Sonntag, September 25, 2022
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Erstklassige Misserfolge An deutschen Schulen fehlen 40.000 Lehrer

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In den meisten Bundesländern hat die Schule wieder begonnen – und vielerorts fällt bereits der Unterricht aus. Überall herrscht Lehrermangel, besonders besorgniserregend ist die Situation in Berlin und Bayern. Lehrerverbände kritisieren, dass es der Politik an langfristigen Strategien fehle, um die Probleme zu lösen.

Nach Schätzungen des Deutschen Lehrerverbandes fehlen zu Beginn des Schuljahres bis zu 40.000 Lehrer. Das Unterrichtsangebot habe sich in allen Bundesländern verschlechtert, sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger. „Bundesweit gehen wir von einer realen Lücke von mindestens 30.000, vielleicht sogar bis zu 40.000 offenen Stellen aus.“

Die Besetzungssituation mit voll ausgebildeten Lehrkräften habe sich „im Vergleich zum Vorjahr deutlich verschlechtert“, sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Finnern. „Der Unterricht fällt gleich zu Beginn des Schuljahres aus, größere Lerngruppen, Kürzungen von Förderangeboten, Kürzungen des Stundenplans sind an der Tagesordnung“, sagte Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbands Aus- und Weiterbildung (VBE).

Inzwischen hat in 11 der 16 Bundesländer das Schuljahr begonnen. Nächste Woche folgen Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland, in der Woche darauf geht es in Bayern und Baden-Württemberg wieder los. Traditionell fahren die beiden Südländer als letzte in den Sommerurlaub.

Aus einzelnen Ländern kommen bereits erste Alarmmeldungen: In Bayern hieß es kurz vor den Sommerferien, dass der Unterricht im neuen Schuljahr ausfallen müsste, um genügend Lehrer als Klassenlehrer zu haben. In Berlin begann das Schuljahr mit so vielen Schülern wie nie zuvor, gleichzeitig fehlten 875 Lehrer. Aus Sachsen sagte zu Beginn des Schuljahres Kultusminister Christian Piwarz von der CDU: „Insgesamt bleibt die Lage im Hinblick auf den Unterricht angespannt“.

Lehrerverbandspräsident Meidinger sagte, die bis zu 40.000 unbesetzten Lehrstellen seien eine Schätzung, da der Schulbetrieb noch nicht in allen Ländern wieder aufgenommen worden sei. „Aber die bisher bekannten Zahlen sind dramatisch“, fügte er hinzu. Wie VBE-Chef Beckmann spricht auch Meidinger von Unterrichtsausfällen, verkürzten Stundenplänen und gestrichenen Zusatzangeboten zum Schuljahresbeginn. In Deutschland gibt es mehr als 800.000 Lehrkräfte an Schulen und Berufsschulen.

Seit Jahren wird über Lehrermangel geklagt. Allerdings scheint sich die Situation zu verschärfen, da sich nun mehrere Probleme überlagern:

Die KMK setze „derzeit einen großen Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die Gewinnung von Fachkräften“, wie ihre Vorsitzende Karin Prien von der CDU auf Nachfrage erklärte. Als mögliche kurzfristige Maßnahmen zur „Sicherung der zuverlässigen Unterrichtsversorgung“ nannte sie den Einsatz von Vertretungslehrern und „in Einzelfällen auch eine Zusammenlegung von Schulklassen“. Sie fügte hinzu: Man müsse nicht nur in einzelnen Jahren oder Wahlperioden denken, sondern denke an die Entwicklung der Bildung in zehn oder zwanzig Jahren. Das fordern die Lehrerverbände schon lange.

Laut den Lehrerverbänden sollen die Länder mehr ausbilden und einstellen, als sie brauchen, um dem „Schweinezyklus“ – einem Begriff aus der Wirtschaftswissenschaft – entgegenzuwirken: Wenn mehr Nachfrage nach Schweinefleisch besteht, weil sich die Essgewohnheiten ändern oder die Bevölkerung wächst, wird investiert in der Schweinezucht. Wenn schließlich mehr Schweine auf dem Markt sind, könnte die Nachfrage wieder zurückgegangen sein. Dann gibt es ein Überangebot. Entsprechende Anpassungen in die andere Richtung führen nach einiger Zeit wieder zu Engpässen und so weiter.

Die Idee war, dass, wenn die Lehrer über den Bedarf hinaus ausgebildet und eingestellt würden, genügend Personal vorhanden wäre, wenn die Zahl der Schüler steigt. Wenn die Nachfrage wieder sinkt und die Stellen nicht wieder abgebaut werden, könnte das „Überangebot“ für Qualitätsverbesserungen genutzt werden und stünde dann bei steigenden Zahlen wieder zur Verfügung. Das beantwortet aber nicht die aktuell brennende Frage: Woher soll das Personal kommen? Es können nur so viele Lehrer ausgebildet und eingestellt werden, wie potenziell vorhanden sind. Und es gibt – siehe oben – viele Branchen, die um junge Talente konkurrieren.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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