Dienstag, Oktober 19, 2021
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Geld für Tiere

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Die Weltnaturkonferenz in China hat sich zum Ziel gesetzt, das Artensterben zu stoppen. Die Frage ist: Wie viel sollen die reichen Länder zahlen – und wie viel können sie in Ländern wie Brasilien oder dem Kongo mitreden?

Etwas apokalyptische Atmosphäre herrschte im Berliner Museum für Naturkunde. Svenja Schulze stand vor dem größten Dinosaurierskelett der Welt; der Brachiosaurus brancai misst mehr als 13 Meter in der Höhe. Der Bundesumweltminister der SPD erklärte, man befinde sich inmitten des größten Massensterbens seit dem Verschwinden dieser Riesentiere vor rund 65 Millionen Jahren. Damals war der Einschlag eines Meteoriten die Ursache, „diesmal sind wir Menschen verantwortlich. Wir haben den Ast gesehen, auf dem wir sitzen“. Im Schnitt alle zehn Minuten, erklärte der Minister, sei heute eine Tierart unwiederbringlich verloren, weil sich der Mensch zu stark verbreitet habe. Das gefährdet auf Dauer die eigene Existenz.

Schulzes Rede hallte durch das Museum. Es ging nach Kunming, 7800 Kilometer Luftlinie, wo am Montag die 15. Weltnaturkonferenz eröffnet wurde. Wissenschafts- und Umweltverbände fordern ein Signal zum Kurswechsel aus der südchinesischen Provinz, einen „Pariser Moment“ für den Artenschutz auf Basis des Klimaabkommens von 2015. Schulze stimmte zu: „Die Konferenz ist die Chance für einen Neuanfang“, sagte sie. Ziel ist es, dem Artensterben und dem Verlust der biologischen Vielfalt ein Stoppschild zu setzen. Aber ist das realistisch?

Bereits 2010 einigten sich die knapp 200 Mitgliedsstaaten der sogenannten UN-Biodiversitätskonferenz in der japanischen Präfektur Aichi auf 20 Ziele zum Artenschutz. Sie wurden alle vermisst, die meisten eindeutig. Der erste Entwurf eines neuen Rahmenabkommens sieht nun vor, dass 30 Prozent der Land- und Seefläche unter Schutz gestellt werden sollen. Die Landwirtschaft muss den Einsatz von Düngemitteln halbieren und den Einsatz von Pestiziden um zwei Drittel reduzieren. Das sind selbst für Skeptiker ambitionierte Ziele, wenn sie im Mai 2022 in das globale Abkommen aufgenommen werden. Allerdings sind sie bislang unverbindlich, es gibt kein Monitoring und keine Sanktionsmöglichkeit.

Das wollen Deutsche und andere Europäer jetzt ändern. Andere nicht. Brasilien zum Beispiel sieht den Amazonas-Regenwald nicht als globales Territorium, wie ein Mitglied des deutschen Verhandlungsteams sagt. Vor allem unter Jair Bolsonaro. Der rechtspopulistische Präsident tut wenig gegen die zunehmende Abholzung. Auch viele afrikanische und asiatische Länder wollen in internen Angelegenheiten nicht angesprochen werden. Rund um den Äquator gibt es viele der sogenannten megadiversen Gebiete, die die Welt noch hat. Wenn die Naturzerstörung dort weitergeht, befürchten Beobachter tatsächlich ein Massensterben. Das Risiko, dass Viren von Wildtieren auf den Menschen austreten, wie es offenbar bei Covid-19 der Fall war, steigt, da der Mensch zunehmend in seinen Lebensraum eindringt. Aber Umweltausbeutung bedeutet oft kurzfristig wirtschaftlichen Gewinn. Und so wollen Länder wie Brasilien, der Kongo oder Indonesien für ihren Verzicht bezahlen. Es geht ums Geld.

Eine Studie von Instituten und Organisationen in den USA kommt zu dem Ergebnis, dass weltweit mehr als 600 Milliarden Euro pro Jahr benötigt werden, um das Artensterben zu stoppen. Diese immense Summe soll vor allem durch den Verzicht auf naturschädliche Subventionen finanziert werden. Deutschland ist mit bisher 800 Millionen Euro pro Jahr einer der größten Geber. Auf der anderen Seite gibt es laut Umweltorganisationen mehr als 60 Milliarden Euro an Subventionen für naturschädliches Verhalten. Zum Beispiel die Steuerbefreiung für Kerosin, die Pendlerpauschale oder die ermäßigte Mehrwertsteuer für tierische Produkte.

Es ist unklar, welche Impulse China setzt. Die Gastgeber wurden im Voraus abgedeckt. Manche befürchten, China habe kein Interesse daran, dass sich der Status quo zu sehr ändert. Es wird noch immer als Entwicklungsland geführt und steht auf der Liste der Begünstigten. Andere hoffen auf einen Knall von Peking, um das Bild der Naturzerstörer zu korrigieren. Für Johannes Vogel, Direktor des Naturkundemuseums und Professor für Biodiversität, ist dies dringend erforderlich. Am Montag zog er neben Svenja Schulze und vor dem Brachiosaurus brancai einen Vergleich zum Klimawandel. Das beeinflusst wie wir Menschen werden in Zukunft auf der Erde leben. „Der Erhalt der Art ist entscheidend ob wir leben.“

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