Mittwoch, Oktober 27, 2021
StartNACHRICHTENGegner ausländischer Einmischung Prediger al-Sadr gewinnt Wahlen im Irak

Gegner ausländischer Einmischung Prediger al-Sadr gewinnt Wahlen im Irak

- Anzeige -


Der Irak bleibt unter der Führung der schiitischen Mehrheit: Der Kleriker al-Sadr gewinnt die vorgezogenen Wahlen mit deutlichem Vorsprung. Der Prediger widersetzt sich jeder ausländischen Intervention. Die Wahlbeteiligung ist aufgrund der Enttäuschung über die politische Elite gering.

Im Irak hat die Partei des schiitischen Geistlichen Moktada al-Sadr nach offiziellen Angaben die Parlamentswahlen mit deutlichem Vorsprung gewonnen. Nach ersten Zählungen hat seine Partei mehr als 70 Sitze gewonnen. Die schiitische Mehrheit der irakischen Bevölkerung hat seit der US-geführten Invasion im Jahr 2003 alle Regierungen gestellt oder dominiert. Die Wahlen am Sonntag wurden vorgezogen, nachdem Massenproteste 2019 die damalige Regierung stürzten und eine weit verbreitete Wut gegen Spitzenpolitiker offensichtlich wurde. Vielen wird vorgeworfen, auf Kosten des Landes reich zu werden.

Beobachter gehen nicht davon aus, dass sich die Verhältnisse im Irak durch das Wahlergebnis grundlegend ändern werden. Nach den ersten Zählergebnissen spielt Sadr wieder eine dominierende Rolle. Der populistische Prediger war in der Vergangenheit oft der Königsmacher der irakischen Politik. Er hat sich gegen jede ausländische Intervention, auch gegen den Iran, ausgesprochen, besucht aber regelmäßig das Nachbarland. Auf die Parlamentswahlen folgen seit 2003 schwierige Verhandlungen zur Regierungsbildung, die sich über Monate hinziehen können.

Nach den Zwischenergebnissen kann die Koalition des sunnitischen Parlamentspräsidenten Mohammed al-Halbusi’s Takaddum 38 Abgeordnete entsenden, gefolgt vom ehemaligen schiitischen Regierungschef Nuri al-Maliki mit 37 Sitzen im 329 Sitze umfassenden Parlament. Im Vergleich zur letzten Parlamentswahl 2018 mussten diesmal iranische Parteien und Milizen Verluste hinnehmen. Im Gegensatz dazu konnten Reformparteien, die nach den Protesten entstanden, einige Sitze aus dem Nichts gewinnen.

Viele Iraker blieben der Wahl fern, weil sie von der politischen Elite enttäuscht waren. Sie glauben nicht, dass das nach der US-Invasion eingeführte demokratische System funktioniert. Bei der Wahl 2018 hatten nur 44,5 Prozent ihre Stimme abgegeben.

Premierminister Mustafa al-Kadhimi hatte die Abstimmung am Sonntag nach den Massendemonstrationen für mehr Arbeitsplätze und bessere Lebensbedingungen um mehrere Monate vorgezogen. Die zum Teil gewaltsam niedergeschlagenen Kundgebungen richteten sich gegen die herrschende Elite. Als Reaktion auf die Proteste wurde ein neues Wahlgesetz verabschiedet, das unabhängigen und reformorientierten Kandidaten bessere Chancen bieten soll. Insgesamt haben sich mehr als 160 Parteien und über 3200 Kandidaten für den Einzug ins Parlament beworben.

ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare