Samstag, Oktober 1, 2022
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Förderprogramm endet: Droht Sprachkindertagesstätten das Aus?

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Seit 2016 fördert der Bund Kitas, denen die sprachliche Förderung von Kindern besonders am Herzen liegt. Aber das Programm neigt sich dem Ende zu. Erzieherinnen und Erzieher schlagen Alarm – und auch die Bundesländer machen Druck auf sie.

Mehrere hundert Erzieherinnen und Erzieher demonstrierten Anfang Mai in Berlin für den Erhalt der sogenannten Sprachkindertagesstätten. Auch Sandra Mielke aus Thüringen war dabei. Sie berät Kitas, denen die Förderung der Sprachkompetenz von Kindern besonders am Herzen liegt.

Mielke fürchtet um ihren Job. Die Sprachkindertagesstätten, für die Mielke und weitere 7.000 Fachkräfte arbeiten, werden vom Bund gefördert – vorerst. Das Programm läuft Ende des Jahres aus. Sprachförderung soll in ein neues Gesetz integriert werden, doch Mielke ist skeptisch. „Wenn das Programm endet und die Fachkräfte gegangen sind, macht es keinen Sinn, das Qualitätsgesetz später zur Förderung der Sprachausbildung zu nutzen.“ Dann sind die Leute weg.

Aktuell profitiert jede achte Kita vom bundessprachlichen Kita-Programm. Nach dem Ende des Programms soll die Sprachförderung Teil des geplanten Kita-Qualitätsgesetzes werden, kündigte Bundesfamilienministerin Lisa Paus an. Insgesamt vier Milliarden Euro will der Grünen-Politiker in den nächsten zwei Jahren für den Gesetzesentwurf ausgeben.

Für die alleinige Sprachförderung stehen jedoch keine darüber hinausgehenden Mittel zur Verfügung. Im Kita-Qualitätsgesetz ist die Sprachförderung nur eines von mehreren Handlungsfeldern. Künftig sollen sich auch die Bundesländer an der Finanzierung beteiligen. „Eigentlich sind es auch Bundesgelder, aber es ist kein Modellprojekt mehr, sondern eine regelmäßige Förderung. Das wollen wir schaffen.“

Mit dem Kita-Qualitätsgesetz verärgerte Bundesfamilienministerin Paus nicht nur viele Erzieher, sondern auch Politiker der Ampelkoalition. Erik von Malottki, Familienpolitiker in der SPD-Bundestagsfraktion, sammelte sogar Unterschriften für eine Petition. Er unterstützt das von Paus ins Kabinett eingebrachte neue Gesetz. Allerdings kritisiert von Malottki, dass die Bundesländer mit der Finanzierung der Sprachkindertagesstätten allein gelassen werden: „Das rettet die Sprachkindertagesstätten nicht, weil diese Dinge entweder schon für Qualitätsmaßnahmen genutzt werden oder werden bereits in Planung. Das heißt, die Sprachkindertagesstätten und zur Unterstützung der Sprachförderung brauchen wir zusätzliche Mittel. Und das können wir den Ländern nicht vorschreiben.“

Auch Erzieherin Mielke bezweifelt, dass das Geld am Ende in den Sprachkindergärten ankommt. „Es ist wichtig, sich nicht mit dem Gesetz zufrieden zu geben, sondern das Bundesprogramm weiter zu unterstützen. Und wie die Länder das Geld letztendlich investieren, ist jedem Bundesland überlassen. Das heißt, wir nehmen das Geld für die Sprache, dann müssen wir.“ wir werden es woanders kürzen.“

Bundes- und Landesregierungen müssten nun verhandeln, versicherte Familienministerin Paus. Damit durch das Kita-Qualitätsgesetz regelmäßig Gelder des Bundes fließen, muss der Bund mit allen 16 Ländern einzeln verhandeln. Dies dauert eine Weile. Das Kita-Qualitätsgesetz soll zum 1. Juli 2023 in Kraft treten. Bis dahin werde der Bund die Sprachkindertagesstätten weiter finanzieren, versichert Paus. „Aber es liegt jetzt an den Ländern, den Ball aufzugreifen und ihn tatsächlich in die Regelförderung zu überführen.“

Sandra Mielke hofft, auch im kommenden Jahr für ihre Sprachkindertagesstätten tätig sein zu können. Mehr als 50.000 Unterschriften hat die Petition von Erik von Malottki, die sie ebenfalls unterzeichnet hat, inzwischen erhalten. Der Bundestag wird sich im Herbst erneut mit der Angelegenheit befassen müssen. Der Druck auf die Politik, eine schnelle Lösung für die Sprachkindertagesstätten zu finden, bleibt.



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Abgel T
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Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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