Mittwoch, Oktober 27, 2021
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Fragen und Antworten Die verzweifelte Suche nach Julia

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Julia ist seit Sonntag verschwunden. Vermutlich hat sich das Kind bei einer Familienwanderung verirrt, doch die zahlreichen Suchhelfer und Hunde haben im unwegsamen Gelände bisher keine Spur von dem Achtjährigen gefunden. Fragen und Antworten zum Vermisstenfall.

Seit wann ist die achtjährige Julia verschwunden?

Das Kind verschwand am Sonntag beim Spielen im Wald auf dem Berg Cerchov. Dort wanderten Julias Eltern mit ihren beiden Kindern und einem Neffen. Die Kinder spielten und zogen von ihren Eltern weg. Als sie nicht mehr auffindbar waren, benachrichtigte die Familie die Rettungskräfte. Der sechsjährige Sohn und der neunjährige Neffe des Paares wurden schließlich gefunden, die achtjährige Tochter wurde vermisst.

Wo ist der Suchbereich?

Der Gipfel, auf Deutsch Schwarzkopf genannt, liegt etwa zwei Kilometer von der deutsch-tschechischen Grenze entfernt, etwa in der Mitte eines Dreiecks aus Waldmünchen, Furth im Wald und Domazlice. Das grenznahe Gebiet war während des Kalten Krieges militärisches Sperrgebiet.

Gibt es Anzeichen für eine Straftat?

Nach bisherigen Informationen verloren die Erwachsenen die drei Kinder, die im Wald spielten, aus den Augen. Die Polizei geht davon aus, dass keine Straftat vorliegt und sich der Achtjährige verirrt hat. Was Bruder und Cousin zum Verschwinden sagten, wollte der Sprecher „aus taktischen Ermittlungen“ nicht sagen. „Es ist schwieriges Gelände, ringsum ist tiefer Wald“, sagte die tschechische Polizeisprecherin Dana Ladmanova.

Welche Suchmaßnahmen wurden getroffen?

Die Polizei veröffentlichte ein Video, das zeigt, wie Rettungskräfte den Wald in einer langen Schlange durchkämmen. Auch ein Helikopter mit Wärmebildkamera war im Einsatz. Mehrere hundert Einsatzkräfte – Polizisten, Bergrettungskräfte und Feuerwehrleute – suchten in den vergangenen Stunden mit Hundegespannen in der Umgebung nach der Schülerin. An der Durchsuchung ist auch die tschechische Polizei beteiligt. Beteiligt sind auch Förster und Mitarbeiter des Nationalparks Böhmerwald (Sumava), die mit dem unwegsamen und teilweise felsigen Gelände vertraut sind. Der Nationalpark Sumava grenzt an den ältesten deutschen Nationalpark im Bayerischen Wald. Ein Polizeisprecher kündigte an, dass die sogenannte Alpine Task Force helfen werde. Die speziell für Einsätze in den Bergen ausgebildeten Polizisten kommen nach Angaben des Sprechers aus dem südlichen Oberbayern in die Oberpfalz.

Können Sie bei der Suche helfen?

Die Behörden riefen alle Bürger, die sich am Sonntag zwischen 15 und 19 Uhr auf dem Berg Cerchov und seiner Umgebung aufhielten, auf, sich sofort beim Polizeinotruf zu melden. Die Polizei in beiden Ländern bat jedoch darum, von privaten Durchsuchungen abzusehen. „Wir bitten euch, den Berg nicht zu wagen, sondern hier unten auf den Straßen und in den umliegenden Gemeinden die Augen offen zu halten, einfach um euch hier nicht in Gefahr zu bringen“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz. „Nicht, dass wir andere Leute vom Berg retten oder gar suchen müssen.“

Warum finden die Suchhunde das Kind nicht?

Susanne Melichar von der Rettungshundestaffel Bayerwald mit Sitz in Cham sagte der „Passauer Neuen Presse“, dass Gebiets- und Personensuchhunde, sogenannte Mantrailer, versuchen würden, die vermisste Julia zu riechen. Flächensuchhunde können innerhalb einer Stunde 100.000 Quadratmeter unwegsames Gelände durchkämmen. Zusammen mit dem Besitzer bildeten sie laut der Lehrerin ein Team. „Der Hund sucht frei um ihn herum nach jedem menschlichen Geruch.“ Ein Mantrailer hingegen benötigt für die vermisste Person olfaktorische Artikel wie Schlafanzüge oder eine Haarbürste. Er begann seine Suche nach dem „gesicherten letzten Aufenthaltsort“ der Verschwundenen. „Der Mantrailer verfolgt die Person genauso wie die Person, die sie verlassen hat.“ Der Mantrailer kann unterscheiden, ob eine Duftspur jünger oder älter ist. Ideal wäre es, so Melichar, „wenn Mantrailer das Gebiet angeben und die Hunde dieses Gebiet durchsuchen“. Allerdings gibt es mögliche Fehlerquellen, wenn beispielsweise der Bruder auch die Haarbürste benutzt oder die Mutter den Schlafanzug ihrer Tochter gefaltet hat. „Dann sind sie auch dran, sie zu riechen.“ Mantrailer habe am Nachmittag teilweise Spuren aufgenommen, sagte Polizeisprecher Josef Weindl am Montag. Die Suche in der Umgebung führte zu keinem Ergebnis.

Aber sollten Wärmebildkameras nicht zeigen, wo das Mädchen ist?

Die dichten Baumkronen im Böhmerwald an der bayerisch-tschechischen Grenze erschweren die Suche. „Wärmebildkameras kommen nicht durch die Baumwipfel“, sagte ein Polizeisprecher. Sie waren bis morgens im Einsatz – „aber leider ohne Ergebnis“.

Wie gefährlich ist die Situation für Julia?

Das stark bewaldete Gelände mit Felsen und Schluchten gilt als unwegsam und mitunter gefährlich. Die Polizei spricht jetzt von einem Wettlauf gegen die Zeit. „Die Chancen auf das Mädchen sinken von Stunde zu Stunde“, sagte Polizeisprecher Weindl der „Passauer Neuen Presse“. „Ein Kind kann es über zwei Tage schaffen, ohne zu essen oder zu trinken“, sagte er. Die Kälte ist das große Problem. In den letzten Nächten bewegten sich die Temperaturen um den Gefrierpunkt. Vielleicht hat das Kind in einer Höhle Schutz gefunden. „Jede Stunde ist wichtig“, sagte Weindl.

Wer kümmert sich um die Familie?

Die Familie des Mädchens wird von Psychologen betreut. „Sie tun es den Umständen entsprechend.“ Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams versorgen Sie unter anderem mit aktuellen Informationen und halten Kontakt mit der Einsatzleitung. Georg Stadler, Teamleiter des Kriseninterventionsteams Freyung-Grafenau, beschrieb in der „Passauer Neuen Presse“, dass es oft darum gehe, zuzuhören oder einfach nur da zu sein.

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