Mittwoch, Februar 8, 2023
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"Ich bin froh, dass es losgeht" Ex-Hells-Angels-Chef Hanebuth lehnt Gerichtseinigung ab

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Spanische Staatsanwälte werfen Dutzenden ehemaligen Hells Angels-Mitgliedern Drogenhandel, Zuhälterei und Drohungen vor. Die erforderlichen Haftstrafen summieren sich zunächst auf 300 Jahre. Der ehemalige Rocker-Boss Frank Hanebuth geht optimistisch in den Prozess.

Eine bevorstehende lange Zeit hinter Gittern lässt den ehemaligen Rocker-Boss Frank Hanebuth offenbar kalt. Zum Beginn des Strafverfahrens in Spanien gegen ihn und 48 weitere mutmaßliche Ex-Mitglieder und Helfer der berüchtigten Motorradgang Hells Angels zeigte sich der 58-Jährige aus Hannover entspannt. Er habe nichts zu befürchten, sagte er einem Reporter der „Mallorca Zeitung“, bevor er im Saal des Staatsgerichtshofs in San Fernando de Henares bei Madrid vorn auf der Anklagebank Platz nahm. Der fast zwei Meter große ehemalige Boxer, der vor fast zehn Jahren, im Sommer 2013, bei einer spektakulären Razzia auf Mallorca gemeinsam mit mehreren mutmaßlichen Komplizen festgenommen wurde, versicherte den zahlreichen Journalisten: „Ich bin froh, dass es endlich losgeht.“

Die Staatsanwaltschaft fordert für Hanebuth insgesamt 13 Jahre Haft. Die ihm und den anderen Angeklagten zur Last gelegten Verbrechen sollen zwischen 2009 und 2013 auf Mallorca begangen worden sein – vor allem an der Playa de Palma, dem berühmten „Ballermann“.

Die spanische Staatsanwaltschaft wirft den „Engeln der Hölle“ und ihren mutmaßlichen Helfern unter anderem Bildung einer kriminellen Vereinigung, Drogenhandel, Zuhälterei und Bedrohung vor. Hanebuth soll die Hells Angels auf die Ferieninsel geführt haben. Die Anwälte des Deutschen versichern derweil, es gebe keine Beweise gegen ihn – und auch die Beweise gegen andere Angeklagte seien schwach.

Der Prozess begann mit fast vierstündiger Verspätung, weil die Staatsanwaltschaft kurz vor Beginn der Verhandlung versuchte, mit möglichst vielen Angeklagten Einigungen auszuhandeln. Laut seinen Anwälten hat Hanebuth keinen Deal angestrebt, weil er sich für unschuldig hält. Viele der männlichen und weiblichen Mitangeklagten – meist Deutsche, aber auch Türken, Spanier und Luxemburger – akzeptierten eine Einigung. Im Gegenzug für ein Schuldeingeständnis erhielten sie deutliche Strafminderungen, wie am ersten Verhandlungstag bekannt gegeben wurde. Die geforderten Gesamthaftstrafen von ursprünglich fast 300 Jahren wurden dadurch erheblich reduziert.

Einige der Angeklagten schalteten sich per Video zu, vier blieben dem Gericht laut Justiz unentschuldigt fern und werden nun gesucht. Der Prozess läuft noch bis zum 10. Februar. Bis zur Verkündung des Urteils werden jedoch noch Wochen, vielleicht sogar Monate vergehen.

Hanebuth erschien pünktlich am ersten Tag in schwarzem Wintermantel und blau verspiegelter Sonnenbrille. Während der langen Wartezeit unterhielt er sich beiläufig mit einigen Leuten im Auditorium, und sie lachten sogar laut. Er soll an einem der ersten Verhandlungstage aussagen, wie sein Anwalt sagte. Wann genau, steht noch nicht fest.

Laut Polizei hatten fast alle Verdächtigen auf Mallorca „ein Leben im Luxus geführt“. Hanebuth etwa lebte auf einer Finca in Lloret de Vistalegre im Zentrum der Insel, deren Wert von den Behörden auf 2,5 Millionen Euro geschätzt wurde. Nach zwei Jahren hinter Gittern wurde Hanebuth, der vor seinem Wechsel nach Mallorca jahrelang Präsident der Hells Angels Hannover war, im Sommer 2015 gegen eine Kaution von 60.000 Euro und unter Auflagen aus der Haft in einem Hochsicherheitsgefängnis im südlichen Cadiz entlassen Spanien. Erst 2017 durfte er das südeuropäische Land verlassen. Anschließend kehrte er nach Deutschland zurück. Seit ihrer Rückkehr lebt Hanebuth in der Nähe von Hannover.

2017 sorgte seine Ehe für Aufsehen. Weil hunderte Gäste und Schaulustige kamen, musste die Polizei kurzfristig Straßen sperren. Auch im Steintorviertel, dem Rotlichtviertel Hannovers, wurde der Ex-Rocker-Boss gesichtet. Auf Facebook betreibt er eine Seite als Person des öffentlichen Lebens.

In Deutschland musste sich Hanebuth noch nie vor Gericht mit so schweren Vorwürfen auseinandersetzen wie in Spanien. Im November wurde er vor dem Landgericht Hannover wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung in einem minder schweren Fall sowie wegen des Besitzes von Elektroschockgeräten und scharfer Munition zu einer Geldstrafe von 4.800 Euro verurteilt. Seine Anwälte legten jedoch Berufung ein.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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