Montag, September 26, 2022
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Gesundheitsminister in Israel Lauterbach will mit E-Patientenakten forschen

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Beim Besuch von Karl Lauterbach in Israel wird deutlich, dass der Bundesgesundheitsminister offensichtlich erfahren will, wie er das deutsche Gesundheitswesen digitaler gestalten kann. Lauterbach hat dafür in der Ampelkoalition viel Rückhalt.

Wenn Karl Lauterbach über Israel spricht, gerät er ins Schwärmen. Das Land lieferte die entscheidenden Daten für die Corona-Impfung, und kein Land habe „auch nur im Entferntesten“ einen so großen Einfluss auf die Pandemie gehabt wie Israel. Der Gesundheitsminister, der zuletzt in Deutschland wegen zu chaotischer Amtsführung kritisiert wurde, scheint bei seinem Besuch in Israel in seinem Element. Dabei wird er auch ein bisschen Digital- oder Forschungsminister: „Die Digitalisierung wird in den nächsten drei Jahren ein Schwerpunkt meiner Arbeit sein“, kündigt er an.

Konkret will Lauterbach Know-how aus Israel mitnehmen. Die elektronische Patientenakte etwa soll in Deutschland endlich effizient werden: „Israel ist erfolgreicher als jedes andere Land der Welt darin, Studien mit den Daten durchzuführen, die in der Routinemedizin gewonnen werden. Das verbessert die Versorgung“, erklärt der Minister in ein interview mit ntv. Damit erhalte man wichtige Hinweise zur Wirksamkeit von Arzneimitteln in der Praxis: „Das ist faszinierend, und das wollen wir mit der elektronischen Patientenakte auch in Deutschland einführen.“ Die Patientenakte solle „sehr transparent“ sein.

Auf die Frage, ob er glaube, dass die Deutschen diesen Ansatz unterstützen würden, wenn es um digitale, teilweise sensible Gesundheitsdaten gehe, sagt Lauterbach: „Ja, ich denke schon. Wenn sie den unmittelbaren Nutzen spüren, dann sind die Menschen bereit, diese Daten für die Forschung zu nutzen.“ verfügbar. Das ist der Weg, den wir hier gehen wollen.“

Lauterbach unterzeichnete am Sonntag eine Absichtserklärung mit seinem israelischen Amtskollegen Nitzan Horowitz. Im Gesundheitswesen wollen die beiden Länder künftig noch enger zusammenarbeiten. Dazu gehört auch die Bekämpfung der Pandemie. Neben der Kranzniederlegung an der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem besuchte Lauterbach auch das Hadassah Medical Center in Jerusalem, ein führendes Krankenhaus in Israel.

Mittlerweile ist auch im Ausland angekommen, dass Deutschland in Sachen Digitalisierung und Bürokratie ein ziemlich verstaubtes Land ist. Beim Rundgang durch das Krankenhaus, Teil der deutschen Delegation, trifft Lauterbach gerade an einem anderen Ort auf dem Flur auf eine deutsche Krankenschwester, die etwas schüchtern reagiert. Der Chefarzt, der neben ihm steht, sagt halb scherzhaft in Richtung der Gruppe: „Sie muss Angst vor der deutschen Bürokratie haben.“

Bürokratie: Das könnte für Lauterbach in den nächsten Jahren die größte Hürde bei seinen Projekten werden. Allerdings betonte der Minister während der Reise mehrfach, dass er in Sachen Digitalisierung die größte Unterstützung in der Ampel habe; auch von Seiten der FDP und der Grünen.

Bei der WHO-Regionalkonferenz am Montag trifft Lauterbach auf viele Kollegen aus dem Gesundheitswesen. In seiner Rede warnte der Minister: „Nur wenn wir wesentliche Veränderungen zulassen, können wir künftige Pandemien eindämmen oder verhindern.“

In einem Interview für das „RTL Nachtjournal“ äußerte sich Lauterbach auch zur Corona-Situation in Deutschland und verteidigte die strengen Regeln im neuen Infektionsschutzgesetz: „Im Moment werden die Regeln angegriffen, weil sie als zu streng empfunden werden. Aber die sind genau die Regeln, die wir brauchen, um das rechtzeitig in den Griff zu bekommen.“ Lauterbach fügt hinzu: „Ich glaube, dass bei einer Zunahme der Fälle auch andere europäische Länder noch strengere Regeln verabschieden werden.“

Lauterbach fliegt am Dienstagabend zurück nach Deutschland. Dort könne der Herbst schwierig werden, wenn hohe Energiepreise und „massive Belastungen“ durch Corona zusammenkämen. Dennoch ist der Minister optimistisch: „Ich glaube, dass wir an dieser Herausforderung wachsen und am Ende sagen werden: Das waren schwierige Zeiten, aber wir haben es geschafft.“

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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