Samstag, Juni 25, 2022
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Geopolitik: Wie stark ist Chinas Militär?

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China hat die zahlenmäßig größte Marine der Welt und investiert Milliarden in seine Streitkräfte. Wie stark ist die Volksrepublik militärisch – und von wem sieht sie sich bedroht?

China stellt seine Streitkräfte gerne im Staatsfernsehen zur Schau: Während einer Militärübung im Südchinesischen Meer bellen Soldaten der Volksbefreiungsarmee Befehle und feuern Geschütze auf eine moderne Fregatte ab. Doch trotz solcher Bilder ist Chinas Militärapparat wenig transparent – selbst für ausländische Militärexperten wie Zeno Leoni vom King’s College in London. „China bleibt ein Rätsel – es hat sowohl Merkmale einer starken als auch einer schwachen Macht“, sagt er.

Zu Chinas militärischen Stärken gehört seine Marine – laut dem jüngsten Pentagon-Bericht die größte der Welt mit über 350 Kriegsschiffen und U-Booten. Die Armee umfasst fast eine Million kampfbereite Soldaten. Die Luftwaffe liegt mit 2250 Kampfjets weltweit an dritter Stelle. Experten zufolge ist China bei der Entwicklung neuer Überschallwaffen sogar führend. Aber: Chinas Streitkräfte haben so gut wie keine Kampferfahrung.

„Sie haben seit Jahrzehnten keinen Krieg mehr geführt – zuletzt 1979 gegen Vietnam – und das war vor der Modernisierung der Streitkräfte“, sagt Militärexperte Leoni. „Außerdem hinkt China bei einigen Technologien noch hinterher – etwa bei Flugzeugen. China braucht dort Hilfe von Russland.“

Aber China hat in den letzten Jahrzehnten stark aufgeholt. Die USA geben immer noch dreimal so viel für ihr Militär aus wie China, aber die Volksrepublik ist seit langem der zweitgrößte Militärausgabener der Welt und strebt an, die USA in Bezug auf Technologie langfristig zu erreichen oder sogar zu übertreffen.

Staats- und Parteichef Xi Jinping hat vor fünf Jahren formuliert, wohin China will: Die Modernisierung des Militärs soll bis 2035 umgesetzt sein. Bis Mitte des Jahrhunderts soll China eine Weltklassearmee aufgebaut haben.

Denn China hat längst globale Interessen und will diese verteidigen und nach eigenen Regeln handeln können. Zur chinesischen Bedrohungsanalyse gehört auch die Überzeugung, dass Länder wie die USA die Volksrepublik klein halten wollten. Dem wolle China entgegenwirken, sei aber vorsichtiger als Russland, sagt Leoni: „Letztendlich muss China aber seine Handelswege sichern“ – und das Militär spiele dabei eine wichtige Rolle; Es geht auch darum, respektiert zu werden.

Anders als die USA hat sich China noch nicht als globale Militärmacht verstanden. Die Volksrepublik hat nur einen Militärstützpunkt im Ausland, nämlich im ostafrikanischen Dschibuti. In der eigenen Region, im asiatisch-pazifischen Raum, ist China jedoch sehr ambitioniert – es will dort auch militärisch die Nummer eins werden. Ein dritter chinesischer Flugzeugträger soll bald vom Stapel laufen und Chinas Stärke demonstrieren.

Selbstbewusste und teils riskante Machtprojektionen mit Kriegsschiffen und Kampfjets im Süd- und Ostchinesischen Meer gehören längst zum Alltag – und verstören Nachbarländer, die sich zunehmend von Peking bedroht fühlen. Experten sagen, dass China noch nicht über die militärische Stärke verfügt, um die traditionelle Regulierungsmacht USA aus der Region zu verdrängen. In zehn oder 20 Jahren könnte das jedoch anders aussehen.



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