Sonntag, Juni 26, 2022
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Habeck und Verbände starten bundesweite Energiesparkampagne

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Damit Deutschland das Gas nicht ausgeht, rufen Bundesregierung, Wirtschaft und Verbände zum Energiesparen auf. Minister Habeck versucht, den Eindruck eines erhobenen Zeigefingers zu vermeiden – ein kompliziertes Unterfangen.

Nicht umsonst ist Robert Habeck nur einer von vielen auf der Bühne. Nur nicht den Eindruck erwecken, dass der Wirtschaftsminister allein Sparen und Verzicht predigt. Die Grünen sind verbrannte Kinder. Der Vorschlag, einen „Veggie Day“ in Kantinen einzuführen, gilt als legendäres Negativbeispiel politischer Kommunikation. Im Bundestagswahlkampf 2013 kostete der Vorschlag zahlreiche Wähler.

Die Lösung dieses Dilemmas – einerseits den Energieverbrauch wegen des Ukraine-Krieges zu senken und andererseits die Bevölkerung nicht zu verärgern – scheint Habeck in drei Schritten zu liegen. Zunächst holt er Arbeitgeber, Gewerkschaften, Verbraucherzentralen und die Energiewirtschaft für seine Energiesparkampagne ins Boot.

Zweitens geht er mit gutem Beispiel voran. In Habecks Wirtschaftsministerium starten Klimaanlagen künftig nur noch bei 26 Grad, die Heizung bleibt bis einschließlich August aus, die Gebäude des Ministeriums werden nachts nicht mehr beleuchtet.

Drittens besteht Habecks Wahlkampf nicht aus Regulierungen oder Mittelkürzungen, sondern aus Appellen und Überzeugungsversuchen. Auf die Frage nach konkreten Energiespartipps lässt er lieber Verbandsvertreter, die mit ihm auf der Bühne stehen, antworten: immer langsamer fahren, im Winter weniger heizen – dieser Rat kommt nicht aus Habecks Mund.

In naher Zukunft soll die Energiesparkampagne dort zu sehen sein, wo viele Menschen sind: auf digitalen Bildschirmen in Städten, auf großen Websites, in sozialen Netzwerken. Eines der Plakate ermuntert zum Kauf eines wassersparenden Duschkopfs, ein anderes wirbt für Solarpanels auf Dächern. Habeck will einen bewussteren Umgang mit Energie erreichen. Er will unbedingt den Eindruck vermeiden, er und die anderen Autoren der Energiesparkampagne hätten „Weisheiten mit dem Löffel gegessen“ und kämen nun mit erhobenem Zeigefinger auf die Menschen zu.

Die ersten Plakate sind nur der Anfang der Kampagne; es sollte jahrelang laufen. Denn auch wenn Verbraucher auch im Sommer durch Verzicht auf Vollbäder und kürzeres Duschen (wenn Gas ihr Wasser erwärmt) zum sparsamen Gasverbrauch beitragen können: Das wirklich wichtige Gaseinsparpotenzial ist ab Herbst, wenn die Menschen umdrehen, richtig groß ausschalten die Heizungen wieder einschalten.

Bis dahin, am 1. November, sollen die deutschen Gasspeicher zu 90 Prozent gefüllt sein. Notfalls hofft Habeck, den Winter zu überstehen, wenn Russlands Präsident Wladimir Putin plötzlich den Gashahn zudreht. Die Speicher sind derzeit zu mehr als 52 Prozent gefüllt, was für Anfang Juni im Vergleich zu anderen Jahren ziemlich viel ist. In Zukunft wird der Füllstand steigen, aber dass das bis November so bleibt, kann natürlich niemand garantieren. Vor diesem Hintergrund wird kaum jemand bestreiten, dass Energiesparen wichtig ist.

Es gibt also keine Kritik am Ziel, sondern am Inhalt von Habecks Wahlkampf. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) spricht von einem „Tropfen auf dem heißen Stein“. Das sagte Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz ARD-Hauptstadtstudio: „Selbst im besten Fall spart man beim Konsumverhalten nur wenige Prozent.“

Es geht also weniger darum, die Bevölkerung zu einer Verhaltensänderung zu bewegen, als vielmehr um konkrete politische Entscheidungen. „Wir müssen schädliche Subventionen sofort beenden – Gasheizungen werden derzeit noch unter bestimmten Bedingungen subventioniert! Das ist Wahnsinn“, sagt Metz. „Stattdessen brauchen wir ein sofortiges Verbot von Gasheizungen in Neubauten und in Bestandsgebäuden ab 2024.“

Habeck, der heute keine neuen Gesetze oder Verordnungen vorgelegt hat, will ausdrücklich nicht, dass sein Wahlkampf als Ersatz für staatliches Handeln gesehen wird. Klimaschutzpolitik dürfe nicht privatisiert werden, sagt er – ein Satz, den man schon öfter von ihm gehört hat. Andererseits beantwortete der Minister die Frage, wer mit der Kampagne konkret gemeint sei – Verbraucher, kleinere Unternehmen oder größere? „Die Antwort kann nur lauten: Jeder. Und jeder an seinem Platz.“



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