Sonntag, Oktober 17, 2021
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Fünf Tote in Norwegen – Ermittler verlassen Bogenschützen "Terrorakt" das Ende

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Im norwegischen Kongsberg schoss ein Mann mit Pfeil und Bogen auf Menschen und tötete dabei mindestens fünf Menschen. Das Motiv ist noch nicht klar – die Ermittler gehen aber von einem „Terrorakt“ aus.

Bei dem Angriff eines Bogenschützen am Mittwochabend in Norwegen handelt es sich nach vorläufigen Erkenntnissen der Ermittler um einen angeblich „terroristischen Akt“. Der Anschlag in Kongsberg habe in diesem „Stadium“ der Ermittlungen „den Anschein eines Terroraktes“ gehabt, teilte der norwegische Geheimdienst PST am Donnerstag mit.

Zuvor war bekannt geworden, dass die Polizei wegen angeblicher Radikalisierungstendenzen mit dem Mann in Kontakt gestanden hatte, der am Mittwoch in Norwegen fünf Menschen mit Pfeil und Bogen getötet hatte. Die norwegischen Behörden hatten den 37-jährigen Dänen im vergangenen Jahr wegen des Verdachts auf Radikalisierung kontaktiert, wie die Ermittler am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Oslo mitteilten. Demnach war der Mann zuvor zum Islam konvertiert.

Der Mann wurde am Mittwochabend festgenommen. Zuvor hatte er in Kongsberg Menschen angegriffen, die mit Pfeil und Bogen bewaffnet waren. Die Polizei geht davon aus, dass er allein gehandelt hat. Die Hintergründe der Tat blieben jedoch zunächst unklar. Auch ein terroristisches Motiv konnte zunächst nicht ausgeschlossen werden.

Der mutmaßliche Täter ist offenbar zur Zusammenarbeit mit der Polizei bereit. Sein Verteidiger teilte der Presse mit, er habe während eines Verhörs in dieser Nacht Informationen über das Verbrechen gegeben. Bei dem Verdächtigen handelt es sich um einen 37-jährigen Dänen, der in Kongsberg lebt, teilte die Polizei in einer Erklärung mit. Er wurde angeklagt.

Die Tat fand gegen 18.13 Uhr im Zentrum an mehreren Orten in der Stadt Kongsberg statt, die rund 80 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Oslo liegt. Mehrere Medien berichteten, dass einer der Standorte ein Supermarkt sei. Das Zentrum wurde zeitweise großflächig abgesperrt. Im Fernsehen war eine große Zahl bewaffneter Sicherheitskräfte und Krankenwagen zu sehen. Ein Hubschrauber und ein Bombenentsorgungsteam wurden ebenfalls zum Tatort entsandt. Siehe hier oder oben in den Videoaufnahmen aus Kongsberg.

Die Polizei ermittelt im Zentrum von Kongsberg: Ein Mann soll dort mehrere Menschen mit Pfeil und Bogen getötet haben.  (Quelle: dpa/Håkon Mosvold Larsen)Die Polizei ermittelt im Zentrum von Kongsberg: Ein Mann soll dort mehrere Menschen mit Pfeil und Bogen getötet haben. (Quelle: Håkon Mosvold Larsen / dpa)

Als der mutmaßliche Täter festgenommen wurde, gab die Polizei Warnschüsse ab. Er wurde auf eine Polizeiwache im Nachbarort Drammen gebracht. Laut einem TV2-Bericht hatte der Mann zudem ein Messer und möglicherweise mehrere andere Waffen bei sich. Die Verletzten wurden ins Krankenhaus gebracht, darunter ein Polizist, der privat unterwegs war.

Eine Bewohnerin von Kongsberg sagte der Nachrichtenagentur NTB, sie habe in einem Supermarkt den Alarm ausgelöst. Sie dachte nicht viel darüber nach. Aber dann hörte sie auch Polizeiautos und Krankenwagen. Die Polizei durchsuchte am Abend mit Taschenlampen Garagen und Hinterhöfe in der Innenstadt.

Norwegens scheidende Premierministerin Erna Solberg zeigte sich „schockiert“. „Unsere Gedanken gelten in erster Linie den Betroffenen und ihren Angehörigen“, sagte Solberg am späten Mittwochabend bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Oslo. Nach ihrer Wahlniederlage vor einem Monat wird sie am Donnerstag von dem Sozialdemokraten Jonas Gahr Støre an der Regierungsspitze abgelöst. Das Gesetz habe keinen Einfluss auf den Regierungswechsel, sagte Solberg.

„Die Berichte, die heute Abend aus Kongsberg kommen, sind entsetzlich“, sagte Solberg. „Der Täter hat gegen mehrere Menschen schreckliche Taten begangen. Das ist eine sehr dramatische Situation, die die Gemeinde in Kongsberg hart trifft.“ Es ist wichtig zu betonen, dass über den Vorfall nichts bekannt ist.

Auch Kongsbergs Bürgermeisterin Kari Anne Sand war fassungslos. „Das ist eine Tragödie für alle Beteiligten. Mir fehlen die Worte“, sagte sie der norwegischen Zeitung „Verdens Gang“. Der Regierungschef im benachbarten Schweden, Stefan Löfven, schrieb auf Twitter, seine Gedanken seien bei den Opfern und ihren Familien. Es sei ein „schrecklicher Angriff“.

Norwegen war in der Vergangenheit mehrfach Ziel von rechtsextremen Angriffen. Am 22. Juli 2011 tötete der Rechtsextremist Anders Behring Breivik 77 Menschen in Oslo und auf der Insel Utöya. Im August 2019 verübte der Rassist Philip Manshaus einen Anschlag auf eine Moschee am Stadtrand von Oslo. Manshaus hatte zuvor seine in Asien geborene Stiefschwester getötet. Auch mehrere islamistische Angriffe wurden in der Vergangenheit vereitelt.

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