Freitag, Juni 24, 2022
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Grimme Online Awards: Podcasts vergeben "Web-Oscars" ab

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Der „Grimme Online Award“ ist eine der wichtigsten Auszeichnungen in der deutschsprachigen Online-Welt. Prämiert werden herausragende Angebote – auch von Privatpersonen. Die Auszeichnung wurde am Donnerstagabend im Rahmen einer feierlichen Gala in der Kölner Flora verliehen. WDR-Digitalexperte Jörg Schieb war dabei – und stellt die Gewinner vor.

Der Grimme Online Award zeichnet die besten deutschsprachigen Online-Angebote aus: Websites, YouTube-Inhalte, Online-Berichte, Forschungsprojekte. Insgesamt acht Angebote erhielten den in der Branche äußerst begehrten Preis, der von vielen Insidern als „Oscar des deutschsprachigen Webs“ bezeichnet wird, in der Flora in Köln. Zum ersten Mal seit drei Jahren wieder dabei.

Das Nominierungskomitee musste aus Hunderten von Einsendungen die besten Angebote auswählen – die Jury hatte die Qual der Wahl, die preiswürdigsten auszuwählen. Angebote, die sich mit den unterschiedlichsten Themen beschäftigen – teilweise auf unterschiedlichen Plattformen.

Viele der prämierten Angebote erzählen Geschichten in Videos, auf Websites, in Podcasts und in den sozialen Medien zugleich: Die Macher nutzen alle Mittel des Spiels – und auch die Stärke der jeweiligen Medien. Eine Stärke der Podcasts ist zum Beispiel, dass sich die Leute hier Zeit nehmen – und ausführlich erzählt werden können. Das funktioniert besonders gut bei den hervorragenden Angeboten.

Ein Podcast-Klassiker und in der Kategorie „Information“ ausgezeichnet ist „Slahi: 14 Years Guantánamo“. In diesem zwölfteiligen NDR-Podcast erzählen die Autoren die außergewöhnliche Lebensgeschichte im Kontext des islamistischen Terrors. Wie sieht er sein Handeln? Was haben Gefangenschaft und Folter mit ihm gemacht? Neben Slahi kommen auch ehemalige Weggefährten zu Wort – und es kommt zu einem Gespräch zwischen Mohamedou Slahi und seinem Folterknecht. Das schafft Nähe und gibt einem wichtigen Thema den nötigen Raum.

In der Kategorie „Information“ wurde auch die interaktive Dokumentation „Umwelt in Ostdeutschland“ des MDR ausgezeichnet. Jahrzehntelang brachte die Planwirtschaft der DDR mit ihren Umweltsünden die Natur an den Rand ihrer Belastbarkeit. In der interaktiven Dokumentation scrollen Nutzer aus der Luft durch die Biosphäre bis zum Boden – und erfahren so viel über das Wesen der Natur und die Schäden, die Umweltsünden anrichten können und die bis heute nachwirken.

Eine besondere Stärke mancher exzellenter Online-Angebote liegt darin, wie intensiv sie sich mit Themen auseinandersetzen, die im Alltag und in den aktuellen Medien kaum oder gar keine Rolle spielen. Ein Beispiel dafür ist Kandvala: Die beiden jungen Fotojournalisten Sitara Thalia Ambrosio und Iván Furlan Cano, 19 und 20 Jahre alt, haben in Eigenregie eine hautnahe, interaktive Dokumentation zusammengestellt.

In der Bauruine „Kandvala“ – daher der Name des Projekts – sprachen die Macher intensiv mit Menschen, die vor der bosnischen Grenze flüchteten. Einfühlsam haben die beiden die jungen Menschen porträtiert, ihre Ängste, Sehnsüchte und Hoffnungen in Fotos, Videos, Audios und Texten festgehalten. Ein Angebot, das zum Nachdenken anregt.

Manche der prämierten Angebote versuchen auch Geschichte begreifbar zu machen. Dies gilt insbesondere für das Angebot „Nuclear Games“, das in der Kategorie „Wissen & Bildung“ ausgezeichnet wurde – die derzeit durch den Ukraine-Konflikt und die Energiekrise wieder an Bedeutung gewinnt. In einer Mischung aus interaktiver Animation und Dokumentation erzählen die Macher von der Bedrohung der Menschheit durch acht Jahrzehnte Nukleartechnik.

Der Uranabbau in der Sahara ist ebenso wichtig wie die Vertreibungen aufgrund der Atomtests im Bikini-Atoll oder „Raketenmann“ Kim Jong-Un. Die aufwendig gestalteten Graphic Novels, durch die Nutzer blättern können, werden durch Wissensbibliotheken mit Videos und Texten ergänzt.

Der YouTube-Kanal von 3Sat-Moderator Gert Scobel, der sich dort selbst als „Youtube-Philosoph“ bezeichnet, wurde mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Jeden Donnerstag gibt es auf Scobels Kanal ein neues Video zu den „großen Themen des Lebens“: Alltägliches, Neues und Erstaunliches aus Wissenschaft, Philosophie, Gesellschaft, Ethik oder Kultur. Mit einem interdisziplinären und philosophischen Blick auf das Wesentliche. Scobel-Style: Eine Stunde lang – mit lustigen und verständlichen grafischen Elementen. So weckt Scobel gekonnt das Interesse an anspruchsvollen Inhalten.

Jörg Schieb, Jahrgang 1964, ist WDR-Digitalexperte und Autor von 130 Fachbüchern und Ratgebern. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Digitalisierung und deren Auswirkungen auf unseren Alltag.

Diese: wdr.de



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