Sonntag, November 28, 2021
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FAQ: Auffrischimpfung und Kreuzimpfung – was ist dabei wichtig

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Moderna oder BioNTech – mit denen auch die Auffrischimpfung durchgeführt wird, überzeugt die Wirkung zum Schutz vor Corona die Wissenschaft. Warum das so ist und was bei Kreuzimpfungen zu beachten ist.

Möglichst viele Menschen sollten ihre Corona-Impfung auffrischen lassen, wenn sie sechs Monate zurückliegt. Dies wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen. Dafür sind die beiden mRNA-Impfstoffe von BioNTech und Moderna zugelassen. Ihre Wirksamkeit ist nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts vergleichbar.

Allerdings hat das Bundesgesundheitsministerium den Verkauf des Impfstoffs von BioNTech/Pfizer eingeschränkt. Die Folge: Nicht jeder, der mit diesem Impfstoff geimpft wurde, erhält zuerst die dritte Dosis vom gleichen Hersteller. Die Hausärzte protestierten vehement, auch die Aussicht auf Kreuzimpfungen sorgt bei einigen Geimpften für Verunsicherung.

Erst der Impfstoff von BioNTech, dann der von Moderna – eine solche Impfserie nennt man Kreuzimpfung: Sie besteht aus mindestens zwei verschiedenen Impfstoffen gegen einen bestimmten Erreger.

Im Juli empfahl die STIKO beispielsweise, dass Personen, die für die erste Corona-Impfung den Impfstoff von AstraZeneca erhalten haben, mit dem Impfstoff von BioNTech oder Moderna als Zweites geimpft werden sollten. Studien hatten gezeigt, dass der Schutz nach der Kombination der Impfstoffe noch höher war als nach zwei Impfungen mit dem Wirkstoff von AstraZeneca.

Generell empfiehlt die STIKO für die Auffrischimpfung einen der mRNA-Impfstoffe zu verwenden. Menschen, die zuvor mit den Vektorimpfstoffen von AstraZeneca oder Johnson & Johnson geimpft wurden, erhalten nun den Wirkstoff von Moderna oder BioNTech zur Auffrischung ihres Schutzes.

Wer bereits einen der mRNA-Impfstoffe zum ersten Mal erhalten hat, sollte laut STIKO erneut mit dem gleichen Wirkstoff geimpft werden. Diese Empfehlung ist jedoch nicht streng: Steht der entsprechende Impfstoff nicht zur Verfügung, kann auch auf den anderen mRNA-Impfstoff umgestellt werden.

Eine Besonderheit gilt für unter 30-Jährige: Hier empfiehlt die STIKO die Auffrischimpfung mit dem Impfstoff von BioNTech. Der Grund: Nach der Impfung mit dem Moderna-Impfstoff wurde vor allem bei jungen Männern ein leicht erhöhtes Risiko für Herzmuskelentzündungen beobachtet.

Insgesamt gilt: Für viele Menschen empfiehlt die STIKO bereits eine Kombination verschiedener Impfstoffe. Und die ersten wissenschaftlichen Ergebnisse passen zu früheren Beobachtungen: Die Kombination verschiedener Covid-19-Impfstoffe scheint auch bei den Auffrischimpfungen eine starke Immunantwort auszulösen.

Leif Erik Sander, Immunologe an der Charité Berlin, sagte auf der Bundespressekonferenz: „Man kann zur Auffrischung einen anderen Impfstoff nehmen. Das funktioniert genauso gut. Im Grunde ist es egal, ob man Moderna oder BioNTech bekommt.“

Die Wirkung der Covid-19-Impfung lässt mit der Zeit nach. Das sieht man zum Beispiel an der aktuell steigenden Zahl von Impfdurchbrüchen – Menschen bekommen das Coronavirus, obwohl sie vollständig geimpft sind.

Die meisten Menschen sind nach einigen Monaten noch gut vor einem schweren Verlauf einer Covid-Erkrankung geschützt. Doch je länger die Impfung her ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass man sich noch ansteckt und dann andere ansteckt, weil die Antikörper gegen den Erreger im Blut mit der Zeit abnehmen. Gerade jüngere Menschen bemerken einen Durchbruch bei der Impfung oft kaum.

