Donnerstag, Juni 23, 2022
StartNACHRICHTENGutachten widerspricht Habeck TÜV: Weiterbetrieb von Isar 2 problemlos möglich

Gutachten widerspricht Habeck TÜV: Weiterbetrieb von Isar 2 problemlos möglich

- Anzeige -


SPD und Grüne lehnen eine Laufzeitverlängerung der letzten Atomkraftwerke ab. Der TÜV Süd kam in einem Gutachten für das Land Bayern zu dem Schluss, dass der Weiterbetrieb des Reaktors Isar 2 bis Mitte 2023 ohne neue Brennelemente möglich sei. Wenn Sie schnell neue Brennelemente bestellen, auch darüber hinaus.

Laut Experten des Prüfunternehmens TÜV Süd wäre ein Weiterbetrieb des Kernkraftwerks Isar 2 über den Dezember dieses Jahres hinaus technisch ohne weiteres machbar. Das geht aus einem Gutachten des TÜV Süd für die bayerische Staatsregierung hervor, das The Aktuelle News in Auszügen vorliegt.

Als der TÜV Süd als Sachverständiger tätig wurde, habe es „keine Anhaltspunkte dafür gegeben, dass die notwendigen Vorsorgemaßnahmen in Frage gestellt werden könnten“, heißt es. Seit der letzten Sicherheitsüberprüfung seien „keine neuen Erkenntnisse bekannt geworden, die Anlass zur Sorge geben würden, dass die Durchführung einer erneuten Sicherheitsüberprüfung zu sicherheitsrelevanten Defiziten führen würde“.

In Deutschland sind noch drei Kernkraftwerke am Netz, neben Isar 2 sind dies die Reaktoren Neckarwestheim 2 und Emsland. Alle drei Anlagen sollen bis Ende des Jahres abgeschaltet werden. Vor dem Hintergrund der stockenden Gaslieferungen aus Russland ist eine Debatte über eine Laufzeitverlängerung entbrannt. SPD und Grüne lehnen dies ab und argumentieren unter anderem damit, dass die noch bestehenden Atomkraftwerke dann umgehend einem Sicherheitscheck unterzogen werden müssten.

Im normalen Zehnjahresrhythmus wäre ein solcher Test 2019 fällig gewesen. Da die Reaktoren vom Netz genommen werden sollten, war gesetzlich vorgeschrieben, dass diese Tests nicht durchgeführt werden sollten. „Bei einer Fortführung des Betriebs nach dem 1. Januar 2023 wäre die letzte Sicherheitsprüfung 13 Jahre alt und eine neue zwingend erforderlich“, schreiben das Bundeswirtschaftsministerium und das Bundesumweltministerium in einer gemeinsamen Stellungnahme im März. „Bei längerem Weiterbetrieb dürften die Anforderungen des aktuellen atomrechtlichen Regelwerks nicht ausreichen“, heißt es weiter.

Erst am Mittwoch verwies ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums auf die Einschätzung von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, dass auch ein Weiterbetrieb der Kraftwerke über den 31.12.2022 hinaus aus Sicherheitsgründen nicht zu verantworten sei.

Diesem Argument folgen die Experten des TÜV Süd nicht. Für Isar 2 lasse sich aus der unterlassenen Überprüfung im Jahr 2019 nicht ableiten, dass „die erforderliche Schadensvorsorge nicht mehr gegeben ist“. Auch bei einem „vorsätzlichen Absturz eines großen Verkehrsflugzeugs“ auf der Isar 2 ist keine Freisetzung radioaktiver Stoffe zu erwarten. Abgesehen von „Routine-Instandsetzungsmaßnahmen“ sind keine Maßnahmen erforderlich, um den Weiterbetrieb zu gewährleisten.

Der TÜV Süd schätzt, dass ohne neue Brennelemente ein Weiterbetrieb von Isar 2 bis August 2023 möglich wäre – zunächst mit normalem Weiterbetrieb für 80 Tage, dann für weitere drei Monate durch „Verlegung“ der bestehenden Brennelemente. Insgesamt kann eine zusätzliche Strommenge von rund 5160 Gigawattstunden erzeugt werden.

Zudem schreiben die Gutachter, dass sie „aufgrund unserer Erfahrungen bei der Bewertung von Nachlieferungen von Brennelementen eine Lieferung frischer Brennelemente innerhalb von 12 Monaten für möglich halten“. Der TÜV Süd kommt zu dem Schluss, dass bei rechtzeitiger Auftragserteilung der Betrieb über den Herbst 2023 hinaus fortgesetzt werden könnte.

Der TÜV Süd betont, dass notwendige Maßnahmen für den Weiterbetrieb im „Begleitbetrieb“ umgesetzt werden könnten. Demgegenüber hatte das Wirtschafts- und Umweltministerium in seiner Stellungnahme erklärt, dass die drei noch in Betrieb befindlichen Kernkraftwerke für einen Zeitraum von bis zu 80 Tagen über den 31. Allerdings müssten die Atomkraftwerke im Sommer 2022 weniger Strom produzieren. „Insgesamt würde bis Ende März 2023 kein Strom mehr produziert.“

Bundeskanzler Olaf Scholz sagte dem „Münchner Merkur“ am Montag, die Brennstäbe würden bis Ende des Jahres reichen. Neue zu bekommen würde mindestens 12 bis 18 Monate dauern. Er sagte aber auch: „Ich bin voll und ganz für den Ausstieg aus der Kernenergie. Dennoch: Wenn es problemlos möglich wäre, die Laufzeit um ein oder zwei Jahre zu verlängern, würde sich jetzt kaum noch jemand dagegen wehren.“

Mit Blick auf die Lagerkapazitäten auf dem Gelände des Atomkraftwerks schreibt der TÜV Süd, dass „mindestens fünf weitere Betriebszyklen“ von Isar 2 möglich seien, „bis die Kapazität des Standort-Zwischenlagers erschöpft ist“. Der aktuelle Betriebszyklus von Isar 2 wird vom Betreiber Preussenelektra mit gut 14 Monaten angegeben.

ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare