Donnerstag, August 11, 2022
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genug von "Hotel Mama" Weniger junge Menschen leben noch bei ihren Eltern

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In Skandinavien ziehen junge Menschen besonders früh aus, in vielen südeuropäischen Ländern leben sie mit über 30 noch bei den Eltern. In Deutschland ändert sich der Trend – hier werden junge Menschen schneller flügge.

Fast ein Drittel der Jugendlichen in Deutschland lebte im vergangenen Jahr nicht mehr im Haushalt ihrer Eltern. „Trotz steigender Mieten und der Corona-Pandemie, die diesen Schritt in den vergangenen Jahren erschwert haben, standen 2021 so viele junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren buchstäblich auf eigenen Beinen wie in den vergangenen zehn Jahren“, so der Bundesrat das Statistische Bundesamt.

Insgesamt sind in dieser Altersgruppe bereits rund 2,6 Millionen Menschen ausgezogen, was einem Anteil von 31,2 Prozent entspricht, wie das Amt mitteilte. Zehn Jahre zuvor waren es nur 2,4 Millionen (27,5 Prozent). Laut Jugendforscher Klaus Hurrelmann aus Berlin kann man als Trend ablesen, dass die Nestlingszeit in Deutschland vorbei ist. „Es ist wirklich bemerkenswert: Die jahrzehntelange Phase des sehr späten Auszugs aus dem Elternhaus scheint jetzt abzuflauen.“ Das habe nichts mit einem schlechteren Verhältnis zu tun, im Gegenteil: „Das sehr gute Verhältnis zu den Eltern bleibt – alle Studien zeigen, dass es ausgezeichnet ist.“ Er sieht darin eher ein Signal, dass die Selbständigkeit wieder wichtiger wird.

Beim Auszug nehmen sich die Söhne den Angaben zufolge noch etwas mehr Zeit als die Töchter: 27,6 Prozent der jungen Männer zwischen 15 und 24 Jahren wohnten zuletzt nicht mehr im „Hotel Mama“, bei den jungen Frauen war es das 35, 1 Prozent.

Betrachtet man die europaweiten Zahlen, werden große Unterschiede deutlich. Skandinavier werden besonders früh flügge: Die jungen Schweden zogen im Schnitt mit 19 Jahren aus, gefolgt von den Finnen und Dänen (beide um die 21 Jahre).

Ganz anders hingegen sieht es im Süden des Kontinents aus: Die Portugiesen (rund 34 Jahre) waren die letzten, gefolgt von den Kroaten (rund 33 Jahre). In Deutschland verlassen junge Menschen im Schnitt mit knapp 24 Jahren das Elternhaus – drei Jahre früher als im EU-Durchschnitt. Laut Statistischem Bundesamt ist die Zahl der jungen Eltern in Deutschland innerhalb von zehn Jahren deutlich gesunken. Nur 2,4 Prozent der 15- bis 24-Jährigen hatten 2021 Kinder – das sind 197.000 junge Väter oder Mütter in dieser Altersgruppe. Zehn Jahre zuvor waren es noch 327.000 junge Väter oder Mütter (3,7 Prozent).

„Familiengründung und Heirat werden immer mehr verschoben“, sagt Experte Hurrelmann. Auch andere Statistiken zeigen, dass Frauen bei der Geburt ihres ersten Kindes immer älter sind. Zwischen dem Auszug aus dem Elternhaus und der Gründung einer eigenen Familie liegt eine immer längere Phase der Selbständigkeit.

Auch das Statistische Bundesamt veröffentlichte aktuelle Daten zu den Eheschließungen der jüngeren Generation. „Noch weniger als die Eltern in der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen sind verheiratet oder in einer Lebenspartnerschaft“, hieß es. Ende 2021 wurde mit rund 136.000 Verheirateten in dieser Altersgruppe ein neuer Tiefstand erreicht. Zehn Jahre zuvor waren mehr als 246.500 verheiratet oder in einer Lebenspartnerschaft.

Das Bundesamt hat die Daten anlässlich des „Europäischen Jahres der Jugend“ veröffentlicht, das die Europäische Union für 2022 ausgerufen hat. Es soll jungen Menschen mit ihren Meinungen und Ideen eine bessere Stimme geben. In allen Bereichen (Auszug, Elternschaft, Heirat) beziehen sich die Statistiker auf die Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen – in Deutschland ist eine Eheschließung allerdings erst ab 18 Jahren gesetzlich möglich.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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