Dienstag, August 16, 2022
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Hohe Temperaturen: Hotline gegen Hitzetod

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Die Hitze ist zurück. Gerade für ältere Menschen kann dies eine große gesundheitliche Belastung darstellen. Einige Städte verwenden ein Wärmetelefon, um ihre Senioren zu warnen. Macht das Sinn?

Bärbel Schmieden, 87, weiß, wovon sie spricht, wenn es um die Folgen von Flüssigkeitsmangel bei Hitze geht: „Ich bin hingefallen, weil ich zu wenig getrunken habe. Ich war dann acht Tage im Krankenhaus und musste raus Aufgüsse, weil Salze fehlten. Seitdem trinke ich jeden Tag 1,5 Liter Wasser“, sagt die Saarländerin.

1,5 Liter Wasser: eine Menge, die vielen Senioren schwer fällt. Mit zunehmendem Alter lässt das Durstgefühl nach. Zudem wird jeder Toilettengang zu einer Herausforderung für mobilitätseingeschränkte Personen.

Das kann besonders an heißen Tagen gefährlich werden. Der Körper schwitzt mehr als sonst, verliert Flüssigkeit. Es kann austrocknen und den Mineralstoffhaushalt entgleisen. Es drohen Kreislauf- und Nierenprobleme, Verwirrtheit bis hin zur Bewusstlosigkeit und sogar lebensbedrohliche Zustände. Menschen, die bereits erkrankt sind, sollten besonders vorsichtig sein. Wer beispielsweise Lungenprobleme hat, bekommt dann noch schlechtere Luft, so der Hitzeforscher Christian Witt von der Charité Berlin.

Im heißen Sommer 2018 starben schätzungsweise 8.400 Menschen an den Folgen der Hitze, bis 2100 könnten es 60.000 pro Jahr sein, wenn nichts dagegen unternommen werde, sagt Witt. Er spricht von giftiger Hitze und fordert Städte und Kommunen zum Kurswechsel auf. So müssten öffentlich zugängliche gekühlte Räume geschaffen werden, in denen Senioren Zuflucht vor überhitzten Wohnungen finden können.

Eine weitere Möglichkeit, allein lebende ältere Menschen zu schützen, ist das Wärmetelefon. Vor einer Woche startete einer in Saarbrücken. Senioren können sich dort anmelden und einen Ansprechpartner angeben. Wenn die Temperatur über 30 Grad steigt, ruft Sie morgens ein Mitarbeiter an, um Sie vor der bevorstehenden Hitze zu warnen.

Sie werden gebeten, regelmäßig zu trinken, Ihre Wohnung durch rechtzeitiges Abdunkeln kühl zu halten und ggf. Ihre Medikamente anzupassen – etwa wenn diese entwässernd wirken.

„Wenn wir den Eindruck haben, dass es der Person schlecht geht, dann sorgen wir dafür, dass ein Nachbar, ein Angehöriger oder der Hausarzt nachsehen“, sagt Elke Kranzhöfer von der Diakonie Saar.

Neben dem Trinken ist es wichtig, ein Aufheizen der Wohnung zu verhindern. Darüber war zuletzt ein öffentlicher Streit entbrannt: Viele Experten raten, Fenster und Balkontüren nachts oder frühmorgens zu öffnen, dann idealerweise quer, also mit Durchzug, zu lüften und ab neun Uhr wieder zu verdunkeln wird wieder heiß. Meteorologe Jörg Kachelmann hingegen schwört im „Spiegel“-Interview auf ständige Zugluft und mindestens einen Fan.

Hitzebedingte Notfälle mit Temperaturen um die 35 Grad halten auch Hausärzte in Atem. Der Kreislauf gebe oft nach, weil zu wenig Flüssigkeit zugeführt worden sei, sagt der Deutsche Hausärzteverband.

Der Verband empfiehlt daher, sich vor allem sehr alten Menschen und Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor der Hitze zu schützen. Besonders zur Mittagszeit hält man sich im Zweifelsfall besser in einer kühlen Wohnung oder im Haus auf und vermeidet körperliche Anstrengung. „Nützlich ist auch alles, was abkühlt, zum Beispiel ein kühles Fußbad“, so der Verband.

Auch in anderen hitzegeplagten Städten steht das Hotline gegen Hitze zur Verfügung: zum Beispiel in Kassel, Worms und Krefeld. In Saarbrücken soll bei etwa 15 älteren Menschen das Wärmetelefon klingeln. Christiane Poersch von der Diakonie Saar hofft, dass es noch mehr werden. „Vielleicht wird es dauern, bis sich das herumspricht.“

Seit zwölf Jahren gibt es das Wärmetelefon in Kassel – nach Angaben der Stadt mit 20 angemeldeten Teilnehmern. Neben der Information wird vor allem das freundliche Gespräch geschätzt.

Die Beschäftigten in Saarbrücken hoffen, dass das Telefon noch vor der bevorstehenden neuen Hitzewelle zum Einsatz kommt – denn nur dann kann es Leben retten. Angesichts tausender Hitzetoter ist dies allenfalls ein erster Schritt zur Sensibilisierung für die Risiken brütender Hitze. „Wir sind ein stark betroffenes Land und müssen dringend für mehr Klimatisierung sorgen“, sagt Wärmeforscher Witt.



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Abgel T
Abgel T
Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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