Donnerstag, Juni 23, 2022
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"Es besteht die Gefahr des Personalabbaus" Bildungsbericht zeigt erhebliche Lücken auf

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Der Fachkräftemangel macht auch vor dem deutschen Bildungssystem nicht halt. Der rund 400 Seiten starke Bildungsbericht skizziert die Situation in Schulen, Kitas und Hochschulen. Zwar konnte dort zuletzt mehr Personal eingestellt werden. Aber das Gleiche gilt nicht für die steigende Zahl der Kinder.

Trotz des teils starken Personalaufbaus in Kitas, Schulen und Universitäten in den vergangenen zehn Jahren sehen Experten das deutsche Bildungssystem aufgrund des Fachkräftemangels vor schwierigen Zeiten. „Das Thema Personalbedarf ist eines der drängendsten“, sagte der geschäftsführende Direktor des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF), Kai Maaz, anlässlich der Vorstellung des Nationalen Bildungsberichts in Berlin. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnte vor einem „Personalkollaps“.

Der umfangreiche Bericht wird alle zwei Jahre unter Federführung des DIPF erstellt. Der Bildungsforscher Maaz stellte ihn im Beisein von Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger und der Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Karin Prien, vor. Personalrekrutierung und Personalqualifizierung bleiben dem Bericht zufolge auch in den kommenden Jahren ein Schwerpunkt für weiterhin hochwertige Bildungsangebote. „Die Frage ist nicht nur, wie wir zusätzliches Personal bekommen. Es ist auch unklar, woher es kommen soll. Möglicherweise sehen wir Verteilungskämpfe auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt“, sagte Maaz. In vielen Bereichen der Wirtschaft oder im Gesundheits- und Pflegebereich werden Fachkräfte dringend gesucht.

Der Bildungsbericht beschreibt auf rund 400 Seiten Entwicklungen, Trends und Probleme im gesamten Bildungssystem – von Kitas über Schulen, Berufsschulen und Hochschulen bis hin zur Weiterbildung. Die Wissenschaftler werteten Daten aus Statistiken und Studien aus und wählten diesmal „Bildungspersonal“ als Schwerpunktthema, das die Dringlichkeit verdeutlichen soll. Zwar sei etwa in Kitas, Schulen und Universitäten seit 2010 das Personal „teilweise spürbar“ gestiegen, heißt es in dem Bericht. Da aber auch die Zahl der Kinder in den Kitas gestiegen ist, verbessert sich das Verhältnis der Kinder pro Kindergärtnerin nur leicht.

Und der Personalbedarf, so die Autoren, werde weiter steigen, insbesondere in der frühkindlichen Bildung. Hier könnten bis 2025 bis zu 72.500 Fachkräfte fehlen. Hinzu kommt der vereinbarte Anspruch auf Ganztagsbetreuung, der ab dem Schuljahr 2026/2027 schrittweise bundesweit eingeführt wird. Dadurch wird bis 2030 auch im Grundschulbereich mit einem großen zusätzlichen Bedarf von bis zu 65.600 Fachkräften gerechnet.

GEW-Chefin Maike Finnern sagte, das System sei in einem Teufelskreis aus Überlastung durch Fachkräftemangel und Fachkräftemangel durch Überlastung gefangen. „Es droht ein Personalzusammenbruch.“ Prien sagte, der Fachkräftemangel betreffe alle Lebensbereiche und Branchen, auch das Bildungswesen. Sie verwies auch auf unvorhersehbare Entwicklungen. Bisher seien rund 140.000 Schüler aus der Ukraine „relativ leise“ in das Schulsystem integriert worden. Auch ein „verändertes Fortpflanzungsverhalten“ sei nicht absehbar, sagte der schleswig-holsteinische Kultusminister mit Blick auf die gestiegenen Geburtenzahlen.

Als weitere Faktoren für den steigenden Personalbedarf werden auch die steigenden Anforderungen an Schulen, wie Inklusion oder sprachliche Fördermaßnahmen und Zuwanderung genannt. Weitere Punkte im Bildungsbericht:

Bildungserfolg hängt von der Herkunft ab

Der Befund ist hinlänglich bekannt und hat sich erneut bestätigt: Kinder von Eltern, die mehr verdienen und einen hohen Bildungsstand haben, sind erfolgreicher in der Schule und später in der Ausbildung. Im Bericht heißt es so: „Bildungserfolg steht in direktem Zusammenhang mit der sozioökonomischen Situation der Familie“.

Bildung zahlt sich aus

„Bildungsabschlüsse und Kompetenzen in Schule und Erwachsenenalter erweisen sich auch in nicht-monetärer Hinsicht als gewinnbringend“, heißt es in dem Bericht. Übersetzt: Bildung zahlt sich nicht nur finanziell aus, durch bessere Jobs. Schüler mit besseren schulischen Leistungen sind auch zufriedener mit ihrem Leben. Und Erwachsene mit höheren Lesefähigkeiten bewerteten ihre Lebenszufriedenheit höher als diejenigen mit geringeren Fähigkeiten.

Weniger Schulabbrecher, aber auf etwa gleichem Niveau

Die Schulabbrecherquote ist leicht gesunken, liegt aber mit etwa sechs Prozent der gleichaltrigen Bevölkerung etwa auf dem Niveau der vergangenen zehn Jahre. Im Jahr 2020 verließen rund 45.000 Jugendliche die Schule ohne Abschluss. Es wird auch gesagt, dass es den meisten gelingt, später einen Abschluss nachzuholen.

Boom bei Kitas

92 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen sind inzwischen in Kindertagesstätten. Schon die ganz Kleinen: Mehr als ein Drittel der Kinder unter drei Jahren gehen in die Kita oder werden betreut. Die Autoren sehen hier einen deutlichen Anstieg in den letzten zehn Jahren.

„Sättigung“ beim Lernen

Dem Bericht zufolge studiert mittlerweile fast die Hälfte der jungen Erwachsenen. Dem Bericht zufolge dürfte hier aber eine „Sättigungsgrenze“ erreicht sein. „Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Studien in den kommenden Jahren nicht weiter steigen wird.“

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