröffnete ihre tägliche Morgenshow mit einem Hinweis auf die russische Bombardierung ukrainischer Kraftwerke und die daraus resultierenden weit verbreiteten Stromausfälle in der Ostukraine. Dies ist ein „Wendepunkt“ in der Militäroperation. Mehrere Gäste zitierten daraufhin noch einmal Putins Worte vom Juli, wonach Russland noch nicht einmal ernsthaft mit seiner Operation begonnen habe. Sie waren überzeugt, dass nun verstärkt militärisch vorgegangen werde.

Der Nachrichtensender Rossiya 24 wiederum interviewte Russlands Gouverneur für Charkiw, Vitaly Gantchev. Er betonte, dass die Ukrainer den Russen achtmal überlegen seien. Er behauptete auch, ohne Beweise vorzulegen, dass die ukrainischen Truppen von westlichen Söldnern unterstützt würden. Dimtri Kisseljow, einer der einflussreichsten Journalisten Russlands, sagte zu Beginn seiner TV-Show am Sonntagabend, es sei „eine extrem schwierige Woche an der Front“ gewesen. Allerdings präsentierte die Studiokulisse deutlich das Motto des Verteidigungsministeriums: „Umgruppierung“ war im Hintergrund zu lesen.

Auch die meisten russischen Zeitungen betteten ihre Berichterstattung über den Abzug der Soldaten in das Motto des Verteidigungsministeriums ein. Die Tageszeitung „Iswestija“ fasste das Wochenende zusammen: Russland habe 4.000 ukrainische Soldaten getötet und das Militär werde sich nun neu formieren, um sich auf den Donbass zu konzentrieren.

Die „Nesawissimaja Gazeta“ stellte jedoch kritisch fest, dass sich das Verteidigungsministerium seit mehreren Tagen nicht mehr zu den „äußerst beunruhigenden Nachrichten aus der Ukraine“ geäußert habe. Die Zeitung stellte auch fest, dass ukrainische Truppen an der Grenze zu Russland vorrücken, während Russlands militärische Führung derzeit Tausende Kilometer entfernt bei großen Manövern im Fernen Osten ist.

Klare Kritik an Putins Beratern äußerte hingegen Talkshow-Stammgast Boris Nadeschdin auf dem zum Staatskonzern Gazprom gehörenden Sender NTV. Sie hätten dem Präsidenten den falschen Eindruck vermittelt, dass die Ukraine schnell aufgeben würde. Nadezhdin forderte sofortige Friedensgespräche, um den Konflikt zu beenden.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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