Mittwoch, Oktober 27, 2021
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Friedensnobelpreisträgerin für Journalisten, Ressa: "Welt ohne Fakten ist Welt ohne Wahrheit"

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Zwei kritische Journalisten erhielten in diesem Jahr den Friedensnobelpreis: Maria Ressa von den Philippinen und Dmitri Muratow aus Russland werden für ihre Arbeit geehrt. Der Kreml gratulierte Muratow.

Eine große Ehre für zwei Journalisten: Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an Maria Ressa und Dmitri Muratov. Beide hätten „mutig“ für die Meinungsfreiheit in ihren Ländern gekämpft, sagte die Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, Berit Reiss-Andersen, in Oslo. Die Meinungsfreiheit sei „eine Voraussetzung für Demokratie und dauerhaften Frieden“.

Die philippinische Journalistin Maria Ressa ist Chefredakteurin des Nachrichtenportals Rappler Online. Rund 20 Jahre lang arbeitete sie als leitende investigative Reporterin für CNN International in Südostasien. Als Geschäftsführerin von Rappler wurde Ressa auf den Philippinen mehrmals festgenommen.

Nach der Preisverleihung betonte Ressa die Bedeutung verifizierter Fakten für die Gesellschaft. „Ich denke, das zeigt, dass das Nobelpreiskomitee erkannt hat, dass eine Welt ohne Fakten eine Welt ohne Wahrheit und Vertrauen bedeutet“, sagte die Philippinerin am Freitag in einem Interview ihres Online-Interviews, das auf YouTube gestreamt und von der BBC ausgestrahlt wurde. Nachrichtenportal Rappler.

„Wenn wir in einer Welt leben, in der Fakten umstritten sind und in der die größten Nachrichtenverteiler der Welt die Verbreitung von Wut und Hass priorisieren und sie schneller und weiter verbreiten als Fakten, dann wird Journalismus zu Aktivismus“, sagte Ressa. Die Auszeichnung gebührt nicht ihr, sondern ganz Rappler – dem Nachrichtenportal, dessen Chefredakteurin Ressa ist.

2018 kürte das Time Magazine Ressa zur „Person des Jahres“ und 2019 kürte die BBC sie zu einer der 100 inspirierendsten und einflussreichsten Frauen. Außerdem wurde ihr der Tucholsky-Preis verliehen. Rappler kooperiert bei der Großforschung häufig mit Medien aus dem Ausland. theaktuellenews hat bereits mit dem Portal gearbeitet und berichtete über die Aktivitäten des Spezialeinheitsverbandes Uniter auf den autoritär regierten Philippinen.

Dmitri Muratov kommt aus Russland. Er ist Chefredakteur der russischen Zeitung „Novaya Gazeta“. Es gilt als eines der wenigen verbliebenen kritischen Medien in Russland. 2016 wurde Muratow für seine Arbeit der „Golden Pen of Freedom Award“ verliehen. Muratow berichtete kürzlich in seiner Zeitung ausführlich über die Vergiftung des russischen Oppositionellen Alexej Nawalny in Nowitschok. In Fernsehauftritten und Kommentaren kritisierte er den Einfluss der Putin-Regierung auf die Berichterstattung.

Der Kreml gratulierte Muratow zu der Auszeichnung. „Er ist talentiert, er ist mutig“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Freitag in Moskau. Muratow betonte seinerseits, der Preis gehe an seine Zeitung „Novaya Gazeta“ und die in Russland wegen ihrer kritischen Berichterstattung getöteten Journalisten.

„Herzlichen Glückwunsch an alle Journalisten“ – so reagierte eine Sprecherin des Amtes des UN-Hochkommissars für Menschenrechte Minuten nach der Verleihung des Friedensnobelpreises.

Die Auszeichnung sei eine Anerkennung der Bedeutung journalistischer Arbeit, oft unter schwierigen Bedingungen, sagte die Sprecherin Ravina Shamdasani. Die Arbeitsbedingungen für Journalisten werden vielerorts immer schwieriger. Einige Länder nutzten während der Corona-Pandemie Maßnahmen, um die Arbeit von Journalisten zu behindern. „Herzlichen Glückwunsch an alle Journalisten da draußen, die ihren Job machen, um uns auf dem Laufenden zu halten“, sagte sie.

Der Friedensnobelpreis gilt als die renommierteste politische Auszeichnung der Welt. 329 Kandidaten – 234 Persönlichkeiten und 95 Organisationen – wurden diesmal nominiert. Das ist die drittgrößte Zahl von Nominierten aller Zeiten. Die Namen der Nominierten werden traditionell 50 Jahre lang geheim gehalten. Ex-Bundeskanzler Willy Brandt, der letzte deutsche Preisträger, wurde 1971 für seine Ostpolitik geehrt, die zur Entspannung im Kalten Krieg beigetragen hatte.

Zuvor waren die führende Klimaaktivistin Greta Thunberg und die Bewegung Fridays for Future als mögliche Preisträger im Gespräch, aber auch die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC), deren Sekretariat in Bonn ist. Zuletzt wurde der Friedensnobelpreis 2007 mit einem klaren Bezug zum Thema Klimaschutz verliehen. Gewinner waren damals das IPCC und der ehemalige US-Vizepräsident und Klimapädagoge Al Gore.

In dieser Woche wurden die Gewinner in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie und Literatur bekannt gegeben. Unter ihnen waren zwei Deutsche, der Meteorologe Klaus Hasselmann und der Chemiker Benjamin List. Am kommenden Montag folgt zum Abschluss der Wirtschaftsnobelpreis.

Die Friedensnobelpreisträger sind die einzigen, die nicht in Stockholm, sondern in Oslo bekannt gegeben werden. Die Preisverleihung findet traditionell am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters und Dynamiterfinders Alfred Nobel (1833-1896).

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