Donnerstag, Februar 2, 2023
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Erzdiözese Monaco: Missbrauch: Kirche bereit für Schäden

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Die katholische Kirche ist bereit, einen ehemaligen Messdiener wegen sexuellen Missbrauchs zu entschädigen. ZDF und Correctiv entdeckten den Fall in Bayern.

Andreas Perr erinnert sich noch genau an diesen Sommertag, obwohl fast 30 Jahre vergangen sind. Damals war er Ministrant in Garching an der Alz, Bayern. Ein Freund habe ihm gesagt, dass sie mit Pfarrer Peter H. Geld verdienen könnten, erinnerte sich Andreas Perr im ZDF-Interview.

Im Pfarrhaus tranken die beiden Jungs zuerst Limonade. Dann startete der katholische Priester einen Pornofilm:

Der Missbrauch habe sein Leben ruiniert, sagt Andreas Perr. Nach dem Erlebnis im Pfarrhaus lief er von zu Hause weg und rutschte in die Drogenszene ab.

Andreas Perr ist in dem Verfahren nun einen großen Schritt vorangekommen: Das Erzbistum München und Freising hat in seinem Verteidigungsschriftsatz auf die Berufung auf die Verjährung verzichtet.

Laut einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung sei sie bereit, „in Anerkennung des Leidens des Klägers eine angemessene Schmerzensgeldzahlung zu leisten und eine angemessene Regelung weiterer Schadensersatzansprüche zu finden“. Das Erzbistum „bedauert zutiefst“ das Leid, das der Schauspieler und andere Missbrauchsopfer erlitten haben.

Der Anwalt von Andreas Perr sieht die Entscheidung als Erfolg: „Die katholische Kirche hat jetzt die Möglichkeit, allen Opfern sexuellen Missbrauchs echte Gerechtigkeit und Anerkennung zu verschaffen, indem sie Schmerzensgeld zahlt“, sagt Rechtsanwalt Andreas Schulz im ZDF.

Die Initiative „Sauerteig“ aus Garching an der Alz, die den Schauspieler auch finanziell unterstützt, ist „glücklich und erleichtert“: „Wir wollen diese Entscheidung als Signal interpretieren, dass sich die Kirche für eine großzügige und vollständige Entschädigung entscheidet“, sagt Rosi Mittermeier , einer der Gründer der Initiative.

Der katholischen Kirche droht nun ein Zivilverfahren vor dem Amtsgericht Traunstein. Auch sollte geklärt werden, welche Mitverantwortung die kirchlichen Führungskräfte bei Missbrauchsfällen haben.

Pfarrer Peter H. war Anfang der 1980er Jahre von Nordrhein-Westfalen in das Erzbistum München und Freising versetzt worden, obwohl es zuvor Missbrauchsvorwürfe gegeben hatte. Erzbischof von München war damals Kardinal Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI.

Auch als Pastor H. nach weiteren Straftaten wegen sexuellen Missbrauchs endgültig verurteilt wurde, wurde er erneut verlegt: nach Garching an der Alz. Das ZDF-Magazin Front und das Forschungszentrum Correctiv entdeckten Anfang 2020, dass Pastor Peter H. in Garching erneut Jungen missbrauchte. Einer von ihnen war Andreas Perr.

Nach dem Tod des emeritierten Papstes ruht derzeit das Verfahren gegen ihn, bis ein legitimer Nachfolger feststeht. Die Verfahren gegen die anderen Angeklagten laufen. Als Termin für die mündliche Verhandlung hat das Amtsgericht Traunstein den 28. März vorgeschlagen.

Jutta Sonnewald ist Redakteurin beim Regionalbüro ZDF in München. Michael Haselrieder arbeitet in der Redaktion des ZDF-Magazins frontal in Berlin.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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