Donnerstag, Oktober 28, 2021
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Fackeln vor dem Reichstag Zapfenstreich löst Netzwerkdebatte aus

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Es sollte ein denkwürdiger Moment werden: Mit dem tollen Tattoo wurden Soldaten feierlich für ihren Einsatz in Afghanistan geehrt. Doch das Bild unzähliger Fackeln vor dem Reichstag lässt viele nicht los – und stößt auch im Internet auf scharfe Kritik.

Soldaten mit Fackeln vor dem Reichstagsgebäude – Bilder des großen Tattoos zu Ehren des Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan haben im Internet für einige Verfremdung und Kritik gesorgt. Etliche Twitter-Nutzer fühlten sich durch die Szenen an dunkle Kapitel deutscher Geschichte erinnert. Andere Nutzer waren anderer Meinung, mehrere Verteidigungspolitiker reagierten irritiert. „Die Zeremonie war absolut angemessen in Form, Würde & am einzig richtigen Ort (Parlamentarische Armee vor dem Parlament)“, kommentierte die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. „Manchmal verstehe ich Twitter wirklich nicht mehr“, schrieb der Grünen-Politiker Tobias Lindner.

Das Schlagwort #Zapfenstreich stand am Donnerstagmorgen vorübergehend auf Platz zwei der Twitter-Trends für Deutschland. Bundestag und Bundesregierung haben den rund 90.000 in Afghanistan eingesetzten Streitkräften am Mittwoch für ihren schwierigen Einsatz gedankt. Einem Abschlussappell vor dem Verteidigungsministerium folgte ein großes Tattoo vor dem Reichstagsgebäude, die höchste militärische Zeremonie der Bundeswehr. Vertreter der fünf Verfassungsorgane, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, waren am Mittwoch anwesend.

Die ehemalige Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth schrieb auf Twitter: „Wenn Deutsche Fackeln aufheben“, sagen sie und Max Liebermann: „Ich kann so viel essen, wie ich kotzen will“. Sie kritisierte, dass das Tattoo dazu diente, „die Gesellschaft zu militarisieren“. Der linke Außenpolitiker Sevim Dagdelen verwies unter anderem auf die zivilen Opfer des Afghanistan-Krieges und die 59 in Afghanistan ums Leben gekommenen Bundeswehrsoldaten. „Was gibt es mit dieser militaristischen Mummerei zu feiern?“, fragte sie auch auf Twitter.

Der Grünen-Außenexperte Omid Nouripour bezeichnete das Tattoo hingegen als „korrekt, würdevoll und bewegend“. Der Grünen-Verteidigungspolitiker Lindner schrieb, es sei gut und richtig, den Afghanistan-Einsatz mit einem großen Tattoo vor dem Reichstagsgebäude zu ehren. „Wir tragen als Bundestag eine ständige Verantwortung dafür, was die letzten 20 Jahre waren und welche Lehren daraus für die Zukunft gezogen werden. Dafür gibt es keinen geeigneteren Ort als dieses Parlament. Und wer informiert über den Festakt?“ Bedürfnisse, können sich mit Ihnen in Verbindung setzen.“

Auch das Bundesverteidigungsministerium reagierte desillusioniert auf die Kritik am Großen Zapfenstreich. „Debatte ist notwendig und wichtig. Vergleiche mit Deutschlands dunkelstem Kapitel enttäuschen uns“, schrieb das Ministerium am Donnerstag auf Twitter. Die Bundeswehr ist eine parlamentarische Armee. „Damit hat sie ihren Platz mitten in der Gesellschaft – zu besonderen Anlässen auch vor dem Reichstagsgebäude.“ Das Ministerium hat ein erklärendes Video über das Tattoo veröffentlicht, das den Kommentar begleitet.

Die Ursprünge des Zapfenstreichs reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Dieser Brauch wird heute verwendet, um Bundespräsidenten und -kanzler sowie Verteidigungsminister bei ihrem Pass zu ehren. Die Zeremonie findet immer am Abend statt und besteht aus einer Parade, mehreren Musikstücken – darunter die Nationalhymne – und dem Ausmarsch. Das große Tattoo beinhaltet immer Fackelträger. Zum 60-jährigen Jubiläum der Bundeswehr gab es um das Jahr 2015 herum ein großes Tattoo vor dem Reichstagsgebäude.

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