Sonntag, Oktober 2, 2022
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Geplagter Immobilienkonzern: Was ist mit der Adler-Gruppe?

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Die Vorgänge rund um die Adler-Gruppe sind äußerst ungewöhnlich. Was wird dem angeschlagenen Immobilienunternehmen vorgeworfen? Und wie könnte es weitergehen?

Die Adler-Gruppe ist erst Ende 2020 aus dem Zusammenschluss der Luxemburger ADO Properties mit den Berliner Wohnungsunternehmen Adler Real Estate und Consus Real Estate hervorgegangen. ADO Properties übernahm zunächst den eigenen Großaktionär Adler Real Estate und dann Consus.

Ziel des Zusammenschlusses war es, den Wohnungsbestand geografisch zu diversifizieren, um die Auswirkungen des Berliner Mietendeckels auf das eigene Geschäft zu reduzieren. ADO selbst wurde ursprünglich 2006 auf Zypern gegründet. Seit Oktober 2015 ist das Unternehmen im Small-Cap-Index SDAX gelistet.

Als einer der größten Immobilienentwickler in Deutschland hat die Adler-Gruppe mehrere große Bauprojekte im ganzen Land betreut. Ein Großprojekt ist die Bebauung des Geländes der ehemaligen Holsten-Brauerei in Hamburg-Altona, auf dem bis zu 1300 Wohnungen entstehen sollten. Auch aus der ehemaligen Zentrale von IBM Deutschland im Stuttgarter Westen soll ein modernes Stadtquartier werden. In Düsseldorf-Gerresheim sollte das Grand Central Quartier mit mehr als 1000 Wohnungen und Geschäften entstehen. Diese Projekte stagnieren seit Monaten, offenbar weil dem Unternehmen das Geld für die Weiterentwicklung fehlt.

Die Adler-Gruppe ist schwer getroffen. Ende April verweigerte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG die Bestätigung des Jahresabschlusses 2021 des Unternehmens. Damit stellten die Wirtschaftsprüfer, die daraufhin ihr Prüfungsmandat niederlegten, erhebliche Mängel im Bericht fest. Dadurch lässt sich die tatsächliche wirtschaftliche Lage des Unternehmens kaum einschätzen, was als großes Alarmsignal für die Kapitalmärkte gilt.

Seit dem Weggang von KPMG hat die Adler-Gruppe auch ungewöhnlich keinen neuen Wirtschaftsprüfer finden können. Alle aktuellen Daten des Unternehmens sind daher bis auf Weiteres ungeprüft.

Die Verschuldung des Konzerns lag nach derzeit vorliegenden Informationen im Juni bei rund 7,2 Milliarden Euro. Es besteht kein Zweifel, dass das Unternehmen erhebliche Zahlungsprobleme hat. Nach Recherchen von NDR und rbb Tausende Rechnungen blieben bis Ende Juni offen.

Was wird Adler vorgeworfen?

Anfang Oktober 2021 wurden erstmals schwere Vorwürfe gegen die Adler-Gruppe erhoben. Urheber war der britische Leerverkäufer Fraser Perring, der mit den fallenden Kursen der von ihm angegriffenen Unternehmen Geld verdiente. Sein Recherchedienst Viceroy warf Adler Betrug, Manipulation und Täuschung seiner Geldgeber vor. An den Finanzmärkten hatte sich Perring unter anderem einen Namen gemacht, als er 2016 Unregelmäßigkeiten beim damaligen DAX-Konzern Wirecard anprangerte – und trotz heftigen Widerstands aus Deutschland am Ende recht erhielt.

Als Nutznießer der Machenschaften bezeichnete Perring eine Gruppe von Aktionären und Managern bei Adler und deren Umfeld. Diese gehörten zu einem Netzwerk um den österreichischen Unternehmer Cevdet Caner, der den Immobilienkonzern angeblich aus dem Hintergrund steuert. Auch eine ARDDokumentation schlägt ein solches Netzwerk vor.

Adler wies die Vorwürfe „aufs Schärfste“ zurück und sprach von Unterstellungen. Um sie zu entkräften, beauftragte das Unternehmen seinen damaligen Wirtschaftsprüfer KPMG mit einer Sonderprüfung. Der Mitte April veröffentlichte Bericht wies auf Mängel in den Bilanzen hin, lieferte aber keine Hinweise auf systematischen Betrug. Allerdings wurde den Wirtschaftsprüfern nach eigenen Angaben der Zugriff auf tausende Akten des Unternehmens verweigert.

