Dienstag, August 9, 2022
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Felsen stürzen, Gletscher klaffen Hitze in Europa macht die Alpen unsicher

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Geringer Schneefall im Winter und extreme Hitze im Sommer sorgen für Steinschlag und Gletscherspalten: Die Besteigung von Bergen wie dem Mont Blanc oder dem Matterhorn ist derzeit ein besonders gefährliches Unterfangen. Der Klimawandel macht die Alpengipfel zu einem immer schwierigeren Terrain.

Noé Vérité, Hüttenwart am Mont Blanc, spricht von Steinen, die „so groß wie Kühlschränke“ herunterkrachen. Das Klima in diesem Jahr sorgt in Europa für menschenleere Berggipfel. Der fehlende Schnee und die immer höheren Temperaturen machen die Giganten immer unberechenbarer. Erst im Juli starben bei einem Gletschersturz auf der norditalienischen Marmolada elf Menschen. Viele markante Gipfel sind nur aus eigener Kraft zu erreichen.

Die Bergführerverbände am Mont Blanc gaben Mitte Juli bekannt, die Besteigung über die Hauptroute wegen Steinschlag abzubrechen. Auch am Matterhorn bieten die Bergführer derzeit keine Gipfelbesteigungen an, das Risiko ist zu gross. „Die meisten Berge sind noch zu bezwingen. Aber bei den klassischen Hochtouren sind die Ansprüche oft gestiegen.“ Rita Christen, Präsidentin des Schweizerischen Bergführerverbandes, erläutert dies im Gespräch mit The Aktuelle News am Beispiel der Jungfrau. Der Normalweg zum 4158 Meter hohen Gipfel führt über einen tiefen Bergschrund. Diese unbewegliche Gletscherspalte ist normalerweise mit Schnee bedeckt und daher gut passierbar. Dieses Jahr fehlt dieser Schnee: „Jetzt müsste man die Schrund runter und auf der anderen Seite an einer überhängenden Eiswand wieder hochklettern. Das ist eine ganz andere Tour“, sagt Christen.

Eskaliert die Gefahrenlage, nimmt der Schwierigkeitsgrad einer Besteigung zu, dann verengt sich der Kreis möglicher Bezwinger: Aktuell würden nur noch „etwa ein Dutzend oder zwanzig Leute am Tag, eher Spezialisten“, den Gipfel des Mont Blanc auf 4807 Meter erklimmen erreicht, schätzt Olivier Grébert, Präsident der Chamonix Mountain Guides Association. Normalerweise sind es 100 bis 120 Leute. Der Marmolada-Gletscher hingegen ist von der Nordseite nicht mehr zugänglich. Eine behördliche Anordnung verbietet den Aufstieg über den unglücklichen Hang.

Es ist ganz normal, dass Wege und Routen in den Bergen gesperrt oder nicht begehbar sind. Ob wegen Steinschlag, Lawinengefahr oder aus Naturschutzgründen. Allerdings habe die Zahl der Schließungen in den vergangenen Jahren zugenommen, sagt Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein (DAV) im Gespräch mit The Aktuelle News. Nicht dramatisch, aber spürbar. Vor allem in einer Höhe von über 2000 Metern, wo der Permafrost normalerweise im Boden sitzt. Dort hält er den Felsen zusammen wie Kitt. „Wenn der Permafrost schmilzt, lockert sich das Gestein“, sagt Winter. Liegen Wanderwege unter solchen losen Felswänden, kann es zu Steinschlägen oder gar Steinschlägen kommen. „Bei einem Steinschlag können autogroße Brocken herunterfallen“, sagt Winter, der beim DAV auch für die Sicherheits- und Präventionsarbeit zuständig ist. Nicht jeder Steinschlag sei auf den Klimawandel zurückzuführen, „aber er trägt durchaus dazu bei“, sagt Alpenexperte Winter.

Die in den letzten Jahrzehnten gestiegenen Durchschnittstemperaturen erhöhen laut Winter auch die Gefahr von Erdrutschen. Wanderwege würden immer wieder oberhalb der Baumgrenze verschüttet. Ausgelöst würden die Erdrutsche durch Schmelzen, die den Untergrund der Hänge erodieren würden. „Das wird man in Zukunft immer öfter sehen“, sagt DAV-Mann Winter: „Die Marmolada ist nur ein Vorbote dessen, was noch öfter passieren wird.“

Dinge, die Sie vorher nicht wussten. Niemand habe damit gerechnet, dass der Marmolada-Gletscher abbricht, sagt Winter. Die Berge in Europa werden daher immer genauer vermessen. Die Schweiz überwacht großräumige Gletscherbewegungen, Italien hat auf seiner Seite des Mont Blanc ein Radar installiert.

Professor Krautblatter aus München hat am Allgäuer Hochvogel Messgeräte installiert, die im Minutentakt ins Tal senden. Sie sollen die Gefahr beherrschbar halten, die der jetzt fünf Meter breite Riss darstellt, der mitten durch den Gipfel verläuft. 26.000 Kubikmeter Gestein könnten auf der österreichischen Seite des Berges ins Tal stürzen. Sie würden keine Dörfer begraben, wohl aber Wanderwege und im schlimmsten Fall Wanderer.

Viele markante Berge werden irgendwann kaum noch zu besteigen sein. Am Mont Blanc etwa sei damit in den nächsten 30 bis 50 Jahren zu rechnen, auf anderen Gipfeln früher, sagt Stefan Winter und ergänzt: „Wir erleben es noch.“

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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