Dienstag, Januar 31, 2023
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EU erlaubt mehr Krabbeltiere Welche Insekten dürfen ins Essen?

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Insekten werden seit Tausenden von Jahren von Menschen auf der ganzen Welt gegessen. In der Europäischen Union gelten sie als neuartige Lebensmittel. Hierzulande schwanken Verbraucher zwischen Neugier und Ekel. Nach Mehlwürmern und Heuschrecken können nun auch Heimchen und Larven des Körnerschimmelkäfers in Lebensmitteln verarbeitet werden.

Was genau ist jetzt erlaubt?

Jedes neuartige Lebensmittel muss von der EU zugelassen werden. Nur die vietnamesische Firma Cricket One darf auf Anordnung der Exekutive ein teilentfettetes Pulver der Heimchen (Acheta Domestica) in der EU. Das auch als Grille bekannte Tier war zuvor nach Auswertung wissenschaftlicher Studien in die Liste der neuartigen Lebensmittel aufgenommen worden. Ab Donnerstag werden Larven des Kornschimmelkäfers (Alphitobius diaperinus) verarbeitet werden. Ähnliche Regeln gibt es seit einiger Zeit für Heuschrecken und Mehlkäferlarven (Das Dunklegelber Mehlwurm).

In welchen Lebensmitteln kann die Heimchen vorkommen?

In allen möglichen. Seit dem 24. Januar 2023 darf ihr Pulver unter anderem in Brot und Brötchen, Keksen und Crackern, Backmischungen und Nudeln, Saucen und Suppen, Fleisch- und Milchersatz, Kartoffelprodukten und Schokolade verwendet werden. Die Produkte dürfen dann nicht als vegan oder vegetarisch gekennzeichnet werden.

Wird dies bald allgemein verfügbar sein?

Wir werden sehen. Bislang sei das Lebensmittelangebot mit Insekten „wirklich ein sehr, sehr kleiner Nischenmarkt“, erklärt Lebensmittelchemiker Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Hierzulande sind derzeit nur wenige Produkte mit geringen Insektenanteilen erhältlich – etwa Riegel oder Nudeln. Dass Insektenpulver in Kekse oder Mehl gemischt wird, ist „wirklich in weiter Ferne“, sagt Valet.

Kann man Insekten essen, ohne es zu wissen?

Nein, denn Insekten müssen auf den Produkten gekennzeichnet werden. „Uns ist nicht bewusst, dass es irgendwie beigemischt wird“, sagt Verbraucherschützer Valet. Die EU-Kommission stellt klar: „Jeder kann selbst entscheiden, ob er Lebensmittel aus oder mit Insekten kauft.“ Laut Verordnung müssen auf der Zutatenliste stehen: „Acheta domesticus (Hausgrille, Heimchen), gefroren“ oder „Pulver aus Larven von Alphitobius diaperinus (Kornschimmelkäfer)“. Valet hingegen fordert eine eindeutige Kennzeichnung auf der Verpackung „und zwar für jedermann leicht verständlich, zum Beispiel „Kekse mit Insekten“ oder „Nudeln mit Insekten““.

Worauf sollten Allergiker achten?

Wie viele andere Lebensmittel kann auch Insektenpulver in seltenen Fällen Reaktionen auslösen – zum Beispiel bei Menschen, die allergisch auf Krebstiere, Weichtiere und Hausstaubmilben reagieren. Entsprechende Angaben sind in unmittelbarer Nähe des Zutatenverzeichnisses zu vermerken. Das Chitin im Exoskelett von Insekten beispielsweise kann allergische Reaktionen auslösen. Schwer verdauliche Ballaststoffe finden sich auch in Schalentieren und Pilzen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit ist nach Auswertung verschiedener Studien zu dem Schluss gekommen: Heimchenpulver in den vorgeschlagenen Mengen ist unbedenklich.

Was sind die Vorteile der Zugabe von Insektenschutzmitteln?

Bisher sieht Verbraucherschützer Valet keinen kommerziellen Anreiz. „Produkte mit Insektenmehl werden teilweise deutlich teurer verkauft“, sagt er. Aber wenn es für Unternehmen irgendwann billiger wird, muss man aufpassen, die Verbraucher nicht zu täuschen.

Wie nahrhaft sind Insekten?

Weltweit werden mehr als 1900 Arten verzehrt. In verschiedenen Studien hat die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) festgestellt, dass sie eine sehr nahrhafte und gesunde Nahrungsquelle mit einem hohen Gehalt an Fett, Eiweiß, Vitaminen, Ballaststoffen und Mineralstoffen sind. Ihr Proteingehalt ist laut Verbraucherzentrale Bundesverband ähnlich wie bei Rind-, Schweine- oder Putenfleisch, variiert aber je nach Insektenart.

Was ist mit Nachhaltigkeit?

Laut der Umweltorganisation WWF ist die Ökobilanz deutlich besser als bei Rind, Schwein und Huhn. „Im Vergleich zu Fleisch benötigt die Produktion von Insekten deutlich weniger landwirtschaftliche Fläche“, so der WWF. Im Vergleich zu Huhn sind es etwa 50 Prozent weniger. Laut FAO benötigen Grillen etwa ein Zwölftel der Futtermenge im Vergleich zu Rindern, um die gleiche Menge an Protein zu produzieren. Auch die Insektenzucht stösst weniger Treibhausgase aus. Auch die deutschen Verbraucherzentralen rechnen damit, dass der essbare Anteil von Insekten mit 80 Prozent deutlich höher ist als beispielsweise von Rindfleisch mit 40 Prozent.

Kommen Insekten aus der Natur auf den Teller?

nein Niemand muss befürchten, dass wilde Tiere in die Produkte gelangen. Essbare Insekten, die im deutschen Lebensmittelhandel angeboten werden, stammen nach Angaben der Verbraucherzentralen ausschließlich aus kontrollierter Aufzucht. „Bisher gibt es in Deutschland keine Haltungsregelung für Insekten“, schreiben die Verbraucherschützer. Klärungsbedarf gibt es zum Thema Platz, den Einsatz von Medikamenten oder eine möglichst schonende Tötung.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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