Anfang August teilte auch die Finanzaufsichtsbehörde BaFin mit, dass die Jahresbilanz 2019 von Adler Real Estate fehlerhaft sei. Der Wert des Düsseldorfer Grand Central-Projekts wurde auf 375 Millionen Euro geschätzt, etwa doppelt so hoch wie der Marktwert. Daraufhin geriet die Adler-Gruppe in einen offenen Konflikt mit den Behörden. Das Unternehmen hält an der Ordnungsmäßigkeit des geprüften Konzernabschlusses 2019 fest und hat Berufung gegen die BaFin-Entscheidung angekündigt.

Nach Informationen des „Handelsblatts“ vom Juni ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Frankfurt gegen das Unternehmen – die Staatsanwaltschaft verweigert bisher jede Stellungnahme.

Kurz nach der Ankündigung der BaFin zerschlugen sich die Hoffnungen, der angeschlagene Konzern könne durch eine Übernahme gerettet werden. „Die Märkte haben sich verändert und deshalb ist die ursprüngliche Idee, die Adler-Gruppe zu übernehmen, für uns definitiv vom Tisch“, erklärte Vonovia-CEO Rolf Buch am 3. August. Der Wohnungskonzern aus dem DAX hatte sich im Februar durch die Verwertung einer Krediteinlage einen Anteil von 20,5 Prozent am Konkurrenten gesichert. Auch die damalige Entscheidung könne kritisch hinterfragt werden, sagte Buch.

Fast zeitgleich kündigte der Konkurrent LEG an, eine Kaufoption für 63 Prozent der Anteile an der Tochtergesellschaft Brack Capital Properties (BCP) nicht auszuüben. Die Transaktion hätte der Adler-Gruppe mehr als 700 Millionen Euro eingebracht.

Eine Rettung aus eigener Kraft ist in den letzten Monaten deutlich schwieriger geworden. Angesichts der erheblichen Zweifel an der Bilanzierung ist die Gesellschaft weitgehend daran gehindert, sich über die Kredit- und Kapitalmärkte zu refinanzieren. Bis Ende 2023 werden jedoch Anleihen mit einem Volumen von 700 Millionen Euro fällig.

Der einzige Ausweg aus der Krise scheint derzeit der Verkauf des Bestands von 70.000 Wohnungen zu sein. Nach Angaben vom Juni hat das Unternehmen genau das in den vergangenen Monaten getan und verfügte zuletzt noch über rund 27.000 Wohnungen. Auf der Hauptversammlung am 31. August will die Tochtergesellschaft Adler Real Estate die Zustimmung zum Verkauf von mehr als 22.000 Wohnungen erhalten, was fast ihrem gesamten Bestand entspricht.

Im Fokus des Kapitalmarktes steht zunächst die ordentliche Hauptversammlung der Aareal Real Estate am 31. August in Berlin. Dort will die Aktionärsvereinigung SdK (Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger) eine Sonderprüfung zur Klärung der dringendsten offenen Fragen beantragen.

Die Sonderprüfung soll „die Einflussnahme von Cevdet Caner und ihm nahestehenden Personen und Unternehmen und deren Folgen für Adler im Geschäftsjahr 2021 vollständig aufklären“. Hinzu kommen die Ereignisse rund um das Düsseldorfer Großprojekt, ein Darlehen in Höhe von 265 Millionen Euro an die Muttergesellschaft und der Verkauf von Anteilen an der Accentro Real Estate AG an die luxemburgische Brookline Real Estate, für die Adler nicht den vollen Preis erhalten hat geklärt.

Da die Muttergesellschaft, die Adler-Gruppe, 96,7 Prozent an Adler Real Estate hält, dürfte der SdK-Antrag auf der Hauptversammlung abgelehnt werden. Da das Aktiengesetz aber auch eine gerichtliche Sonderprüfung zulässt, räumen Beobachter den Aktionärsschützern gute Chancen auf rechtlichen Erfolg ein.



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Abgel T
Abgel T
Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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