Freitag, August 12, 2022
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"Geräuschlos über dem Wasser" Efoils werden in Deutschland zum Trend

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Eine neue Modewelle fegt über den Wassersport: Efoils. Auch in Deutschland sind die schnittigen Geräte gefragt. Mit Hilfe kleiner Elektromotoren gleiten Benutzer sanft über das Wasser. In Sachsen wird dies jedoch als Gefahr gesehen.

Von weitem sieht es ein bisschen so aus, als würde Vivian Hemmann vom Ufer aus über das Wasser fliegen. Ihr Efoil hebt sich langsam einige Zentimeter aus dem Störmthaler See bei Leipzig – und nach rund einer Stunde Übung steht die 34-Jährige fast aufrecht auf ihrem Brett. Im knietiefen Wasser in Ufernähe schauen viele Badegäste fasziniert zu.

„Wenn man den Dreh raus hat, lässt die Kraft etwas nach“, sagt Hemmann nach ihrem ersten Versuch. Neben ihr liegt ein etwa 1,60 Meter langes Brett mit einer großen Finne an der Unterseite – dem sogenannten Efoil. Es wird von einem Elektromotor und Batterien angetrieben. Zusammen mit dem Hydrofoil unter dem Board sorgen sie dafür, dass es mit einer bestimmten Geschwindigkeit bis zu 80 Zentimeter über das Wasser steigt. Aus Sicht der Wassersportler ein aufkeimender Trend.

„Sie sind ein Game Changer. Ich denke, das Thema wird groß“, sagt E-Foil-Anbieter Stefan Pohl von „Hydrofil.de“ in Berlin. Sein Team betreibt Stationen am Wannsee in Berlin, am Müggelsee und auf Rügen. Dort kann man in Kursen das Efoil fahren lernen oder sogar ein Board kaufen.

„Wir haben letztes Jahr über 700 Schulungen gegeben, das können wir dieses Jahr locker verdoppeln“, sagt Pohl. Acht von zehn Schülern konnten bereits nach etwa einer Stunde auf dem Wasser fliegen. Mit einer Fernbedienung können sie die Geschwindigkeit bis maximal rund 50 Kilometer pro Stunde steuern. Laut Pohl sind die Efoils im Vergleich zu anderen Wassersportarten wie Jetskis leise, Sportler müssen nicht auf den richtigen Wind oder gute Wellen warten.

Sven Hamelmann aus Würzburg sieht das ähnlich. Er ist Inhaber der Firma „Efoil Riders“ und entdeckte das elektrisch betriebene Board während eines Urlaubs in Neuseeland. In Deutschland betreibt er Stationen in Würzburg, München, am Starnberger See, Berlin, Frankfurt und Bremerhaven. Neben Kursen bietet er wie Stefan Pohl die Geräte auch zum Kauf an. „Mich hat es so fasziniert, man schwebt lautlos über dem Wasser. Es macht total süchtig“, sagt Hamelmann.

Der Trick, um das Board vom Boden abzuheben: Körpergewicht verlagern. „Man konzentriert sich nur auf den Körper. Es ist eine Randbewegung, ob ich in die Luft gehe oder nicht“, erklärt der Würzburger. Außerdem fließt kein Treibstoff in den See, was das Efoil nachhaltiger macht. Auch in Nordrhein-Westfalen meldet der Anbieter Frank Köhler von „efun Europe“ eine steigende Nachfrage. Er habe Kunden in Krefeld, Köln oder Düsseldorf, die am Kauf einer Folie interessiert seien, sagt Köhler. Trotzdem gibt es immer noch viele Leute, die sagen: „Das habe ich noch nie gesehen.“

Das insgesamt wachsende Bewusstsein stößt jedoch nicht nur auf Faszination. In Sachsen sind Foils – also die Finnen an der Unterseite eines Boards – auf den Seen generell verboten. Dazu gehört das Efoil. Bei den horizontal geführten Flügeln bestehe unter Wasser Gefahren, „da sie für andere Nutzer in der Nähe nicht sichtbar sind und daher gefährlich werden können. Auch die erreichbaren Geschwindigkeiten sind höher“, sagt ein Sprecher des Ministeriums Transport.

Bisher gibt es in Deutschland keine einheitlichen Regelungen. In Bayern beispielsweise sind nach Angaben eines Ministeriumssprechers elektrisch betriebene Wasserfahrzeuge nicht zulassungs-, sondern zulassungspflichtig.

Efoils sind auf Binnenwasserstraßen – zum Beispiel großen Flüssen wie Rhein und Donau – erlaubt, wie eine Sprecherin der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes erklärt. Die sächsische Behörde hat eine Studie in Auftrag gegeben, um das Gefahrenpotential der Flügel genauer zu untersuchen. Mit einer Sondergenehmigung dürfen Surfer in Sachsen Foils benutzen, erklärt der Sprecher.

Rüdiger Pusch, der in der zweiten Staffel Efoil-Kurse am Störmthaler See leitet, hat sich einen davon zugelegt. Auch hier ist die Nachfrage durchaus vorhanden. Aber: „Das wird kein Massenprodukt“, denkt Pusch. Vor allem beim Kauf eines Efoils müssten Leute mit rund 15.000 Euro viel Geld ausgeben. Kurse kosten je nach Anbieter rund 200 Euro.

Die Kursleiterin sieht das Verbot der sächsischen Behörden kritisch: „Man muss aufpassen. Aber man kann ein paar Regeln aufstellen.“ Der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Wassersportschulen, Thomas Weinhardt, hält die Argumente des Landes für fadenscheinig. Foilsport ist nicht ungefährlich.

Aber auch andere Wassersportarten ohne Foils sind erlaubt, die deutlich schneller und nicht weniger gefährlich sind. Ein Kompromiss könnte darin bestehen, feste Gebiete oder Zeiträume für Sportler auf den Seen abzustecken. Vivian Hemmann ist jedenfalls vom Efoil überzeugt und ist sich sicher: „Jetzt muss man es ein zweites Mal versuchen.“

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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