Montag, September 26, 2022
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Hitze, Trockenheit, viel Sonne Deshalb war dieser Sommer wieder extrem

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Deutschland erlebt wieder einmal einen Sommer der traurigen Superlative. In Hamburg wird die 40-Grad-Marke geknackt. Noch nie gab es im Süden so heiße Tage. Regen wird zur Seltenheit. Ein Grund: Der Klimawandel nimmt dem Wetter den Schwung. Einzelne Wetterlagen stabilisieren sich – mit dramatischen Folgen.

Krasser Hitzewall – 40 Grad bis nach Hamburg

Das wohl prägendste Hitzeereignis des Sommers bescherte uns der 19. und 20. Juli: Nachdem und während in Westeuropa bis Südengland dutzende Hitzerekorde gebrochen wurden, donnerte auch im Norden Deutschlands eine Hitzeglocke aus der Sahara. 40,1 Grad in Hamburg-Neuwiedenthal – so heiß war es noch nie mit den Nordlichtern und das zeigt leider auch, welche Sprünge die 40-Grad-Marke inzwischen in Deutschland und Europa gemacht hat.

Denn in den Sommern der Vergangenheit war die 30-Grad-Grenze ein eher seltenes Phänomen. Und die 40 Grad wurden in Deutschland erstmals in den 1980er Jahren erreicht. Seitdem leider immer öfter und weiter nach Norden.

Inkubator Süddeutschland

Ansonsten verlief der Sommer 2022 in Sachen Hitze im Norden der Nation eher gemächlich, was sich in einer positiven Temperaturabweichung von rund 1,5 Grad im Vergleich zu den vergangenen 30 Jahren widerspiegelt. Die Menschen in Süddeutschland erlebten dagegen eine ganz andere Geschichte. Den ein bis sechs Hitzetagen – also 30 Grad und mehr – an Deutschlands Küsten stehen knapp 50 Hitzetage im Süden gegenüber.

Hitze in Deutschland – das Mittelmeer rückt näher

Im Vergleich zum Ausnahmesommer 2003 mit knapp 60 im Südwesten sind 50 Hitzetage 10 Tage weniger, aber mit einer Temperaturabweichung von 3 bis 4 Grad Celsius gegenüber dem Mittel der vergangenen 30 Jahre katapultieren sie den Süden aus Deutschland leicht auf die Mittelmeerebene.

Wetterextreme im Sommer werden problematischer

Das Dürrejahr 2018 hat uns zum ersten Mal gezeigt, was passiert, wenn es nicht regnet. In der Regel sind wir damit aufgewachsen, dass Wasser in Deutschland allgegenwärtig ist – es ist immer und überall fast frei verfügbar. Nach einem Sommerextrem anderer Art mit den Hochwasserkatastrophen im vergangenen Jahr in Westdeutschland steht das Dürreproblem wieder auf der Tagesordnung.

Teilweise knapp 30 Liter pro Quadratmeter

Trockenster Ort der vergangenen drei Monate war Bad Kissingen in Bayern mit bisher 28,5 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Auch in Bayern sind die feuchtesten Orte mit über 530 Litern pro Quadratmeter in Aschau-Stein, Chiemsee-Herrenchiemsee und Balderschwang. Lustigerweise sind Aschau-Stein und Balderschwang noch viel zu trocken. Statistisch fielen rund 70 Prozent des üblichen Sommerregens. In Bad Kissingen bedeuten die knapp 30 Liter übrigens nur 15 Prozent des Regenziels.

So viel Wasser fehlt am Ende des Sommers

Deutschlandweit fielen im Juni, Juli und August durchschnittlich gut 140 Liter pro Quadratmeter. Das sind nicht einmal 60 Prozent des normalen Niederschlags in dieser Zeit. Damit fehlen mehr als 100 Liter pro Quadratmeter. Bei entsprechenden Wetterbedingungen mit viel Regen im Frühjahr eigentlich kein großes Problem. Allerdings haben wir seit 2018 in vielen Regionen das Problem, dass sich der Boden vor allem in der Tiefe nicht richtig regenerieren konnte. Denn bereits März und Mai waren viel zu trocken.

Der einzige nasse Monat in diesem Jahr war bisher der Februar. Januar und April waren eher durchschnittlich. Aber das gleicht das Sommerdefizit bei weitem nicht aus. Zumal die Sonne in Rekordhöhe schien und der Boden schneller austrocknete.

Sonnigster Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen

Für eine korrekte Bewertung des Sommers fehlt natürlich noch die Solarleistung der restlichen Stunden im August. Trotzdem scheint die Sonne seit über 800 Betriebsstunden im Juni, Juli und August, ohne von Wolken verdeckt zu werden. Zum Vergleich: Der langjährige Durchschnitt der drei Monate liegt bei rund 630 Sonnenstunden. Am Ende sollen es im Schnitt fast 200 Sonnenstunden mehr sein.

Sonnigste und schattigste Plätze

Die sonnigsten Regionen finden sich im Südwesten unseres Landes. Wenn Sie beispielsweise den Sommer 2022 in Lahr oder in Rheinau-Memprechtshofen (beide Baden-Württemberg) oder in Saarbrücken verbracht haben, dann haben Sie mehr als 960 Stunden ungetrübten Sonnenscheins erlebt. Aber auch in den schattigeren Regionen wie List auf Sylt gab es am Ende rund 670 Sonnenstunden.

Trend zu stationären Wetterlagen als Auslöser

In den vergangenen zwei Jahrzehnten gab es einige Sommer der sonnigen Superlative: 2003, 2018 oder 2019. Mit entsprechenden Dürrefolgen. Gleichzeitig mussten wir aber auch sehr nasse bis katastrophale Szenarien erleben. Denn: Es gibt einen Trend zu stabileren Wetterlagen. Durch die stärkere Erwärmung der Polarregionen fehlt unserem Wetter oft die Dynamik und Wettersysteme verharren viel länger – mit den entsprechenden Folgen. Gleichzeitig können heiße Luftblasen aus südlichen Breiten länger und weiter nach Norden getragen werden.

Fazit: Sommer wieder außergewöhnlich

In Sachen Sonne hat der Sommer 2022 neue Maßstäbe gesetzt. Selbst die sonnigsten Sommer sind an den 800 Sonnenstunden gescheitert. Bei den Temperaturen dürfte der Sommer ebenfalls in den Top 3 landen. Aktuell liegen wir bei einer Durchschnittstemperatur von knapp 19,3 Grad. An erster Stelle steht der Sommer 2003 mit 19,65 Grad. Beim Regen liegt der zu Ende gehende Sommer auf Platz fünf. Hier ist noch entscheidend, wie sich die Gewitter auf den letzten Metern im August entwickeln.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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