Bei älteren Menschen oder Menschen mit einem geschwächten Immunsystem kann dies jedoch anders aussehen – sie können trotz Impfung schwer erkranken und teilweise sogar sterben. Denn manchmal waren sie nach der ersten Impfung nicht in der Lage, eine robuste Immunantwort aufzubauen. Das heißt: Sie haben keinen Langzeitschutz gegen das Virus – vor allem, wenn die Antikörper gegen den Erreger im Blut mit der Zeit abnehmen. In der Zwischenzeit wird daher empfohlen, den Impfschutz nach sechs Monaten aufzufrischen, um das Immunsystem zur Produktion neuer Antikörper zu veranlassen.

Eine große Studie aus Israel hat gezeigt, dass die Auffrischimpfungen dem Immunsystem tatsächlich neuen Schwung verliehen: Nach einer dritten Impfung erkrankten Menschen deutlich seltener an Covid-19, und Todesfälle waren deutlich seltener als diejenigen, die zweimal lange geimpft waren vor wurde. Beeindruckt war Sander auch von den Effekten, die durch das Boosten erzielt werden konnten. Auf der Bundespressekonferenz sagte er, die dritte Impfung habe „herausragenden Nutzen“.

Der Schutz vor Covid-19 sinkt in den Monaten nach einer Corona-Impfung deutlich. Wie viel hängt unter anderem von Alter, Geschlecht und Impfstoff ab, so eine Forschungsgruppe der Universität Umeå in Schweden. Der Schutz vor einer Ansteckung mit dem Virus sinkt besonders stark. Der Schutz vor schweren Verläufen, einschließlich Krankenhausaufenthalt oder Tod, erwies sich als wesentlich stabiler. Wie lange der Immunschutz nach einer Auffrischimpfung anhält, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht mit Sicherheit bestimmt werden.

Aus Erfahrungen mit anderen Impfstoffen ist bekannt, dass eine dritte Auffrischimpfung das Immungedächtnis wieder so stark stärken kann, dass eine weitere Impfung im gleichen kurzen Intervall nicht notwendig ist. Auch die in Studien nach der dritten Corona-Impfung gemessenen Antikörperspiegel weisen auf eine gute Immunantwort hin.

Auch wenn medizinisch nichts gegen eine Kreuzimpfung spricht, ist es für Hausärzte schwierig, kurzfristig auf Impfungen umzustellen. Nach Angaben des Deutschen Hausarztverbandes gibt es in Hausarztpraxen zwei Probleme: Zum einen müssen Patienten, die bei der ersten und zweiten Impfung den Wirkstoff von BioNTech erhalten haben, erneut informiert werden, wenn sie die Auffrischimpfung mit Moderne. „Es ist ein anderer Impfstoff, der einer Erklärung bedarf“, sagt Manfred King vom Hausärzteverband Baden-Württemberg. Das kostet deutlich mehr Zeit, als bei der Terminvereinbarung berücksichtigt wurde.

Auch die Handhabung der Impfstoffe unterscheidet sich: Während eine BioNTech-Ampulle Impfstoff für sechs Patienten enthält, reicht eine Moderna-Ampulle für eine Auffrischungsdosis für 20 Personen. Das liegt auch daran, dass der Moderna-Impfstoff nur mit der halben Dosis der Auffrischimpfung injiziert wird. Nach dem Öffnen einer Ampulle müssen alle Dosen zügig beimpft werden. Dementsprechend müssen die Hausarztpraxen umplanen und ihre Patienten nicht mehr in Sechser-, sondern in Zwanzigergruppen anrufen – ein kaum bezahlbarer organisatorischer Mehraufwand, so der Deutsche Hausarztverband. Denn, wie Barbara Römer vom Hausarztverband Rheinland-Pfalz erklärte, seien viele Impftermine schon lange im Voraus vereinbart – bis weit in den März hinein.



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