Dienstag, September 27, 2022
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Experte für Desinformationswelle: „Eine ganz neue Dimension“

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Medienexperte Andre Wolf entlarvt seit Jahren Fake News. Er sagt: Er habe noch nie eine so breite Desinformationskampagne in den sozialen Medien gesehen wie die aktuelle pro-russische.

In einer riesigen Desinformationskampagne verbreiten gefälschte Medienseiten täuschend echte pro-russische Propaganda, Hunderte von gefälschten Konten teilen sie massenhaft in sozialen Medien. Tenor: Die Sanktionen gegen Russland müssen enden, sonst verarmt Deutschland, es droht Hungersnot, Menschen könnten im Winter erfrieren und die Wirtschaft könnte zusammenbrechen.

Social-Media-Experte Andre Wolf vom Verein „Mimikama“ in Österreich und sein Team decken seit über zehn Jahren Fake News auf. Für ihn ist die Kampagne bisher einzigartig: Noch nie seien ihm so viele gut gemachte Fakes von Medien-Websites begegnet, erklärt er im Interview mit ZDFheute.

ZDF heute: Sich als bekannte Medienmarken auszugeben, um Fake News zu verbreiten, ist kein neues Phänomen. Was ist das Besondere an der aktuellen Desinformationskampagne?

Andre Lupo: Das hat eine ganz neue Dimension angenommen. Früher konnte man gefälschte Seiten wie diese meist sehr schnell erkennen – die Adressen der Webseiten stimmten meist überhaupt nicht überein, manchmal waren die Logos verzerrt, man sah, dass es sich nicht um die originalen Nachrichtenseiten handelte. Diese Kampagne ist anders: Fake-News-Seiten sind kaum von echten zu unterscheiden. Für den Propagandaartikel wurden die Originalseiten um ihn herum eine nach der anderen genommen. Wenn ich auf andere Artikel klicke, sogar auf das Impressum: Dann wird die Originalseite geladen. Und ich habe noch nicht einmal die Masse an Fake News gesehen. Es geht nicht um drei oder vier Artikel oder Videos, die gerade entstanden sind, sondern um sehr, sehr viele, von denen wir noch keine Zahlen nennen können. Und das wächst ständig.

Wolf: Wir hatten bereits vor der Bundestagswahl 2017 ein halbautomatisches Botnetz gesehen, das Desinformationen auf Facebook verbreitete, jetzt ist es eine ähnliche Situation.

ZDF heute: Was braucht es, um eine solche Kampagne durchzuführen?

Wolf: Eine richtige Organisationsstruktur erkennen wir allein schon an der enormen Menge an Seiten und daran, dass sie so perfekt und technisch identisch sind. Das sind keine einzelnen Trolle. Und Vertriebskanäle müssen eingerichtet werden, was gar nicht so einfach ist – man kann nicht gleich mehrere Kanäle hinzufügen und dann einfach dort etwas streamen.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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