Mittwoch, Februar 1, 2023
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Hoffnung fürs Übergewicht Wird die Fett-Weg-Spritze zum Game Changer?

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Werden Sie die lästigen Pfunde los, ohne Sport zu treiben oder Ihre Ernährung umzustellen. Prominente werben in den sozialen Medien für Injektionen zur Gewichtsabnahme. Das Medikament dahinter ist in Deutschland noch nicht zugelassen, könnte aber die Behandlung von Übergewicht verändern.

Bei manchen Menschen, die stark übergewichtig oder sogar adipös sind, ist die Mühe vergebens: Auch wenn sie ihre Ernährung umstellen und sich bewegen, wollen die Pfunde nicht so richtig purzeln. Das bedeutet Frust, besonders wenn das Gewicht auch mit anderen Gesundheitsproblemen wie Diabetes in Verbindung gebracht wird. Für solche Menschen sind neuartige Adipositas-Medikamente gedacht, die zusätzlich zu Lebensstiländerungen unter die Haut gespritzt werden. Die Europäische Arzneimittelagentur EMA schreibt über die Wirkung eines bestimmten Präparats: Der Appetit wird reguliert, das Sättigungsgefühl gesteigert, der Hunger reduziert.

In letzter Zeit haben verschreibungspflichtige Medikamente in den sozialen Medien für Aufsehen gesorgt. Auch weil einige Promis abgenommen haben sollen. Auf die Frage nach dem Geheimnis seines Auftritts auf Twitter erwähnte Tech-Milliardär Elon Musk das Fasten und den Namen eines solchen Medikaments. Auch weil gesunde Menschen in den USA offenbar vermehrt zu Injektionsstiften greifen, um ein wenig Gewicht zu verlieren, taucht das Thema in letzter Zeit häufiger in den deutschen Medien auf. „Meine Patienten fragen zunehmend danach“, sagt der Hamburger Endokrinologe Stephan Petersenn, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE).

Der derzeit diskutierte Wirkstoff heißt Semaglutid. In Europa ist es seit 2018 als Diabetes-Medikament („Ozempic“) zugelassen – es geht um die Senkung des Blutzuckerspiegels. Neu, ab Anfang 2022, ist eine Zulassung in der EU speziell für den Anwendungsbereich Gewichtsabnahme und -kontrolle („Wegovy“): Sie ist für Menschen mit einem Body-Mass-Index (BMI) ab 30, also Adipositas, vorgesehen . Und für Übergewichtige (BMI ab 27) mit mindestens einer gewichtsbedingten Komorbidität.

In Deutschland, wo etwa jeder vierte Erwachsene als fettleibig gilt, ist „Wegovy“ noch nicht erhältlich. Auf Anfrage nannte der Hersteller Novo Nordisk Pharma weder ein Datum noch einen geplanten Preis. Er versichert aber, dass er „mit Hochdruck“ daran arbeiten werde, das Präparat auch hierzulande bestimmten Patientengruppen zugänglich zu machen.

Angesichts bisheriger Daten erwarten Experten einen Nutzen für bestimmte Betroffene. In einer Studie verloren Patienten, die zusätzlich zu Änderungen des Lebensstils eine Dosis Semaglutid pro Woche erhielten, nach 68 Wochen durchschnittlich fast 15 Prozent an Gewicht. Laut New England Journal of Medicine verlor eine Vergleichsgruppe, die ein Scheinmedikament erhielt, im gleichen Zeitraum nur gut zwei Prozent. Um 1960 wurden Menschen mit Adipositas oder Übergewicht mit mindestens einer gewichtsbedingten Komorbidität in zwei Gruppen eingeteilt.

Semaglutid ist nicht das einzige Medikament zur Gewichtsabnahme, aber andere erfordern laut der Studie eine bis drei Dosen pro Tag. Semaglutid hat laut DGE die höchste Wirksamkeit unter den derzeit zugelassenen Wirkstoffen der Substanzklasse in Bezug auf die Gewichtsreduktion. So gut das klingt, in der Praxis sehen Experten noch Hindernisse und Gefahren. Die DGE warnte vor Risiken und Nebenwirkungen sowie einer „unkontrollierten Anwendung, die von den Aufsichtsbehörden nicht genehmigt wurde“. Da „Wegovy“ noch nicht erhältlich ist, wird das niedriger dosierte „Ozempic“ als Lifestyle-Medikament zum Abnehmen bei übergewichtigen Menschen eingesetzt. Beim sogenannten Off-Label-Use: Patienten müssten dann mehr Wirkstoff spritzen, damit das Abnehmmittel wirkt, sagte Petersenn. Je nach verabreichter Dosis könnten die Kosten zwischen 80 und etwa 200 Euro pro Woche betragen.

„Eines der Probleme dabei ist, dass eine Lifestyle-Anwendung nicht geprüft wird“, sagt Petersenn. „Es ist unklar, ob ein Patient, der übergewichtig, aber nicht fettleibig ist, überhaupt Gewicht verliert.“ Auch Nebenwirkungen wie Übelkeit und Durchfall sind möglich. Generell sollte die Anwendung in ein Gesamttherapiekonzept mit Ernährung und Sport unter ärztlicher Aufsicht eingebettet werden. Eine weitere Befürchtung ist, dass die Versorgung von Menschen mit Diabetes aufgrund der hohen Nachfrage von gesunden Menschen, die einfach nur etwas abnehmen wollen, schwieriger wird.

Auch für Personen, die unter die Eignungskriterien fallen, bedeuten die Injektionen nicht automatisch dauerhaftes Normalgewicht. Das Medikament könne nur wirken, solange man es nehme, betonte Petersenn. „Es ist keine Wunderwaffe und verändert weder die Genetik noch den Lebensstil.“ Wer übergewichtig ist, muss entweder jahrelang damit rechnen – oder nach dem Absetzen „erhebliche Disziplin“ aufbringen, um das Gewicht zu halten. Allerdings sind alle Auswirkungen der Langzeitanwendung unerforscht.

Petersenn glaubt, dass Medikamente für einen Teil der Betroffenen in Zukunft eine Magenoperation obsolet machen könnten, die sich bisher bei massivem Übergewicht und erheblichen Begleiterkrankungen bewährt habe. Bisher waren die Abnehmspritzen auch eine Frage des Geldes. Experten bemängeln, dass die Kosten nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. „Die neuen Wirkstoffe könnten zum Game Changer in der Behandlung von Adipositas werden, wenn der Gesetzgeber ihnen den Weg frei macht“, sagte Jens Aberle, Präsident der Deutschen Adipositas Gesellschaft. Dass Menschen mit starkem Übergewicht ihre Behandlung aus eigener Tasche bezahlen sollen, sieht er als „Ausdruck der allgegenwärtigen Stigmatisierung der Betroffenen“.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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