Mittwoch, November 30, 2022
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Head-to-Head in Brasilien: Lula da Silva gewinnt knapp die erste Runde

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Amtsinhaber Bolsonaro holt bei der Präsidentschaftswahl in Brasilien deutlich mehr Stimmen als erwartet. Herausforderer Lula gilt weiterhin als Favorit in der Stichwahl.

Noch am Freitag prognostizierte das renommierte Meinungsforschungsinstitut „Datafolha“, dass die erste Runde der Präsidentschaftswahlen in Brasilien sicher sei. Der amtierende Rechtspopulist Jair Bolsonaro (Umfrage: 36%) muss sogar befürchten, dass der linke Herausforderer Lula da Silva (Umfrage: 50%) gewinnen könnte. „Datafolha“ war sich auch sicher, dass Lula bei einer Abstimmung jedes Szenario gewinnen würde.

Am Wahlabend kam alles ganz anders. Plötzlich ist die Euphorie im Lager des Präsidenten wieder da, denn Bolsonaro holte mit 43,3 Prozent weit mehr Stimmen als erwartet. Lula hingegen kam mit 48,3 Prozent nah an die Umfragewerte heran. Allerdings muss Ex-Präsident Lula da Silva (2003 – 2011) um den erwarteten Sieg bangen, es wird kein narrensicherer Erfolg.

Denn jetzt ist es richtig spannend, sich die Prozentzahlen hinter den beiden Platzhirschen Bolsonaro und Lula da Silva anzuschauen. Hier erhielt Simone Tebet, die eher zur Mitte-Rechts gehört, rund 4,1 Prozent der Stimmen. Wie Soraya Thronicke und Felipe Avila ist seine Wählerschaft eher mit Bolsonaro verwandt, weil er wirtschaftsliberal ist.

Ein Sonderfall ist der gemäßigt linke Kandidat Ciro Gomes. Er reagierte mit extremer Wut auf den Wahlkampf im Lula-Lager, der die Wähler von Gomes aufforderte, ihre Stimme im ersten Wahlgang nicht offenzulegen. Tatsächlich erhielt Gomes mit 3,05 % deutlich weniger Stimmen als erwartet.

Insgesamt hat der Kandidatenstab hinter Bolsonaro ein Potenzial von rund 8 %, das nun über die Stichwahl am 30. Oktober entscheiden wird. Und im Kampf um diese acht Prozent liegt Bolsonaro offenbar leicht vorne. „Die Türen stehen offen“ für Tebet und Gomes, sagte Bolsonaro am Abend. Wechseln beide Wahllager zu Bolsonaro, wären es knapp über 50 Prozent.

Allerdings muss Bolsonaro ein Defizit von etwa fünf Prozent ausgleichen und Lula nur knapp zwei Prozent verdienen. Allerdings: Kaum jemand hätte am Wochenende ein solches Szenario für möglich gehalten, wenn Bolsonaro bereits abgesagt worden wäre. Lula war dennoch siegessicher: „Es ist nur Verlängerung. Wir werden bis zum Schluss um den Sieg kämpfen.“

Eine zweite Entwicklung muss Lulas Lager beunruhigen. Zahlreiche Mitstreiterinnen wie die frühere Landwirtschaftsministerin Teresa Cristina oder Familienministerin Damares Alaves zogen in der ersten Runde in den Senat ein. Seine klaren Siege, wie auch die Erfolge anderer Gouverneure in der Nähe von Bolsonaro, sind für Lula eine Warnung, dass das Rennen noch lange nicht zu Ende ist.

Die Wahl ist auch ein wichtiger Schritt für Deutschland und Europa. Im Falle eines Wahlsiegs versprach Lula da Silva, dass das derzeit ausgesetzte Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem Mercosur innerhalb von sechs Monaten unterzeichnet werden könne.

Brasilien ist der wichtigste und größte Handelspartner im südamerikanischen Staatenbund Mercosur. Brüssel hatte den Ratifizierungsprozess wegen Bolsonaros umstrittener Abholzungspolitik im Amazonas gestoppt. Lula da Silva hingegen verspricht eine Null-Abholzungs-Strategie.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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