Freitag, Juni 24, 2022
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Gasdebatte im „Lanz“: Lambsdorff: „Riesige Versorgungsprobleme“

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FDP-Außenpolitiker Lambsdorff warnt vor einem „riesigen Versorgungsproblem“ bei Gas. Der Publizist Wolfram Weimer geht sogar so weit zu sagen, Russland habe den Gaskrieg begonnen.

Im Falle einer drohenden Gasknappheit warnt Robert Habeck vor schlimmeren wirtschaftlichen Folgen als der Corona-Pandemie. Christian Lindner spricht von „fünf Jahren Knappheit“. Die beiden Bundesminister haben in den vergangenen Tagen angesichts der Begrenzung russischer Gaslieferungen durch die Gaspipeline Nord Stream 1 drastische Worte gewählt.

„Wir haben gerade ein riesiges Versorgungsproblem“, sagte der FDP-Außenpolitiker Alexander Graf Lambsdorff am Mittwochabend zu aktuellen Entwicklungen bei Markus Lanz. Nachdem ohnehin kein Gas durch Nord Stream 2 fließt, hat Russland nun Nord Stream 1 auf 40 Prozent des bisherigen Gastransfers reduziert.

„Das bedeutet, dass wir in naher Zukunft einen Mangel haben werden. Wir können die Speicher nicht so füllen, wie wir wollen. Unsere Industriebetriebe brauchen Gas für ihre Produktionsprozesse. Wir brauchen es derzeit nicht zum Heizen, aber wir werden es tun.“ .wieder im Winter“. Deshalb ist es laut Lambsdorff absolut richtig und wichtig, dass auch die dafür zuständigen Minister deutlich machen.

Auf die Frage von Lanz, ob es nicht schon fast Alarmismus gewesen sei und was sich plötzlich geändert habe, was so drastisch kommuniziert werden müsse, antwortete Lambsdorff: „Jetzt sind wir an dem Punkt, wo man ganz klar sagen muss: Es kann sein, dass wir reinlaufen eine Mangelsituation, in der wir über die Mechanismen nachdenken müssen, wer das Gas bekommt und wie es reguliert wird“.

Energieökonomin Claudia Kemfert verwies auf zwei weitere Faktoren, die zur aktuellen drastischen Situation beitragen könnten. Einerseits hätte früher mehr Fracking-Gas aus den USA bezogen werden sollen. Kürzlich gab es in Texas einen Vorfall, bei dem Deutschland Fracking-Gas kaufen wollte. Das bedeutet 20 % weniger Gasimporte als erwartet.

Dagegen sank der oben erwähnte Transfer über Nord Stream 1 von 60 % auf 40 %. Jetzt müssen Sie beide kompensieren.

Kemfert weiter: „Der große Fehler von Anfang an war, dass man zu spät auf die Nachfrageseite geschaut hat.“ Nun blättert ein Anbieter auf der Angebotsseite ab und die Nachfrageseite muss kurzfristig reagieren.

Laut Kemfert hätte schon längst ein Wärmepumpenprogramm mit mehr Schulungen und Handwerkern auf den Weg gebracht werden sollen, um Heizungsanlagen umfassend umzurüsten. „Das ist noch nicht ausreichend geschehen“, stellte der Energieökonom klar.

Pressesprecher Wolfram Weimer hat endlich wieder auf Habecks und Lindners Warnungen reagiert. Er nimmt es sehr ernst, weil er einen Hintergrund von „harter politischer Macht, fast kriegerisch“ habe. „In den letzten Tagen hat sich etwas geändert: Die Russen haben den Gaskrieg eröffnet“, sagte Weimer.

Bis vor wenigen Tagen, als Gas noch in großen Mengen eintraf, dachte man, dass dieser Krieg wie der Kalte Krieg verlaufen würde, mit einer stabilen Versorgung. Jetzt wurde die Entscheidung zur Verlangsamung von Russland getroffen. „Es ist, als würde man die Waffe auf den Tisch legen“, sagte Weimer.

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